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716 Worte
ALINA Zwanzig Minuten später bogen wir in eine Tiefgarage ein. Die großen Metalltore hoben sich langsam. Ich blickte durch das Rückfenster und sah, wie drei Autos hinter uns einfuhren. Moment mal… wir wurden beschattet? Ich warf einen Blick zu Moritz; sein stählerner Blick war starr aus dem Fenster gerichtet. Ich sah wieder nach vorn. Natürlich wurden wir das. Seine Worte von vorhin kamen mir wieder in den Sinn: „Unser Blut ist eine Trophäe. Unser Tod ist ein Sport.“ „Guten Abend, Herr von Dunkelfeld.“ Einer der Wachen nickte. Die Männer waren alle still und in höchster Alarmbereitschaft – ganz anders, als sie sich mir gegenüber verhielten. Ich bekam das Gefühl, dass Moritz mit eiserner Faust regierte. Niemand würde es wagen, in seiner Gegenwart auch nur einen Millimeter aus der Reihe zu tanzen. Wir nahmen den Aufzug. Im obersten Stockwerk angekommen, öffnete er sich in einen Foyerbereich. Moritz legte seine Hand auf einen Scanner und die Türen schwangen auf. „Wo sind wir?“, fragte ich. „Bei mir“, sagte er, während er zurücktrat und mich zuerst eintreten ließ. Ich ließ den Blick durch das riesige Apartment schweifen. Es war extrem modern, mit bodentiefen Fenstern und Blick über ganz Barcelona. „Bei dir?“ Ich runzelte die Stirn, nahm meinen Schal ab und warf ihn über die Rückenlehne der Couch. „Ich habe hier gewohnt, bevor wir den Betrieb verlagert haben.“ Ich nickte und sah mich um; es war wirklich beeindruckend. Moritz ging durch den Raum und verschwand auf einer großen Treppe. „Das Gästezimmer ist hier oben“, rief er mir zu. Er servierte mich ab. Oh… Ich folgte ihm die Treppe hinauf und durch den prächtigen Flur. „Ich habe dein Zimmer mit dem Nötigsten ausstatten lassen, aber wenn du etwas brauchst, sag einfach Bescheid.“ „Danke.“ Ich sah mich um. Das Schlafzimmer war wunderschön – prachtvoll, luxuriös und mit exotischer Kunst dekoriert. „Lass die Tür verschlossen.“ Mein Gesicht wurde starr. „Glaubst du, dass jemand in mein Zimmer kommen könnte?“ „Ich weiß, dass sie es wollen würden.“ Seine Augen fixierten meine, und plötzlich wurde mir kristallklar, wen er aus meinem Schlafzimmer fernhalten wollte. Sich selbst. „Oh… o… kay…“, stammelte ich. „Gute Nacht, Alina.“ Er verließ das Zimmer und ging den Flur entlang. Ich folgte ihm nach draußen. „Moritz.“ Er drehte sich zu mir um. „Ja?“ „Danke.“ Er nickte, blieb aber stumm. Wir starrten uns an, und die Anziehungskraft zwischen uns war unbeschreiblich. Sein Blick ruhte auf meinem, während er darauf wartete, dass ich etwas sagte. Es gab so viel, was ich sagen wollte, aber kein einziges Wort kam über meine Lippen. „Gibt es irgendeine Möglichkeit, dass ich diesen Auftrag zu Ende führen kann? Er ist extrem wichtig für meine Karriere. Eine große Hotelkette, und das hier ist mein erstes Projekt. Ich müsste in den nächsten Wochen nur ein paar Mal hier sein, den Rest der Zeit kann ich vom Hamburger Büro aus arbeiten. Wenn das Hotel in Barcelona erst einmal renoviert ist, muss ich nie wieder hierher zurück. Aber wenn ich das hier nicht beende, kann ich nicht zum nächsten Hotel im Ausland übergehen und muss kündigen.“ „Du musst nicht arbeiten, Alina“, sagte er mit einer weichen, fast schmeichelnden Stimme. Ganz anders, als er in letzter Zeit mit mir gesprochen hatte. „Aber ich will es. Das ist mein Traumjob. Ich habe jahrelang dafür studiert, ich will das nicht wegwerfen.“ Suchend sah ich ihn an. „Können wir eine Lösung finden… es geht nur um ein paar Wochen.“ Er atmete schwer aus. „Ich schaue, was ich tun kann.“ Ich nickte mit einem schiefen Lächeln. „Danke.“ Wir starrten uns an, allein im dunklen Flur. Die Spannung zwischen uns war noch immer da – wie eine greifbare Einheit, eine Macht, mit der man rechnen musste. „Heirate ihn nicht“, murmelte er. „Warum nicht?“ „Weil ich dich darum gebeten habe.“ Mein Herz zog sich zusammen, während wir uns ansahen. Dann, ohne ein weiteres Wort, drehte er sich um und verschwand im Flur. Ich ging zurück in mein Zimmer und schloss diese verdammte Tür ab.
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