Astrea verfluchte sich innerlich. Er wusste die ganze Zeit, dass sie hier war! Er war ihr bereits auf der Spur.
Sie brauchte einen völlig neuen Plan, aber leider fiel ihr in diesem Moment nichts ein. Doch es blieb keine Zeit zum Nachdenken, und Selbstbewusstsein war der Schlüssel zu allem.
Fenrir stand immer noch am Feuer, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, sein ganzer Körper ein Bild von Stärke und Macht. Er wartete auf ihren nächsten Zug.
Und sie beschloss, ihn nicht zu enttäuschen. Astrea zog die Vorhänge mit beiden Händen rasch auf, der Stoff flatterte um sie herum und enthüllte ihre Figur, die von einem durchsichtigen, teuren Negligé bedeckt war, während sie ihr Kinn hochhielt, als wäre sie nicht auf frischer Tat ertappt worden. Fenrir drehte sich langsam auf den Fersen, um ihr gegenüberzustehen, und sie hätte schwören können, dass seine leuchtenden Augen dunkler wurden, als er leise fluchte und sein Kiefer sich anspannte, während er sie in sich aufnahm. Das Nachthemd, das sie trug, verbarg kaum etwas vor seinem Blick, der von Minute zu Minute wilder wurde. Genauso wie die Raumtemperatur zu steigen schien.
„Das kann doch nicht dein Ernst sein!“ knurrte er, und der Mundwinkel ihrer Lippen hob sich leicht.
„Mein König,“ machte sie einen Knicks, und er war in einem Augenblick neben ihr, schwer atmend, doch zu ihrer Überraschung versuchte er nicht, sie zu berühren.
Man könnte sagen, dass, wenn eine Frau spät in der Nacht in das Schlafzimmer eines Mannes ging und dabei so gekleidet war, es nur einen Grund geben könnte. Er musste es annehmen. Jeder würde es annehmen.
Was glaubst du, was du da tust?", knurrte er und sein Körper strahlte Hitze aus.
„Was sieht es denn aus, was ich tue?“ Sie schenkte ihm ihr verführerischstes Lächeln aus ihrem Repertoire. Sie war relativ gut im Flirten. Ihr Lehrer hatte dafür gesorgt, dass sie darin exzellent war, aber das war das Weiteste, was ihre Missionen normalerweise erforderten. Selbst als sie zu den Luna Trials geschickt wurde, war es nicht ihre Aufgabe, den nördlichen König zu verführen. Sie sollte so lange wie möglich bleiben und berichten, was im Schloss vor sich ging, was nicht allgemein bekannt war.
Heute jedoch war sie auf die schlimmste Weise in die Enge getrieben. Gefangen ohne Ausweg.
„Es sieht so aus, als wärst du im falschen Zimmer gelandet,“ gab Fenrir ihr großzügig einen Ausweg, was sie noch mehr verwirrte und ihre Augenbrauen zusammenziehen ließ.
Warum würde er das sagen? War es nicht die naheliegendste Schlussfolgerung, dass sie hier war, um sich ihm anzubieten?
Sein Vorschlag machte sie wütend, und sie wünschte, ihn seine Worte bereuen zu lassen, obwohl sie nicht vorhatte, letztendlich mit ihm zu schlafen.
„Oh, du hast mich erwischt!“ kicherte sie. „Ich war auf der Suche nach dem Zimmer von Devoss. Ist das den Flur entlang nach links?“
Sie ging an diesem Berg von einem Mann vorbei, doch er packte ihren Arm und zog sie näher. Sie stieß gegen seine harte Brust und spürte jede Kante seiner Muskeln unter dem Hemd, das sie nun trennte.
„Devoss steht nicht auf Frauen,“ informierte sie Fenrir, sein Atem kitzelte ihre Haut und rief einen Ansturm von Gänsehaut hervor. Sein ungewöhnlicher Duft nach Zedernholz und Rauch umhüllte sie beide, und Astrea schloss für einen Moment die Augen, um ihn tief in ihre Lungen einzuatmen. Glimmende Zedernholzkohle kam ihr in den Sinn, und als sie ihre Augen wieder öffnete, sah sie die Funken des Feuers in seinen Iriden schimmern. Als ob eine Flamme, die zu erlöschen drohte, mit neuer Kraft zu brennen begann.
