Kapitel 12.3

1764 Worte
„Das hatte ich gehofft", lächelte Astarot sichtbar zufrieden und schlürfte seine Auster. Während sie aßen, wollte Sera wissen, ob er öfter ins Ausland musste und wie diese Dinge dann abliefen. Ob er die Klienten dann vor dem ausländischen Gericht vertrat oder nicht. Es war ein spannendes Thema und Sera fiel gar nicht auf, dass sie nun doch über die Arbeit sprachen. Astarot erklärte ihr die Sachen, wobei es bei ihm Kundenabhängig war. Manche seiner ehemaligen Klienten waren ins Ausland gezogen und luden ihn ab und an ein. „Was ist das dann für eine Art? Machen Sie dort Urlaub oder arbeiten Sie richtig?", forschte Sera weiter. Es war wohl ein Privileg, wenn ein Kunde ihn einlud. „Kommt darauf an, warum man mich einläd", lachte er. „Manchmal mache ich auch einfach nur Urlaub." Da kam Seras Frage auf, wie viele Länder er schon bereist hatte. Es interessierte sie einfach. Auch, weil sie gerne wissen wollte, wie Astarot privat war, nachdem sie zusammen wohnten. Noch konnte sie in ihre eigene Wohnung nicht zurück. Es würde wohl auch noch etwas dauern. „Ich habe fast alle Länder der Welt bereist", meinte er belustigt und lehnte sich etwas zurück. Die Muscheln waren leer. Sera schlürfte genüsslich ihre letzte Muscheln und benutzte dann die Serviette, um sich den Mund abzutupfen. „Es ist bestimmt schön, aber auch anstrengend mit den verschiedenen Zeitzonen, nicht wahr?" „Man gewöhnt sich daran", winkte er ab. „Aber in manchen Ländern ist es wirklich heiß. Das kann einem sehr zu schaffen machen." Erneut leuchteten Seras Augen, als sie meinte, dass er ihr die schönsten Ziele eines Tages sagen sollte. Diese würde sie dann zuerst bereisen. Sera wollte die Welt entdecken, Neues lernen und eine Auszeit nehmen, wenn es an der Zeit war. „Wenn Sie gedenken weiterhin bei mir zu arbeiten, dann werden Sie mit Sicherheit einige Länder bereisen", erklärte er, als wäre das logisch. „Am Ende jedes Jahres gibt es einen Kanzleiausflug." „Was bedeutet das denn genau?", wollte Sera wissen. Wurden alle Mitarbeiter eingeladen, irgendwo hin zu fliegen und Urlaub zu machen? Außerdem würde Sera, solange sie bei Astarot arbeitete, die Länder für die Arbeit bereisen. „Ich besitze in einigen Ländern kleine Anwesen. Dort lade ich dann die Belegschaft ein, um eine Woche oder manchmal auch zwei Urlaub zu machen", erklärte er. „Das ist immer sehr lustig." „Eine tolle Idee. Das ist sehr nett von Ihnen", sagte Sera begeistert. „Dann kann ich die anderen noch besser kennenlernen. Sie sind richtig nett und wir verstehen uns gut", fuhr sie fort und war aufgeregt. „Ich wähle meine Leute auch persönlich aus. Mir ist ein gutes Arbeitsklima wichtiger, als sehr gute Leistungen", erklärte er, als man ihnen einen weiteren Gang brachte. Einen, der in der Mitte abgestellt wurde. Es war ein Hummer. Plötzlich zuckte Sera zusammen, als ein riesiger Fisch auftauchte und die Sicht verdunkelte. Ein Rochen, größer als sie selbst, schwamm über ihnen hinweg. Sobald dieser nicht mehr zu sehen war, wandte sich Sera an den Hummer, der vermutlich die Hauptspeise sein sollte. „So einen großen habe ich noch nie gesehen" meinte sie ehrfürchtig. „Er ist ja auch für zwei Personen", meinte Astarot schmunzelnd. „Aquakultur." Leise lachte Sera und wartete, bis er sich nahm. In der Zwischenzeit konnte sie den Hummer, der im Licht glänzte, bewundern. „Planen Sie immer im Voraus?" „Das war eher etwas Spontanes", meinte er schmunzelnd. „Ich wollte ursprünglich wo anders hin." „Auf was bezieht sich Ihre Aussage? Auf das Reisen, das