Der Traum
Eine Gestallt kam aus dem Wasser direkt auf mich zu.
"Wir müssen reden", hörte ich eine Stimme sagen, "Heute am Strand."
Es waren immer die gleichen Worte.
"Atlantis braucht dich"
Schon seit meiner Kindheit.
Ich fuhr aus dem Schlaf hoch. Seit einigen Tagen waren sie besonders häufig, diese Träume.
Ich konnte es schon fast riechen, obwohl ich noch nie da war. Ich würde gerne mal hin. Ein schönes Bild von einem Sonnenuntergang am Meer würde sich auf Insta bestimmt gut machen. Ich lebte sogar in New York (also nicht direkt, aber kurz davor). Das Meer war also nicht so weit weg. aber Mom ließ mich nicht. Sie war Tiefseeforscherin und Professorin für Meeresforschung und behauptete mir gegenüber das die Sonnenstrahlen, die vom Wasser widergespiegelt wurden, krebserregend seien. Genau so wie das Meereswasser schlecht für die Haut sei.
Vor einigen Wochen hatte ich allerdings ein Referat genau zu diesem Thema gehalten und herausgefunden, dass das überhaupt nicht wahr war. Seit dem hatte ich sie versucht zu überreden mich mit meiner besten Freundin nach Kalifornien fahren zu lassen. Es war schließlich Winter und meine beste Freundin Luzi ging wie jedes Jahr nach Kalifornien campen.
Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn und stand auf. Wenn ich schon mal wach war, konnte ich auch gleich aufstehen. Ich zog mich rasch an und ging ins Bad. Ich sah nicht in den Spiegel beim Zähneputzen. Das tat ich nie wirklich. Stattdessen begann ich zu packen. Selbst wenn meine Mutter es mir nicht erlauben würde, würde ich gehen. Ich war gut im Unterschriften fälschen. Sogar so gut das Luzi und ich einen schulinternen Handel mit fake Unterschriften betrieben. Und ihre Eltern würden nichts dagegen sagen. Selbst wenn sie wüssten das ich meiner Mutter nichts gesagt hatte. Als Arzt und freiwilliger Rettungsschwimmer waren sie schließlich bestens geeignet um auf mich aufzupassen.
Ich schloss meine Sporttasche. Mehr würde ich nicht brauchen. Mit einem erschrockenen Blick auf die Uhr lief ich ins Bad, holte mir einen Kamm und setzte mich an den Schminktisch. Als ich begann verzweifelt meine Haare zu kämmen, blieb mein Blick im Spiegel hängen.
Eigentlich war ich gar nicht so hässlich. Ein bisschen kreideweiß und dünn. Dafür aber mit riesigen blauen Augen und blonden Haaren.
Meine Augen und Haare waren das Einzige was ich an mir mochte und darum auch das Einzige was ich je im Spiegel betrachtete. Ok, ich gebe ja zu das ich nicht ganz so schlimm aussah. Etwas klein und so, aber nicht komplett schlecht. Nur halt wie ein Vampir mit langen, lockigen Haaren und tiefblauen Augen. Ich hatte vielleicht auch nicht den besten Style. Schwarze Lederjacke, schwarze Lederhose, schwarze Lederstiefel und schwere, goldene Ketten um den Hals gepaart mit weißen T-Shirts mit irgendwelchen Aufschriften drauf. Ist jetzt nicht unbedingt der Style auf den normale Jungs stehen. Seufzend gab ich es auf mein ewig verfilztes Haar zu kämmen und warf die Bürste ober auf meine Sachen, bevor ich die Tasche endgültig schloss.