Kapitel Drei
Druck
Die E-Mail traf ein, noch bevor sie den ersten Schluck Kaffee genommen hatte.
Amelia starrte auf den Bildschirm, ihr Puls hämmerte in ihren Ohren. Sie musste die Signatur nicht einmal lesen, um zu wissen, von wem die Entscheidung kam – Ken Roland.
Natürlich war er es.
Die Akten, die sie am Abend zuvor ordentlich sortiert hatte, wirkten plötzlich schwerer. Die Zahlen und Verträge darin verwandelten sich in einen Berg, von dem sie nicht sicher war, ob sie ihn rechtzeitig erklimmen konnte.
Ihr Handy vibrierte auf dem Schreibtisch.
„Hallo, Sir.“
„Treffen Sie mich im Konferenzraum.“
Sie griff nach ihrem Notizblock, straffte die Schultern und ging den Flur entlang. Jeder Schritt hallte wie ein Countdown wider. Er war heute früh wegen des Projekts gekommen.
Als sie eintrat, stand Ken am anderen Ende des Tisches, die Ärmel hochgekrempelt, und überprüfte einige Diagramme. Seine Präsenz füllte den Raum auf eine Weise, die sie für einen Moment das Atmen vergessen ließ.
„Sie sind zu spät“, sagte er, ohne aufzusehen.
„Es ist 8:00 Uhr“, entgegnete sie. „Unser Treffen war nicht angesetzt.“
Seine Augen hoben sich zu ihren – kühl und scharf. „Wenn Sie diesen Vertrag betreuen wollen, müssen Sie in meinem Tempo arbeiten.“
Sie schluckte eine scharfe Antwort hinunter. „Was hat sich geändert?“
„Unsere Konkurrenten haben ein Gegenangebot vorgelegt. Wenn wir nicht vor ihnen abschließen, verlieren wir den Kunden.“
Er schob ihr einen Ordner zu. Darin befanden sich Finanzprognosen und eine Liste wichtiger Lieferpunkte – jeder einzelne erforderte Tage an Arbeit.
„Glauben Sie, ich kann das in einer Woche schaffen?“, fragte sie und überflog die Seiten.
„Ich glaube“, sagte er und lehnte sich leicht vor, „dass Sie es in sechs Tagen schaffen können. Wenn Sie dieses Konto behalten wollen.“
Ihr Griff um den Ordner wurde fester. Das war keine Bitte, das war eine Prüfung.
„Noch etwas?“, fragte sie, ihre Stimme ruhig trotz des Sturms, der sich in ihrer Brust zusammenbraute.
„Ja.“ Sein Blick verweilte einen Hauch zu lange.
„Ich will Fortschrittsberichte bis 21 Uhr.“
An der Tür hielt sie kurz inne.
„Lassen Sie mich nicht bereuen, Ihnen vertraut zu haben“, sagte er kühl.
Sie trat in ihr Büro, ihre Absätze klickten leise auf dem Marmorboden.
Evelyn, ihre Assistentin, stellte ihr eine Tasse Kaffee auf den Schreibtisch.
„Danke“, flüsterte sie, als Evelyn zu ihrem Platz zurückging.
Gegen Mittag schickte sie eine Kopie ihrer Arbeit an seine E-Mail-Adresse und wartete still auf eine Antwort.
Amelias Handy vibrierte – eine Benachrichtigung. Sie überprüfte sie und sah, dass es eine E-Mail von Ken war.
„Ausgezeichnete Arbeit, aber ich möchte, dass Sie am Produktdesign arbeiten und es effizienter gestalten, wenn wir wirklich auf die Waren abzielen.“
Sie atmete erleichtert auf und schrieb zurück: „In Ordnung, Sir.“
Das Telefon auf ihrem Schreibtisch vibrierte erneut. Sie nahm es in die Hand, sah die Anruferkennung und ging ran. Es war Lydia, die am anderen Ende weinte. Ihre Stimme klang völlig erschöpft.
„Was ist passiert?“, fragte Amelia, die Sorge deutlich in ihrer Stimme.
„Es ist Mom. Sie wurde ins Krankenhaus eingeliefert“, informierte Lydia sie.
„Oh mein Gott, was ist los?“, fragte sie sofort.
Lydia, immer noch schluchzend, stammelte:
„Ich… ich weiß es noch nicht. Ich habe sie heute Morgen gesund und munter zu Hause gelassen, und dann bekam ich einen Anruf, dass sie ohnmächtig geworden ist und ins Krankenhaus gebracht werden musste“, sagte sie unter Tränen.
„Ich komme sofort“, sagte Amelia, bevor das Gespräch endete.
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Im Krankenhaus
Lydias Augen waren von Tränen getrübt, als sie sprach. „Der Arzt hat eine Reihe von Tests gemacht und festgestellt, dass sie Krebs hat.“
„Die Behandlung muss sofort beginnen, sonst riskieren wir, sie zu verlieren“, sagte sie und konnte die Tränen nicht zurückhalten.
Der Arzt kam herein und unterbrach ihr Gespräch, das Stethoskop um den Hals schwang bei jedem Schritt.
„Bitte… bitte, Herr Doktor, ich flehe Sie an. Tun Sie alles in Ihrer Macht Stehende, um meine Mutter zu retten“, sagte Amelia, ihr Herz fühlte sich an, als würde es zerschlagen.
„Mrs. Hart hat leider keine guten Chancen, aber wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass es ihr gut geht.“
Lydia und Amelia sahen einander an, beide fühlten sich hilflos.
„Nach dem Verlust unseres Vaters glaube ich nicht, dass ich mir verzeihen könnte, wenn meiner Mutter etwas zustößt“, sagte Amelia, den Tränen nahe.
„Wir benötigen Ihre Zustimmung, um mit den Behandlungen zu beginnen“, murmelte der Arzt und sah sie an.
„Ja, Herr Doktor, Sie können die Behandlung sofort beginnen“, sagte Amelia und atmete tief ein.
„Sie müssen eine Anzahlung leisten, um einen Teil der Kosten zu decken“, fügte er hinzu, bevor er den Raum verließ.
Amelia schob ihre Karte in das Lesegerät und sah zu, wie der letzte Rest ihres Guthabens vom Bildschirm verschwand.
„Schwester, wie sollen wir den restlichen Betrag aufbringen? Der Arzt hat gesagt, es wird eine enorme Summe kosten“, fragte Lydia und blickte zwischen ihnen hin und her.
Amelia blieb still.
„Ich bekomme heute mein Gehalt aus dem Café, aber das reicht hinten und vorne nicht“, sagte Lydia schluchzend.
„Mach dir keine Sorgen. Egal wie – ich werde dafür sorgen, dass es Mama gut geht. Das verspreche ich dir“, sagte Amelia und atmete tief durch.
Wie sollte sie den restlichen Krankenhausbetrag bezahlen?