Nightclub 1/2

1244 Worte
Clara stand inmitten einer Bruchbude, die nach Alkohol, s*x und Drogen stank. Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging wieder hinaus. Sie musste ihren neuen Boss anrufen. „Bonjour, Clara“, hörte sie es auf der anderen Seite erheitert. „Ich kündige!“ Er lachte. „Ach kommen Sie, so schlimm ist es doch nicht. Machen Sie das Fenster auf, streichen Sie ein paar Wände neu und schon sieht die Sache anders aus.“ „Non! Sie haben mich verraten!“, zischte sie aufgebracht. Es war eine Sache, sich aus Verzweiflung auf ein Job Terrain zu begeben, für das man definitiv keine Erfahrung vorzuweisen hatte. Aber eine gänzlich andere, wenn einem der eigene Chef absichtlich ein totes Projekt übergab! Es war ihr nach wie vor schleierhaft das er sie tatsächlich eingestellt hatte. Und noch unverständlicher war ihr, wie sie einem Schatten, mit der wohl sinnlichsten Stimme, die sie je bei einem Mann vernommen hatte, die Sache mit ihrer Scheidung erzählen konnte! Oh Gott, ich bin wirklich verzweifelt… Es half alles nichts. Das war ihr schon übers Wochenende klar geworden, als sie in ihrer brühwarmen Dachwohnung dahin schwitzte. Clara war endgültig an einem Tiefpunkt angekommen. Und sie durfte nicht noch tiefer fallen. Das käme dem Tode gleich! Das spöttische dunkle Lachen an ihrem Ohr, holte sie aus ihrem mitleidigen Gedankengang zurück. Mit zwei Fingern rückte sie ihre Brille zurecht und räusperte sich. „Wie hoch ist mein Budget?“ „Einhunderttausend.“ „Fixkosten inbegriffen?“ „Oui.“ Was für ein Geizkragen, dachte sich Clara. „Besondere Wünsche?“ „Keine Drogen, keine Geldwäsche, keine Prostitution. Halten Sie meinen Club sauber.“ „D’accord. Da sind wir wenigstens mal einer Meinung!“ Sie legte auf, schniefte unelegant und nahm einen tiefen Luftzug. Dann ging sie zurück und machte sich an die Arbeit. Einen Monat gab sich Clara Zeit, ein Konzept zu gestalten, umzubauen, Mitarbeiter einzustellen, Events festzulegen und alles Weitere zu organisieren. Und ihre erste Amtshandlung war Party machen. Mit auf ihrer Tour in den umliegenden Clubs waren drei Tänzerinnen, der Türsteher Byron und der Barkeeper JJ. Alle anderen hatte sie gefeuert. Doch selbst unter diesem bunten Haufen kam sie sich noch immer vor wie eine strenge Klassenlehrerin beim Schulausflug, die ihre Schüler davor warnte nichts Unanständiges zu tun und die Ausstellungsstücke im Museum nicht anzufassen! Dabei war es heute bereits der vierte Abend, an dem sie zu sechst loszogen. „Nicht vergessen, wir sind zum Arbeiten hier! Schaut euch das Interieur genau an. Beobachtet die Gäste. Unterhaltet euch mit den Angestellten und-“, sie schaute in die genervten Gesichter ihrer Angestellten und schnaubte dann kapitulierend, „Ugh... benehmt euch einfach. Na los, geht!“ „PARTY!“, kreischten die Mädchen sogleich freudig im Einklang und huschten auf ihren Stöckelschuhen davon. Byron blieb am Eingang und begrüßte seine Berufskollegen, während JJ Clara demonstrativ den Arm hinhielt. „Darf ich bitten, Madame De Brouche?“ Sie zögerte. Musste dann aber lachen, als sie sein keckes Grinsen sah und die Aufrichtigkeit in seinen Augen. JJ sah verdammt gut aus, war jung, voller Elan und stets positiv. Auch wenn er von oben bis unten voller Piercings zugestochen und an beiden Armen grässlich tätowiert war. „Erhoff‘ dir dadurch aber keine Gehaltserhöhung oder gar andere Vorteile, JJ“, warnte sie ihn. „Das würde mir im Traum nicht einfallen, Sweetheart.