„Bash wird es dann auch tun,“ flüsterte sie und war sich ihrer Nähe allzu bewusst. Fenrir schien ihre Worte nicht zu gefallen, denn die Flammen in seinen Augen intensivierten sich. Als wären sie real und nicht nur eine optische Täuschung irgendeiner Art.
„Keiner von ihnen wird dich berühren,“ warnte Fenrir sie, und sie neigte spielerisch den Kopf und hob die Augenbraue.
„Warum das?“ Astrea neckte ihn, indem sie ihre Finger über seine Brust streifen ließ, was ihm einen scharfen Atemzug entlockte. Es sah aus, als würde er sich kaum noch zurückhalten können.
„Weil ich es so sage.“ Fenrirs Stimme grollte durch den Raum und tat etwas mit ihr. Etwas, das sie noch nicht ganz erklären konnte.
„Warum würdest du das sagen?“ Sie lachte auf und merkte, dass er immer noch ihr Handgelenk festhielt. „Wir kennen uns kaum. Warum kümmert es dich?“
Sie wusste, dass es wahrscheinlich daran lag, dass er ihr nicht vertraute und sie für den Spion hielt, der sie tatsächlich war.
Er vermied jedoch eine direkte Antwort.
„Und warum bist du in mein Zimmer gekommen?“ hob er fragend eine Augenbraue.
„Ist das nicht offensichtlich?“ kicherte sie und wurde immer mutiger, während sie sich erlaubte, mit den Fingern über seine sorgsam gestutzten Bartspitzen zu streichen. Das raue Haar stach in ihre Haut, aber die Empfindung schien ihr vertraut.
Und angenehm.
„Erkläre es genauer,“ Fenrir sah nicht aus, als würde er sie loslassen.
„Ich bin gekommen, um dich besser kennenzulernen, natürlich!“ grinste Astrea ihn an und dachte, das würde sein letztes bisschen Geduld kosten.
„Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünschst!“ warnte er sie erneut, zog sie näher, als es klarerweise an der Zeit war, sie wegzustoßen.
Wenn er es wollte, natürlich.
„Ich begrenze mich nicht, wenn ich träume,“ gestand sie und fand sich in seinen Armen gefangen, als sie versuchte, sich spielerisch zu distanzieren. Der Schurke vor ihr beobachtete ihre jämmerlichen Versuche mit einer Art von Amüsement.
„Ich auch nicht,“ gab Fenrir zu, kurz bevor seine Lippen auf die ihren prallten, auf die unentschuldigendste Weise. Seine Hände wanderten sofort über ihren Körper, nur die dünne Seide hinderte ihn daran, ihre nackte Haut zu berühren.
Das machte ihr jedoch keine Angst.
Es war perfekt.
Für den Plan, natürlich. Nicht allgemein.
Sie hatte sich doch einen neuen Plan gemacht.
Dennoch ließ jeder Wirbel seiner Zunge in ihrem Mund sie vergessen, warum sie hierhergekommen war, und bald fand sich Astrea wieder, wie sie ihre Hände um seinen Hals schlang, ihre Finger in sein weiches Haar verflocht und mit ihrem ganzen Körper auf seinen Kuss reagierte, einige ihrer physiologischen Reaktionen eine völlige Überraschung für sie.
Wie die Hitze, die sich in ihrer Mitte sammelte.
Sie kannte die Anatomie. Sie wusste, was zu erwarten war, doch... Astrea hatte sich noch nie so gefühlt, obwohl das nicht ihr allererster Kuss war.
Etwas an diesem rauen Mann, den sie gerade erst kennengelernt hatte, weckte einen Teil in ihr, den sie nicht kannte. Dieser Teil wollte nicht spielen oder so tun. Er wollte erleben.
Fenrir unterbrach den Kuss, griff nach den Haaren an ihrem Hinterkopf und zog sie, um sich besseren Zugang zu ihrem zarten Hals zu verschaffen, seine Lippen darüber streichend in einer qualvollen Liebkosung, die sie leise aufstöhnen ließ.
„Letzte Chance, aufzuhören,“ warnte er sie, stoppte nur an ihrem Schlüsselbein, ihre Atemzüge keuchten, und ihre Augen waren aufeinander fixiert. Sie konnte die Hitze spüren, die von seinem Körper ausging, sein Duft verstärkte sich aus irgendeinem Grund, und sie fand sich kopfschüttelnd wieder, bevor die Antwort ihre Lippen erreichte.
