Bad Day 3/4

1484 Worte
Erschrocken zuckte Clara mit dem Kopf hoch und stieß gegen irgendetwas Knochiges. „Autsch!“, hörte sie einen dumpfen Aufschrei hinter sich. Rowan taumelte zwei Schritte zurück und hielt sich die Nase fest. „Um Himmels Willen, Rowan!“, rief sie aus und hüpfte von ihrem Stuhl, um nachzusehen, ob sie ihn doll erwischt hatte. Sachte nahm sie sein Gesicht in ihre Hände und versuchte das Ausmaß ihres harten Schädels auf seiner Nase auszumachen. Bitte, bitte kein Blut! flehte sie mit einem Stoßgebet in den Himmel. „Nimm den Kopf hoch und lass mich nachsehen...“ Er kniff ein Auge zu und verzog gepeinigt sein Gesicht. Behutsam schaute sie nach und entschuldigte sich immer wieder. Clara wusste selbst wie schmerzhaft so etwas sein konnte. Eines ihrer Dates hatte sie einmal derartig erwischt. Danach wollte sie diesen ungeschickten Mann nie wieder sehen! Eine kleine Träne kullerte über Rowans bärtige Wange und ehe sie sich versah, grinste er sie an und zog sie in seine Arme. „Wie lieb du auf einmal zu mir bist“, gluckste er frech. „Was muss nur passieren, damit du endlich aufhörst, mich komplett zu ignorieren?“ Leger lehnte er mit dem Rücken an der Wand, hielt sie fest und gab ihr keine Chance seinem Blick auszuweichen. Clara hüpfte gleich das Herz aus der grauen Bluse heraus und unbewusst krallte sie sich an seinen straffen Schultern fest. Nein, das hier durfte nicht sein! Rowan war verführerisch und charmant, keine Frage, aber sie wollte nicht die Lückenbüßerin für Kitty White sein! „Lass mich los!“, zischte sie nun bissig. „Warum so zickig?“ Seine Augen funkelten dabei belustigt auf. „Du bist mein Boss und ich habe dir heute Morgen meine Kündigung bekannt gegeben.“ „Und?“, zuckte er desinteressiert mit den Schultern. Dumm glotzte sie ihn an. „UND?!“ Ungläubig schnaubte sie nun aus und schüttelte den Kopf, während sie sich auf die Lippen biss. „Rowan, ich werde gehen! Noch diesen Monat! Und ich komme nicht zurück. Ich will weg von-“ „Non“, unterbrach er sie abrupt. „Du gehst nirgendwo hin, Clara. Du bleibst hier. Bei mir.“ „Nein, ich gehe!“ „C’est impossible.“ Genervt ließ sie die Schultern hängen. „Rowan, bitte“, flehte sie beinah, „mach es mir nicht noch schwerer als es schon ist.“ Clara drückte sich von ihm weg und er ließ sie widerwillig los. Dabei hielt sie sich selbst noch eine Sekunde länger als notwendig an seinen Unterarmen fest. Sie löste sich schließlich mit einem widerstrebendem Herzen. Rowans Augen blitzten auf. „Ich sage es dir nochmal, Clara, ich bin mächtig“, drohte er und baute sich vor ihr auf, „und ich lasse es nicht zu das du von mir fortgehst.“ Clara schluckte. Was bildete sich dieser dreiste Gangster eigentlich ein? Ich bin doch nicht sein Eigentum! Sie reckte ihr Kinn vor und funkelte ihn ebenfalls herausfordernd an. „Das werden wir noch sehen, Mister Blaze!“ „Clara...“, mahnte er abermals, „fordere mich nicht heraus.“ Angestachelt, wie sie war, tat sie es dennoch. „Was passiert dann, Boss?“ Sie hob angriffslustig eine Augenbraue. „Legst du mich dann übers Knie und gibst mir einen Klaps auf den Hintern?“ Rowans Mundwinkel zuckte amüsiert nach oben. „Ich glaube nicht, das das eine Strafe für dich wäre“, grinste er triumphierend, „du würdest das doch nur genießen.“ Clara stemmte die Hände in die Hüfte und grinste ebenfalls. „Nur wenn es in meinen eigenen vier Wänden passieren würde. Und das, würde ich zu verhindern wissen, Mister Blaze!“ „Attention, Madame De Brouche...