“ Clara lachte und hakte sich schließlich bei ihm unter. Sie waren heute Abend im MAZE. Dem größten und bekanntesten Nachtclub der Stadt. Überall schimmerten bunte LED-Lichter. Eine Lasershow gab es ebenfalls auf der Tanzfläche und die Bar war Kilometer lang. Teurer Sekt, Wodka und andere edle Tropfen standen hochpoliert in den Glasregalen. Die wabernde Musik von drei DJs dröhnte in ihren Ohren und sie verstand kein Wort von dem, was JJ ihr ins Ohr brüllte. Irgendwann machte er nur noch Handzeichen und flitzte hinter die Bar. Clara stieg derweil die Stufen hinauf, um einen besseren Überblick zu erhalten. Plötzlich wurde sie von jemanden angerempelte und er verschüttete seinen Drink auf ihrer Anzughose. „Oh Verzeihung! Ich habe nicht gesehen das-… Clara?“ Ihr Kopf zuckte nach oben. Beinahe geschockt starrte sie in die treu braunen Augen des Mannes vor ihr. Es waren die von Edward McAsher. „Oh mein Gott, Clara! Wie schön dich wiederzusehen!“ Er umarmte sie sofort als er sie erkannte. „Was machst du denn hier?“ „Also ich-“, stammelte Clara und strahlte ihn zugleich erleichtert und überrascht an. „Komm mit!“, unterbrach er sie aufgeregt, „ich bin heute in die VIP-Lounge eingeladen. Dort können wir reden!“ Eddy zog sie freudig die Treppen hinauf und verschwand mit ihr hinter einer der Samt roten Türen. Augenblicklich stieg ihr ein herber Zigarrenqualm in die Nase. Brummendes Gemauschel und gelegentliches Gekicher von Frauen war zu hören. Sanfte Lounge Musik kam aus den Boxen hinter der kleinen Bar, an der ein privater Barkeeper stand. Dieser nickte Clara beim Eintritt ernst zu. Ein gigantisches Fenster prangte wie ein Bild auf der gegenüberliegenden Seite und zeigte Chicago im Lichterglanz der Nacht. Eddy zog sie sanft weiter und platzierte Clara auf einen der Barhocker. „Mensch Clara, ich bin überwältigt! Wann hatten wir uns das Letzte Mal gesehen?“ Sie lächelte ihren ehemaligen Studien Freund an. „Bei meiner Scheidung“, sagte sie unverblümt. Sein Gesicht entglitt ihm regelrecht, doch sogleich lächelte er wieder kess hervor, um sein Fettnäpfchen zu umgehen. „Oh, ich vergaß. Verzeih mir, Liebes.“ Sie nickte beschwichtigend. Eddy hob die Brauen an und zauberte zwei Gläser mit schaumig, blubberndem Inhalt hervor. „Champagner?!“ Die Stunden verflogen wie im Nu. Mit Eddy über alte Zeiten zu tratschen tat gut und hatte überraschenderweise seine Vorteile, denn er machte sie mit ein paar Anwaltskollegen bekannt. Clara fühlte sich wohl, trotz der ungewohnten Umgebung. Nachtclubs waren nicht unbedingt das, was sie an einem Freitagabend bevorzugte… Ein schönes Dinner zu zweit oder ein Spaziergang im Park oder im Wald. Vielleicht auch ein fauler Abend auf dem Sofa der eventuell zu ein paar schönen Stunden im Bett führen könnte, waren mehr ihr Ding. Doch dazu fehlte ihr der Partner. Und nach James stand ihr nach keiner Beziehung der Sinn. Die wenigen Interessenten, die sie von der unverbindlichen Dating-App traf, waren alle ein Reinfall. Bis auf vielleicht einen oder zwei. Doch sobald es zum ersten Kuss oder mehr kam, war ihre Libido regelrecht in sich zusammengeschrumpft! Clara war durchaus bereit für einen neuen Sexpartner, doch er musste sie überzeugen und keine Show vor der gesamten Welt veranstalten. Ob ihre Ansprüche in der Hinsicht zu hoch waren? Schließlich wollte sie nicht einfach nur die Beine breit machen, sondern… gesättigt werden. Sie schaute auf ihre Handyuhr. Es war ein Uhr nachts. Zeit zu gehen. Sie trat an ihren Freund heran. „Okay Eddy, danke für den überraschend angenehmen Abend, doch für mich wird es Zeit.“ „Du gehst schon?“ Sie nickte. „Okay, Liebes. Pass auf dich auf.“ Eddy gab ihr einen Kuss auf die Wange. Sie verabschiedete sich von den anderen und einer von ihnen ging mit ihr zur Tür. „Ich begleite Sie, Clara.“ Gerade wollte sie Eddys Kollegen abwimmeln, doch er bestand darauf. Also ließ sie ihm seinen Willen. Er war charmant und führte sie die Stufen hinunter. Allerdings über einen anderen Weg als sie gekommen war. Und dann stand sie plötzlich vor James.
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