ALINA
Clara öffnet die Tür.
„Hallo,“ sagt sie zum Lieferanten und winkt ihm herein. „Stellen Sie sie einfach hier ab.“
Der Lieferant stellt die Kartons ab, und Clara unterschreibt den Lieferschein. Ich verstecke mich in der Küche, im Schlafanzug, ohne BH.
„Danke,“ sagt Clara, bevor ich die Tür schließen höre.
Ich gehe um die Wand herum und sehe sie stehen, die Hände in die Hüften gestützt, während sie alle Pakete begutachtet.
„Mein Gott… wie tief können sie eigentlich sinken.“
„Hmm.“
Ich lasse mich auf das Sofa fallen, wenig beeindruckt.
„Nimm, was du willst.“
Clara lächelt schief.
„Wie immer.“
Sie beginnt, die Pakete auf den Esstisch zu legen.
„Weißt du, das alles ist ein bisschen schlimm.“
„Was denn?“
„Alle großen Modehäuser schicken dir ihre Neuheiten, Millionen an Schuhen und Handtaschen, nur in der Hoffnung, dass du sie einmal trägst und fotografiert wirst. Und das Lustige daran: Du bist die einzige Person in den USA, die all das überhaupt bekommen kann. Sie hätten es dir nicht gratis geben müssen. Sind die dumm oder was?“
Ich lache leise.
„Zum Glück habe ich dich, um das alles loszuwerden, oder?“
„Genau,“ murmelt sie scharf. „Daran habe ich gedacht.“
Sie öffnet einen Karton und holt eine schwarze, genoppte Ledertasche heraus.
„Oh… komm zu mir.“
Sie seufzt zufrieden, hängt sie sich über die Schulter und betrachtet sich im Spiegel.
„Warum kommt alles auf einmal?“
„Die Fashion Week ist nächste Woche.“
„Ahhh…“ seufzt Clara Nique und erinnert sich. „Und du, was trägst du?“
„Keine Ahnung,“ seufze ich. „Dieses Jahr habe ich wirklich keine Lust, nicht mal die Motivation, hinzugehen.“
Ich sehe mir die Kartons an, es müssen mindestens zwanzig sein.
„Es kommt darauf an, was sie mir geschickt haben.“
Clara lässt sich neben mir auf das Sofa fallen.
„Ich wünschte, ich hätte deinen Geschmack. Du ziehst irgendwas an und siehst aus wie eine Million Dollar. Ich ziehe dasselbe an und sehe aus wie ein wissenschaftliches Experiment.“
Ich lächle.
„Ich bezweifle das sehr.“
Ich sehe sie an.
„Kommst du mit mir?“
„Zur Fashion Week?“
„Uh-huh.“
„Klar. Schon mal verpasst?“
„Und du, was ziehst du an?“
„Was du nicht trägst.“
Ich gehe ins Wohnzimmer, öffne meinen Mantel und lege die Hände dramatisch auf die Hüften, als stünde ich auf dem Laufsteg.
Clara Niques Augen weiten sich, als sie mich mustert.
„Wow.“
Ich lächle und betrachte mein Outfit: hellblaue Overknee-Stiefel, passendes Leder-Minikleid und Trenchcoat in derselben Farbe.
„Nicht schlecht, oder?“
Clara läuft um mich herum.
„Unglaublich… Chanel?“
„Von Kopf bis Fuß.“
„Mein Gott.“
Ich nehme die passende Tasche mit der klassischen goldenen Kette.
„Gefällt dir?“
„Ich liebe sie,“ flüstert Clara.
Es ist die Fashion Week in Bordeaux, und heute legen wir los.
Mein langes schwarzes Haar ist offen, mein Make-up dezent, das kräftige Blau ist der Star des Outfits, ich will nichts überladen.
„Welche Sonnenbrille? Diese?“
Ich setze eine goldene Ray-Ban auf.
„Oder diese?“
Ich setze dicke Schildpatt-Gläser auf.
„Hmm… die goldene,“ sagt Clara und verzerrt die Lippen.
„Ja, dachte ich auch.“
Ich betrachte sie. Neon-pinkes Kleid, passende Absätze.
„Wow, du siehst fantastisch aus.“
„Ich kann Chanel nicht schlagen, die verstehen mich zu gut.“
Sie legt die Hände in die Hüften und macht einen kleinen Tanzschritt.
Ich lache.
„Er hat wirklich das gewisse Etwas, ja.“