Kapitel 12.2

1676 Worte
Sera hatte sich das schönste Kleid, was sie selbst besaß, angezogen und stand fertig in Astarots Wohnzimmer. Ihre Pumps würde sie anziehen, bevor sie losfuhren. Solange sie auf Astarot wartete, richtete sie sich die Falten in ihrem Kleid. Sie hörte das Vibrieren ihres Smartphones und seufzte, als sie den bekannten Namen sah. Jetzt nicht. Sie wollte sich nicht wieder den Abend vermiesen lassen. Vor allem nicht von ihm. Daher steckte sie es wieder weg. Gerade rechtzeitig, denn Astarot trat aus dem Bad. Er trug einen edlen Anzug, der ihm sehr gut stand. Dieses Mal in einem dunklen Blau. Sera ging auf ihn zu und legte den Kopf schief. „Das steht Ihnen sehr gut", bemerkte sie und schritt um ihren Chef herum, um ihn von allen Seiten zu betrachten. Tatsächlich passte es zu ihrem eleganten dunkelblauen eng geschnittenen Kleid. „Ich dachte mich, ich passe mich Ihnen an", neckte er sie und reichte ihr den Arm. Das hatte er schon lange nicht mehr getan. Früher hatte Sera es immer abgelehnt, doch nun nahm sie seinen Arm lächelnd an, als sie gemeinsam zum Auto gingen. Ihr Magen hing ihr in den Kniekehlen, weil sie so hungrig war, aber für Sera war es wichtiger gewesen, alles im Büro fertig zu bekommen. Die Feier würde am Donnerstag abgehalten werden. Alle Kollegen waren dabei und hatten sich sehr gefreut. Astarot führte sie zum Auto. Sie ließen sich wieder fahren, da Astarot wohl vorhatte, Alkohol zu trinken. Das konnte Sera ihm nicht verübeln. Er verdiente es sich. Die Fahrt zum Restaurant verbrachten sie eher schweigend. In erster Linie, weil Sera trotz allem an die Nachricht denken musste. Diese bekam sie in der letzten Zeit öfters und sie ärgerte sich stets darüber. Während Sera aus dem Fenster die ganzen Autos betrachtete, nestelte sie an ihrer Tasche herum und strich sich dann noch einmal über hochgesteckten Haare. „Sind Sie nervös?", fragte Astarot, als würde er sich Sorgen machen. Sie bemerkte seinen Blick, den er ihr schon die ganze Zeit zuwarf. Verwirrt darüber, dass sie diesen Anschein gab, schüttelte Sera den Kopf. „Nein. Es ist alles in Ordnung", versicherte sie und lächelte leicht. „Sie wirken nicht so. Mir scheint eher, dass Sie mit Ihren Gedanken ganz wo anders sind", behauptete er, klang aber weiterhin so besorgt. Verlegen rieb sich Sera ihre Nase. „Erwischt", gab sie zu. „Ihnen kann man nichts vormachen. Aber es sollte diesen Abend nicht stören." Astarot musterte sie. „Wenn Sie Probleme haben, kommen Sie ruhig zu mir. Ich helfe gern." „Dabei können Sie nicht helfen. Trotzdem danke für Ihr Angebot", erwiderte Sera und wandte den Kopf wieder ab. Es wäre schön, mit jemanden darüber zu reden, aber ihr Chef war nicht dafür geeignet. Sera wollte nicht, dass sich ihre Arbeitsbeziehung veränderte. „Verstehe. Wenn Sie es sich anders überlegen: Ich kann gut zuhören", meinte er, ließ es aber auf sich beruhen. „Danke", lächelte Sera leicht. Sie wusste das Angebot zu schätzen. Und trotzdem war es nicht so einfach, darüber zu sprechen. Das Auto hielt und Astarot stieg aus, bevor er ihr die Tür öffnete und ihr erneut den Arm reichte. Sie waren am Meer und Sera roch die leichte Seeluft. Obwohl es schon dunkel war, waren die Straßen hell beleuchtet und Sera konnte sogar das Riesenrad des Santa Monica Piers sehen. Der Anblick war atemberaubend. „Ein wirklich schöner Platz", hauchte Sera gerührt. Zwar war sie mit Belial bereits am Santa Monica Pier gewesen, doch mit Astarot war das