„Wo wäre da der Spaß?“
Eine unschuldige Antwort, und sie löste etwas in Fenrir aus, brach das letzte Hindernis zwischen ihnen.
„Wie du wünschst.“ Er packte sie an der Taille, hob sie hoch, als würde sie nichts wiegen. Astrea schlang ihre Schenkel um seinen Oberkörper und öffnete sein Hemd, während er zum Bett ging. Sie brauchte die Knöpfe intakt, doch in dem Moment, als sie es mit seiner Hilfe schaffte, das verdammte Hemd von ihm zu ziehen, hielt sie inne. Seine Schultern waren mit alten runischen Tattoos in komplizierten Mustern bedeckt, aber was ihre Aufmerksamkeit erregte, waren die Narben. Einmal wurde der Mann vor ihr brutal gefoltert und von einem Sadisten verletzt. Denn... es war schwer, einen Gestaltwandler zu vernarben. Fast unmöglich. Derjenige, der ihm das angetan hatte, hatte diese Narben wahrscheinlich absichtlich hinterlassen. Außerdem musste er sich sehr anstrengen, um sie zu hinterlassen. Sehr anstrengend.
„Schau mich an,“ befahl Fenrir, und sie gehorchte, verließ ihren tranceartigen Zustand. Ihre Lippen kräuselten sich, als ihr wieder einfiel, dass sie hier war, um ein Spiel zu spielen. Das hier war nichts Persönliches, und nichts davon war real. Daran musste sie sich erinnern.
„Wie Ihr wünscht, mein König,“ lächelte sie ihn an, und bevor sie noch etwas sagen konnte, brachte er sie mit einem Kuss zum Schweigen, legte sie auf sein Bett und drückte ihre Hände auf die Matratze.
Sie konnte sein pochendes Verlangen spüren. Die deutliche Wölbung in seiner Hose war schwer zu übersehen, aber... Nichts davon fühlte sich so schrecklich an, wie sie es erwartet hatte. Tatsächlich fand sie Gefallen daran, so begehrt zu werden. Da war etwas in Fenrir, das sie anzog. Es war zu schwer, ihm zu widerstehen und es nicht zu genießen.
„So lange...“ murmelte er, als seine Hand an ihrem Oberschenkel hinunterglitt, um den seidigen Stoff hochzuziehen. Sie konnte sein inneres Knurren spüren, als seine Finger endlich ihre Haut berührten. Gierig ließ er seine Hand über ihren Hintern wandern und stöhnte in ihren Mund.
Er gönnte ihr nur einen kurzen Moment der Ruhe, als er seinen Gürtel öffnen wollte, doch in diesem Augenblick übernahm Astrea die Initiative. Mit einem schnellen, geübten Schwung ihrer trainierten Oberschenkel drehte sie ihn neben sich und setzte sich zu seiner eigenen Überraschung rittlings auf ihn.
„Ich bin gerne diejenige, die das Sagen hat,“ sagte sie mit einem teuflischen Grinsen und erntete ein zustimmendes Knurren.
„Kleine Plage,“ knurrte er und umfasste ihren Po, knetete ihn, während er sich aufrichtete, unfähig, sich auch nur einen Moment von ihr zu lösen. Es gab keine Worte mehr, keine Pausen zum Atmen, nur seine Hände, die ihren Körper erkundeten, und ihre unkontrollierbaren Seufzer, die sie trotz all ihres Trainings nicht unterdrücken konnte. Nicht bei ihm.
Fenrir zog den Träger ihres Nachthemds herunter, sodass es auf ihre Taille fiel, und nahm sofort eine ihrer harten Brustwarzen in seinen Mund, gierig nach ihrem Fleisch. Astrea bog ihren Rücken für ihn durch, verloren in all den neuen Empfindungen.
Es musste aufhören. Sie musste aufhören. Das hier war nicht real. Es ging zu weit.
Er war kein Mann. Er war eine Mission.
Doch sie wollte nicht auf diese rationale Stimme in ihrem Kopf hören. Und Nova auch nicht. Ihre Wölfin war mit allem, was gerade passierte, absolut einverstanden, und das war seltsam.
Sie grub ihre Nägel in seine Haut, und er ließ ihre Brust los, um die andere mit seiner Hand zu liebkosen.
Einen Moment lang sahen sie sich in die Augen…
„Du hättest nicht kommen sollen,“ sagte er, seine Stimme heiser und tiefer als sonst.