Essen oder ihre Arbeit?" Nachdem sich Astarot genommen hatte, bewies Sera Großes geschickt dabei, sich ein Stück von dem Hummerfleisch auf den Teller zu legen. Dazu gab es eine spezielle Soße und blanchiertes Gemüse. Eine sehr gute Kombination, die ihr mundete. „Das Essen", meinte er. „Bei meiner Arbeit plane ich lieber und Reisen sollte zumindest bis zu einem gewissen Grad geplant sein. Sonst kann es unschöne Überraschungen geben." Seras Neugier war geweckt. „Wohin wollten Sie denn ursprünglich Essen gehen?", wollte sie wissen. Hatte er nicht nach der Verhandlung bereits von diesem Restaurant gesprochen? Astarot winkte ab. „In ein asiatisches Restaurant. Leider alles voll. Aber ich wollte Ihnen die Ente mit Orangensoße zeigen, die so gut schmeckt." Dieses Mal winkte Sera ab. „Zerstören Sie mir bitte nicht die Illusion Ihrer perfekten Ente!", bat sie eindringlich. Sie war so gut gewesen, dass sie keine andere probieren wollte. „Wie Sie wünschen. Dann keine Ente", neckte er sie belustigt und nahm einen weiteren Bissen. Dabei bemerkte Sera, dass er sie immer wieder beobachtete. Den Blick deutete sie, dass sie etwas im Gesicht oder auf ihrem Kleid hatte. Deshalb legte sie ihr Besteck zur Seite und nahm die Serviette zur Hand. Da sie jedoch nicht herausfand, wo sie etwas hatte, bat sie Astarot ihr zu sagen, wo es war. „Mir Ihrem Gesicht ist alles in Ordnung", versicherte er schnell und entschuldigend. „Ich finde es nur so interessant, wie man Ihnen die Emotionen im Gesicht ablesen kann. Das macht Sie sehr sympathisch." Leise lachend legte Sera die Serviette zur Seite. „Ich sollte daran arbeiten, meine Emotionen zu verstecken. Sie geben mir das Gefühl, dass sie kleine Herausforderungen mögen." Mit diesen Worten aß sie weiter und nippte an ihrem Wein. „Das stimmt und Sie sind eine", sagte er, was Sera etwas verwirrte. Warum war sie eine Herausforderung? In welchem Sinne? Manchmal sprach ihr Chef wirklich in Rätseln. Mit einer Handbewegung forderte Sera eine weitere Erklärung, denn sie hatte ihren Mund gerade voll. Sie wollte genauer wissen, was er damit meinte, war sich aber fast sicher, dass er diese stumme Frage nicht beantworten würde. „Obwohl Sie Ihre Emotionen nicht so gut verbergen können, sind Sie doch nicht einfach zu lesen", erklärte er und wartete dabei, selbst noch etwas in den Mund zu nehmen. Sera grinste. „Aus dem einfachen Grund, weil niemand mein Privatleben angeht. Egal, was dort ist, es sollte die Arbeit nicht beeinflussen", erwiderte sie und nahm einen Schluck Wein. „Sehr schade, dabei würde ich Sie gern besser kennenlernen", meinte er und nahm ebenfalls einen Schluck. Sie verschluckte sich und musste husten. „Warum wollen Sie das? Was bringt es Ihnen?", wollte sie mit brüchiger Stimme wissen. War ihre Arbeit nicht gut genug und er wollte wissen, woran das lag? „Sie sind sehr interessant", meinte er. „Zudem mag ich es meine Mitarbeiter auch privat zu kennen." Leise musste Sera lachen. „So interessant, wie Sie annehmen, bin ich nicht. Eher langweilig", gestand sie. Das war auch gar nicht so schlecht, denn sie mochte es nicht, wenn sie ständig angemacht wurde. „Vielleicht. Trotzdem sorge ich mich auch privat um Leute, die mir am Herzen liegen", erklärte Astarot und nahm einen Schluck Wein. Ein kleines Lächeln breitete sich auf Seras Lippen aus. „Ich danke für Ihre Fürsorge, aber bei meinen Problemen können Sie nicht helfen", erwiderte die junge Frau und schob den Teller von sich weg, da sie fertig war. Von dem Hummer war noch einiges übrig, aber da sie nicht