ganz anders. Dieser führte sie zu dem eher unscheinbaren Gebäude. Doch nur, bis sie eingetreten waren. Im Inneren hatte man das Gefühl in ein Aquarium zu treten. Sämtliche Wände waren aus Glas hinter dem sich Fische tummelten. Große und kleine, farbenfrohe und einfarbige Fische schwammen umher und Sera staunte. Sie wandte ihren Kopf hin und her und konnte sich gar nicht satt sehen. Es war irgendwie durch das Wasser dunkel, aber durch die angebrachte LED-Beleuchtung gab es ein romantisches Gefühl. Nur der Geruch von gutem Essen verriet, dass es ein Restaurant war. „Guten Abend Mister Diabolus. Miss Taylor. Ich begleite Sie an Ihren Tisch und bin diesen Abend Ihr persönlicher Kellner", informierte sie ein Mann, der ein bisschen wie ein Schiffsjunge gekleidet war. Allerdings wirkte er weitaus eleganter. Irgendwie passte es zu der Atmosphäre. Diese Begrüßung zeigte Sera, dass Astarot serviert hatte. Was hatte er noch alles organisiert? Manchmal hatte sie das Gefühl, dass er alles gerne plante. Gemeinsam wurden sie zu einem Tisch gebracht, bei dem selbst die Glasplatte, auf der sie speisen würden, einem Aquarium nachempfunden war. Allerdings nicht mit echten Fischen. „Führen Sie ihre Frauen immer so speziell aus?", fragte Sera neckend, als sie sich niedergelassen hatte. Für sie war das hier extravagant, aber sie konnte nicht behaupten, dass es ihr nicht gefiel. „Sie sind meine Frau?", neckte er zurück. „Das wusste ich ja gar nicht." Augenverdrehend, aber lächelnd schüttelte Sera den Kopf. „Kommen Sie schon. So jemand wie Sie hat sicherlich genügend Frauen am Start." „In der Regel nicht, nein", meinte er schmunzelnd. „Sonst bin ich eher allein hier." Diese Worte überraschten Sera sichtlich. „Wirklich? Das kann ich mir bei Ihnen nicht vorstellen", gestand sie und fügte hinzu, dass sie davon ausging, dass bei ihm die Frauen Schlange standen. „Ich gehe lieber mit meinen Kollegen essen", winkte er ab. „Zudem sind Sie seit langem einmal wieder eine beruhigende Gesellschaft." Als der Kellner kam und ihnen einen Weißwein, der zum Essen passen würde, servierte, wusste Sera, dass Astarot richtig reserviert hatte. „Wie meinen Sie das mit beruhigender Gesellschaft?", forschte sie, da sie nicht verstand, auf was er hinaus wollte. „Sie sind eine bodenständige, junge Frau und keines dieser aufmerksamkeitssuchenden, kreischenden Geschöpfe, die so gern an Staranwalte ranwollen", erklärte er nüchtern und hob in einer auffordernden Geste das Glas, bevor er daran nippte. Sera tat es ihm gleich und musste gestehen, dass der Wein eine hervorragende Wahl war. Als sie ihr Glas wieder abstellte, zuckte sie mit den Schultern. „Es gibt keinen Grund, so zu sein", meinte sie trocken. Solche Leute verstand sie sowieso nicht. „Das sehen Sie so", meinte er schmunzelnd, als man ihnen bereits eine Vorsuppe servierte. Es war eine kleine Schüssel, roch aber ausgezeichnet. Darin waren Garnelen und etwas anderes, was Sera anfangs nicht identifizieren konnte. Der Geruch reichte aus, um sie noch hungriger werden zu lassen. „Ja, das sehe ich so. Menschen sollten normal sein, auch wenn sie jemanden anhimmeln oder anbeten", bemerkte sie, tauchte den Löffel in die Suppe und kostete. Die leise Violinenmusik, die durch das Restaurant klang, konnten ihr zufriedenes Stöhnen nicht verstecken. Astarot beobachtete sie und nahm dann auch einen Löffel. „Schmeckt Ihnen die Glasaalsuppe?", fragte er und klang, als würde er seine genießen. Misstrauisch