Wie auch immer das passieren konnte; doch von der Jägerin, wurde Clara plötzlich zur Gejagten und Rowan hatte sie mit beiden Armen von hinten um den Oberkörper zu fassen bekommen. In dieser innigen Umarmung krallte sie sich an ihm fest. Ausgelassen lachten sie miteinander und waren völlig aus der Puste.
Denn mit diesen hohen Schuhen zu laufen war eine Sache, mit ihnen Ringelpiez zu veranstalten eine andere!
Die Stimmung zwischen ihnen war völlig gelöst, watschelte mit ihr zu den Glasscheiben und wisperte ihr Frechheiten ins Ohr, die sie kindisch zum Kichern brachten. Kurz vor dem Fenster drehte er sie um. Sein ganzer Körper presste sich an sie heran und sie spürte seine harten Muskeln. Jeden Einzelnen.
Siegreich und zugleich schelmisch grinste er sie an, als sie so eingeklemmt zwischen ihm und der Wand stand. Beide ihrer Herzen pochten laut auf und pumpten das aufgeheizte Blut lautstark durch ihre Venen.
Was passiert hier gerade nur?
In Claras Kopf wirbelte es chaotisch umher und die Zeit stand plötzlich für sie still. Sie nahm es ganz genau wahr. In gleicher Weise, wie Rowan nun seine Stirn an ihre legte und sachte ihre Handgelenke umfasste. Alles an ihm harmonierte genau mit der Person überein, die sie sich bei ihren täglichen Gesprächen vorstellte. Seine erhabenen und zugleich eleganten Bewegungen. Die sanften Berührungen, die er wie zufällig an ihr platzierte, genauso die Art und Weise wie er heute Abend Anspruch auf sie erhob.
Eigentlich sollte sie sich von diesem - offensichtlichen Womanizer - nicht so umgarnen lassen. Zumal er ihr Boss war. Doch jedes Lächeln, ob frech, verführerisch oder gar spöttisch, brannte sich gefährlich intensiv in ihr Gedächtnis hinein, denn es war einfach zu schön!
Dieser Mann sollte mich immer so anschauen, entschied Clara heimlich für sich. Es beflügelte sie regelrecht! An diesem Abend eröffnete sich ihr noch eine gänzlich andere Seite von ihm. Und die gefiel ihr mehr als nur ein bisschen. Sein Lächeln verschwand allmählich und hervor kam ein begehrlich dunkler Blick. Langsam führte er ihre Hände über ihren Kopf und hielt sie dort fest. Ihre Finger verwebten sich ineinander.
Sanft. Intensiv. Begierig.
Schleichend wanderte eine davon ihren Arm wieder hinunter und hinterließ einen brennenden Pfad, der ihren Puls nach oben scheuchte. Heißer Atem streichelte ihre Wangen und Clara schmeckte beinah den herben Whiskey von ihm auf ihrer Zunge. Sie schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter und reckte das Kinn frech nach vorn, unter das er seinen Finger streichen ließ. Dabei berührte sie kaum merklich seine Lippen.
Und wenn dieses aufkommende Gezanke vor der Tür nicht gewesen wäre, hätte sie diesen gefährlich attraktiven Mann, der ihr Boss war und ein Gangster dazu, geküsst!
Rowan stand kurz davor Clara zu küssen.
Nein, nicht nur zu küssen, er wäre über sie hergefallen und hätte sie am liebsten aufgefressen!
Dieses freche, eingebildete und über die Maßen verführerische Luder, dass sie war. Doch irgendjemand machte vor ihrer Tür Radau. Zum absolut schlechtesten Zeitpunkt! Und Rowan wusste genau, wer es war...
Es wurde noch lauter. Seufzend ließ er Clara los und warf den Kopf enttäuscht in den Nacken. „Merk dir, wo wir waren“, schielte er zu ihr runter und nahm sie an die Hand. Ihr beinah schüchternes Lächeln war ihm dabei ein wundervolles Geschenk.
Dann klopfte es an der Tür und einer der Bodyguards schlüpfte hindurch. Rowan vernahm sogleich drei Stimmen von draußen. „Boss. Unangekündigter Besuch. Er lässt sich nicht abwimmeln“, kam es ihm entgegen. „Wer ist es?“ Eigentlich musste er nicht fragen, aber um die Authentizität zu wahren, tat er es dennoch. „Hannington, Sir“, war die Antwort des Bodyguards.
Clara drückte plötzlich seine Hand und er blickte über die Schultern zu ihr rüber. Leichte Panik blitzte in ihren Augen auf. Irritiert kniff er die Brauen zusammen. Dann nickte er seinem Mann zu. „Zwei Minuten.“
Die Tür schloss sich wieder.
Stille.
„James Hannington steht vor der Tür?“, fragte sie nervös. „Ja“, murrte er. Rowan zog sie zurück zum Sofa und drückte sie ins weiche Leder. Dann winkte er mit zwei Fingern den Barkeeper her und hievte mit ihm einen der drei Sessel auf die andere Seite. Die anderen beiden rückte er so vor das Sofa, sodass der flache Tisch eine Barriere dazwischen bildete. Er wollte so viel Abstand wie möglich zwischen Clara und ihrem Exmann bringen.
„Rühr dich nicht vom Fleck, Clara!“, blaffte er auf einmal forsch und schnippte mit dem Finger in ihre Richtung, als sie gerade aufstehen wollte. „Wie bitte?“, kam es irritiert aus ihr raus.
„Tu, was ich sage!“