wusste, was noch alles geplant war, wollte sie sich nicht ganz satt essen. Astarot hingegen nahm noch mehr Hummer. „Woher wissen Sie das?", fragte er. „Bisher weiß ich nicht, welche Art Ihre Probleme sind." Nun winkte Sera ab und beobachtete ihn. „Ich spreche nicht gerne über meine Probleme und belaste andere. Ich werde sie schon irgendwie hinbekommen", erklärte sie leise. „Ich finde es nicht belastend", meinte er, schwieg aber. Genau wie Sera, die darüber nicht weiter sprechen wollte. Daher lenkte sie das Gespräch auch auf das Essen. Sie wollte wissen, was es noch alles zum Essen gab, denn irgendwie wollte sie gerne noch ein bisschen Hummer essen, befürchtete aber, dass sie dann nichts anderes mehr zu sich nehmen konnte. Astarot stieg darauf ein und erklärte, dass sie dann erst einmal etwas Zeit hatten, die Aquarien zu betrachten, bevor es noch einen Gang und dann die Nachspeise gab. Es gab kleine Krebse und am Schluss Eis. „Da hat sich das Hungern doch gelohnt", lachte Sera und wartete darauf, dass er mit dem Hauptgang fertig war. Sie brannte darauf, das Aquarium zu erkunden. Astarot lachte leise. „Sie haben gehungert?", fragte er neckend. „Dabei hätten Sie sich doch am Firmenkühlschrank bedienen können." Prustend erklärte Sera, dass sie das absichtlich nicht getan hatte. Dafür hatte sie manchmal Tage, an denen sie von morgens bis abends durchfuttern konnte. Dass das meist in stressigen Situationen war, sagte sie nicht. „Außerdem habe ich Sie bereits so eingeschätzt, dass es mehr als nur einen Gang gibt", meinte sie verschmitzt. „Sie scheinen mich bereits besser zu kennen, als ich Sie", bemerkte er und lehnte sich zurück, da der Hummer nun aufgebraucht war. Nur noch die Reste lagen auf den Tellern. „Ich beobachte gerne, um vom Verhalten anderer zu lernen", gestand Sera und stand auf. „Wollen Sie nun das Aquarium erkunden? Ein kleiner Spaziergang tut mir gut, sonst bewege ich mich gar nicht mehr", bemerkte sie trocken und lächelte. Auch Astarot erhob sich. „Natürlich", lachte er und folgte ihr schließlich. Wobei er sie mehr führte, da er das Restaurant besser kannte. Bei der Rundführung stellte Sera eine Menge Fragen zu den verschiedenen Fischen. Viele kannte sie nicht, aber es war erfrischend, etwas anderes zu lernen und zu sehen. Dankbar, dass Astarot nicht weiter auf das eine Thema einging, war sie eifrig dabei, die seltsam klingenden Namen zu identifizieren. Das klang unter anderem sehr komisch, da ihr Latein nicht das Beste war. Astarot erklärte ihr viel und sie fragte sich, wie viel er eigentlich wusste. Es schien eine ganze Menge zu sein, da er selbst bei den Fischen einiges zu erzählen hatte. Sie ging davon aus, dass seine Reisen dazu beigetragen hatten. Das war kein Wunder, denn es war eine große Erfahrung, in andere Länder zu reisen. Als sie schließlich wieder an ihrem Tisch waren, seufzte sie. „Ihr Wissen ist wirklich enorm." „Ich lerne gern neue Dinge", winkte er ab und fragte, ob sie bereit für den vorletzten Gang war. „Und ob ich das bin", lachte Sera vergnügt und leckte sich die Lippen. Krebse waren eine Delikatesse. „Sehr gut", meinte Astarot und rieb sich die Hände. Kurz darauf wurde aufgetischt. Auch diesen Gang genossen sie gemeinsam und unterhielten sich über Astarots Reisen. Sera fand es spannend, die Geschichten zu hören und sie erwischte sich dabei, ihren Chef immer wieder genau zu beobachten. Das erste Mal bemerkte sie, dass er eine ganz ungewöhnliche Ausstrahlung besaß. Eine, die sie faszinierte. 
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