hielt Sera ihren Löffel in der Luft. „Glasaalsuppe? Habe ich noch nie gehört, aber sie ist gut", meinte sie schulterzuckend und schob sich den Löffel in den Mund. „Glasaal ist wirklich gut", versicherte Astarot und genoss seine Suppe. Währenddessen beobachteten beide immer wieder die Fische. Da die Schüssel klein war, dauerte es nicht lange, bis sie die Vorspeise verzehrt hatten. Der Kellner kam und nahm die leeren Schüsseln mit. Wie meist, wenn Sera mit ihrem Chef essen ging, wusste sie nicht, über was sie sich unterhalten sollte. Über die Arbeit ganz sicher nicht, da das Essen gehen bei ihr unter Freizeit fiel. So auch jetzt, als sie die Fische beobachtete. Wie viele verschiedene Arten hier wohl lebten? Es war schwer einzuschätzen, aber tatsächlich begann Sera, einige zu zählen. „Waren sie schon einmal im Ausland?", fragte Astarot, der wohl versuchte, ein Gespräch zu beginnen. Darauf sprang sie an, denn die unangenehme Stille mochte sie nicht wirklich. Nur fiel ihr selbst nichts Gescheites ein. „Nein. Ich war in Phoenix, einmal in New York auf einem Kongress und dann in Los Angeles", zählte sie auf. Sie erinnerte sich daran, wie Belial ihr von Thailand erzählt hatte. „Laut ihm ist es dort sehr schön. Eines Tages, wenn ich das Geld habe, werde ich ein paar Länder besuchen", begann Sera zu schwärmen. „Dann freut es Sie sicher zu hören, dass sich ein Klient bei mir gemeldet hat, der im Ausland wohnt", erklärte er. „Wir werden Ihn in nächster Zeit besuchen fahren." Diese Tatsache überraschte Sera sichtlich. „Ins Ausland? Wohin denn?", fragte sie verwirrt. Hoffentlich nicht zu weit weg. Außerdem musste sie erst einen Reisepass beantragen. „Es geht nach Italien", meinte er schmunzelnd. Europa! Das war eine große Überraschung. Weit weg, aber sicherlich interessant mit den Speisen, den Architekturen und der Kultur. Was sie dort alles sehen könnte, wenn sie nicht zur Arbeit da wären ... Seras Augen strahlten, doch sie meinte, dass sie zuerst einen Pass beantragen musste. „Wann wollen Sie denn dorthin?", erkundigte sie sich unsicher, denn die Beantragung würde wohl mehrere Wochen dauern. Zudem war Sera im Sommer in der Universität. „Nach Ihrer Zeit in der Universität", erklärte er. „Damit Sie auch so ein paar Erfahrungen sammeln. Normalerweise fliege ich allein. Aber Gesellschaft wird kaum schaden." Fragend legte Sera ihren Kopf wieder schief. Etwas, was sie in der letzten Zeit sehr oft tat. „Aber es ist ein Fall von Ihnen, der nicht so lange warten sollte", widersprach sie und wurde rot. „Sie sollten keine Rücksicht auf mich nehmen." „Er hat speziell um diese Zeit gebeten. Ob es wirklich ein Fall wird, weiß ich noch nicht", meinte Astator abwinkend. „Ich verstehe", murmelte Sera und verstummte, als eine zweite Speise gebracht wurde. Es war ein kleiner Teller mit Austern und Muscheln. Gerade die richtige Portion, um nicht satt zu werden. Wie viele Gänge Astarot wohl reserviert hatte? „Ihnen sollte jedoch klar sein, dass ich nicht weiß, wie ich auf die Umstellung reagieren werde." „Das werden wir sehen", winkte er ab. „Notfalls fliegen Sie wieder zurück." Flugangst hatte sie zum Glück nicht. „Ich werde schon irgendwie damit zurechtkommen", meinte Sera hoffnungsvoll. Diese Chance würde sie sich nicht entgehen lassen!
Kostenloses Lesen für neue Anwender
Scannen, um App herunterzuladen
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Schriftsteller
  • chap_listInhaltsverzeichnis
  • likeHINZUFÜGEN