„Ich weiß,“ antwortete sie, und ihre Zungen trafen wieder aufeinander.
Gut. Es fühlte sich so gut an, dass sie beschloss, nicht aufzuhören. Vielleicht war es eine seltsame Entscheidung, ihr erstes Mal mit einem völlig Fremden zu haben, aber zumindest wusste sie, dass es gut sein würde.
Astrea wusste, dass sie es bereuen würde, wenn sie jetzt aufhörten.
Er widmete sich wieder ihrem Hals und saugte an ihrer zarten Haut an all den richtigen Stellen. Das erregte sie schnell, denn sie wusste, dass er sich dem Markierungsfleck an ihrem Schlüsselbein näherte, einer Stelle, die so empfindlich war, dass sie es kaum erwarten konnte, ihn dort zu spüren. Die Vorfreude war fast genauso gut wie das, was er mit ihr machte.
Seine Zunge löste eine Welle von Gänsehaut in ihr aus, und sie schloss die Augen, bereit, alles zu genießen, was er ihr geben wollte. Doch im nächsten Moment durchzuckte ein scharfer, brennender Schmerz ihren Körper und holte sie in die Realität zurück.
Astrea schrie in Fenrirs Armen auf, ihr zarter Körper zitterte heftig.
Er hielt sofort inne, seine verdunkelten Augen suchten nach einer Antwort auf die unausgesprochene Frage, die sich in ihrem Gesicht abzeichnen musste.
Astrea wünschte, sie könnte etwas sagen. Als seine Lippen ihre Haut verließen, verschwand der Schmerz sofort, doch sie spürte, wie sich die Schlange nun fester um ihren Hals legte, sie würgte. Sie konnte nicht atmen. Dieses Mal aus einem völlig anderen Grund.
Und es war alles andere als angenehm.
„Bist du–“ Fenrir sah so besorgt aus, dass Astrea ein Schuldgefühl durchfuhr. Sie zog ihn zu sich heran und küsste ihn, während sie ihre Hüften bewegte, um ihn mit ihrer Bewegung zu spüren und ihn von dem, was wirklich vor sich ging, abzulenken.
Die Schlange kontrollierte sie. Ihr Lehrer kontrollierte sie. Der Serpent.
Fenrirs Hände waren sofort wieder auf ihr, und Astrea griff nach der Blumenhaarnadel, die noch immer ihr Haar zusammenhielt. Ein zierliches kleines Ding mit einer vergifteten Nadel im Inneren.
Ohne zu zögern, stach sie Fenrir damit in den Hals. Die konzentrierte Dosis würde ausreichen, um drei große Männer außer Gefecht zu setzen. Es musste genug sein, damit er bis zum Morgen schlief. Und damit sie hier rauskommen konnte.
Wenn er die Injektion spürte, zeigte er es nicht, sondern legte seine Hand um ihren Hals und sah ihr mit derselben Mischung aus Verlangen und Sehnsucht in die Augen, die er die ganze Zeit gehabt hatte.
„Dieses Schlangentattoo passt nicht zu dir!“ knurrte er und drückte sie zurück auf das Bett, sich über sie aufbauend.
„Ich mag deine Tattoos auch nicht!“ Astrea verengte wütend die Augen. Die Schlange auf ihrer Haut gefiel ihr keineswegs, aber sie war es auch nicht gewohnt, sich von Männern kritisieren zu lassen.
„Lügner,“ lachte Fenrir leise und blinzelte, bevor er sein Gesicht senkte, um sie erneut zu küssen.
Sie wollte ihn wegschieben, da das Spiel langsam den Spaß verlor, doch zu ihrem eigenen Erstaunen begann das Gift endlich zu wirken. Im nächsten Moment fiel Fenrirs ganzer Körper auf sie, drückte sie auf das Bett und ließ sie unter seinem Gewicht gefangen zurück, als er bewusstlos wurde.
„Fenrir?“ rief sie leise, nur um sicherzugehen, dass das Mittel wirkte. „Fenrir, alles in Ordnung?“
Keine Antwort.
Der König der Schurken war so schwer, dass sie sich für ein paar Minuten unter ihm hilflos wand und versuchte, sich zu befreien.
Er war so warm und roch so gut, dass sie fast bereute, das Geschehen zwischen ihnen gestoppt zu haben.
Dennoch war ihre Aufgabe klar, und das durfte nicht passieren. Sie musste verschwinden und dafür sorgen, dass es so aussah, als wäre sie niemals hier gewesen.
Sie griff nach einem der Bettpfosten, nutzte all ihre Körperkraft, um sich unter ihm hervorzuwinden, und schob ihn mit ihrem Fuß auf den Rücken.
Sorgfältig untersuchte sie ihn und stellte fest, dass das Gift genau wie geplant wirkte.
Als Nächstes musste sie alle Spuren von sich hier beseitigen, angefangen beim König selbst. Obwohl sie versucht hatte, ihren Duft zu kontrollieren, haftete er dennoch an ihm, weil sie vor wenigen Augenblicken so nah beieinander gewesen waren.
Astrea zog ihr Negligé wieder hoch und sah sich um, wobei ihr Blick auf einem Schrank voller Alkoholflaschen landete.
„Bingo!“ Sie lächelte in sich hinein, nahm zwei Flaschen und ein T-Shirt, das sie auf einem der Stühle fand. Sie öffnete die Flaschen und begann, den Alkohol im Raum zu versprühen, wohl wissend, dass dies jede schwache Spur ihres Duftes überdecken würde. Dann tränkte sie das T-Shirt mit dem Alkohol und kehrte zum König zurück.
Schnell, und ohne ihn zu sehr anzusehen, wischte sie seinen Oberkörper mit dem vom Whiskey getränkten Stoff ab, hielt jedoch inne, als sie eine Narbe direkt über seinem Herzen entdeckte. Seine Wunden waren merkwürdig!
Sie hörte Geräusche von draußen und beschloss, sich zu beeilen. Sie versprühte den Rest der Flasche über das Bett und legte sie dann in Fenrirs Hand.
Wenn er aufwachen würde, wäre er sicher, dass er einfach betrunken war, und falls er sich überhaupt an sie erinnerte, würde er glauben, es sei nur ein Traum gewesen.
„Plage“, murmelte er, und sie sorgte sich, dass das Gift nicht stark genug war. Sie musste hier schnellstens raus.
„Es ist nur ein Traum, Fenrir“, flüsterte sie ihm ins Ohr. „Nur ein Traum.“
Er antwortete nicht, und sie atmete erleichtert auf.
Zu guter Letzt kehrte sie zum Kamin zurück und warf das T-Shirt hinein, um sicherzustellen, dass alles in Flammen aufging. Sie überprüfte, ob die Haarnadel an ihrem Platz war, und versuchte dann das Fenster, durch das sie in den Raum gekommen war, erneut zu öffnen. Zu ihrer Überraschung ließen sich die Fensterläden diesmal leicht öffnen, und sie war in kürzester Zeit wieder auf dem Dach, betend, dass sie nichts hinterlassen hatte, was ihre Anwesenheit in Fenrirs Schlafzimmer verraten könnte.
In ihrem Zimmer hielt sie sich auch nicht lange auf. Sie sammelte ihre Duschutensilien und machte sich auf den Weg zu den Duschen. Schließlich war mitten in der Nacht wahrscheinlich die beste Zeit hier.
Sie reinigte sich gründlich, um den Duft des Schurken von ihrer Haut zu entfernen. Dann wusch sie ihr seidiges Negligé aus demselben Grund und kehrte schließlich zurück, um den wohlverdienten, spurenfreien Schlaf zu finden.
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Am Morgen wachte Astrea vom Summen ihres Telefons auf. Der Anrufer-ID ließ sie schwer schlucken, und sie ging sofort ran, da sie wusste, dass es besser war, ihren Lehrer nicht warten zu lassen.
„Libelle“, begrüßte sie die Stimme des Serpent, kälter als gewöhnlich, was an sich schon ein schlechtes Zeichen war.
„Lehrer“, murmelte sie und rieb sich die Augen.
„Nein“, antwortete er, das Wort in die Länge ziehend, als wäre es ein Spiel. „Versuch es noch einmal.“
„Joran.“ Sie erinnerte sich an ihre neue Vereinbarung und stand aus dem Bett auf, um nach einem Bademantel zu suchen, den sie über ihr Nachthemd werfen konnte. Sie ging an einem Spiegel vorbei, auf dem Weg zu einem der Koffer, und erstarrte, als sie ihr Spiegelbild darin sah.
„Verdammt!“ fluchte Astrea laut, völlig vergessend, dass sie noch in der Leitung war…