“ Er packte sie mit seinen warmen Fingern am Kinn und strich ihr sanft mit dem Daumen über die Unterlippe. Augenblicklich flatterten tausend Schmetterlinge in Claras Bauch umher und sein unglaublich erregender Duft kitzelte ihre Lust auf diesen verruchten Mann hervor. „Verwechseln Sie Geschäftliches nicht mit dem Privaten…“ Rowans Gesicht kam näher. Sie spürte bereits seinen warmen Atem auf ihrem Mund und keine Zelle in ihrem Körper wehrte sich dagegen. Im Gegenteil, sie öffnete ihre Lippen und war bereit für ihn. Noch bevor es dazu kam, zischte plötzlich die Wassersprenganlage von der Decke und die Alarmanlage schrillte auf! Mit feuchten Klamotten und trotzig verschränkten Armen, saß Clara in Rowans Limousine. Unfreiwillig. Doch er hatte nicht ganz Unrecht gehabt, als er ihr vorrechnete, wie lange sie mit der U-Bahn bräuchte, um zu Hause zu sein. Nur um sich blitzschnell umziehen zu müssen, damit sie wieder pünktlich im Nachtclub wäre! Der direkte Weg mit dem Auto ersparte ihr eine ganze Stunde. Allerdings schmolz diese Stunde kläglich dahin, denn Clara hatte sich ganze zwanzig Minuten genau deswegen mit ihm gestritten! Und das Restaurant Personal funkte permanent, wegen dem defekten Feueralarm, entschuldigend dazwischen. Nun wartete sie auf ihn und musste doch tatsächlich schmunzeln. ...Ich glaube nicht, das das eine Strafe für dich wäre... Du würdest das doch nur genießen… Verdammt… wie recht er damit hätte! „Ist Ihnen kalt, Miss De Brouche?“ Clara blickte auf und sah im vorderen Rückspiegel zwei besorgte Augen unter weißen buschigen Brauen. „Ein wenig...“, gestand sie und merkte einmal mehr, wie verkrampft sie sich in ihren Mantel eingehüllt hatte. Zwei Sekunden später fühlte sie wie sich die Sitzheizung unter ihr aufzuwärmen begann. „Danke, Joseph“, schniefte sie etwas unelegant und musste sogleich niesen. „Entschuldigen Sie, der Wechsel von Kalt und Warm bekommt mir nicht so gut...“ Erfolglos kramte Clara nach einem Taschentuch in den Untiefen ihrer Handtasche. Plötzlich drehte sich Rowans neuer Chauffeur um und reichte ihr ein feines Baumwolltuch. „Oh, danke, Joseph“, meinte sie überrascht. Er zwinkerte ihr mit beiden Augen zu. „Ich gehöre zur alten Schule, Miss De Brouche. Geben Sie mir das Tuch später wieder zurück. Ich wasche es dann.“ Sie lächelte und im selben Moment stieg Rowan ein. Sofort verzog sie ihr Gesicht wieder zu einer bissigen Mine. Dieser Mann sah sogar in elendiglich nassem Zustand noch gut aus! Gen-Jackpot, dachte sie sich und sie fuhren zu ihrer Heimadresse los. Es herrschte eisiges Schweigen im Auto. Unerträgliches, kaltes und langes Schweigen. „Barnes erwähnte du wärst in Detroit gewesen“, hörte sie Rowan irgendwann auf der anderen Seite fragen. „Ja“ Clara antwortet kurz und knapp. Zumindest nahm sie es sich so vor. Ihm jetzt irgendwelche Sätze entgegen zu schmettern, die er ihr dann verdreht und verknotet wieder zurückwarf, wäre zu waghalsig. Zumal sie selbst extrem angespannt war. „Warum?“ „Sightseeing.“ Rowan wurde leicht ungehalten und rutschte im Sitz umher. „Lüg mich nicht an.“ Sie seufzte übertrieben und zuckte desinteressiert mit den Schultern. „Dann eben ein Besuch bei Freunden. Wie auch immer…“, zuckte Clara erneut und vergrub sich tiefer in ihrem Mantel. Er beobachtete sie. Sie spürte es mit jeder Zelle in ihrem Körper. Es war ein Fehler sich von ihm nach Hause fahren zu lassen, denn hier, eingeschlossen in seinem Wagen, konnte er sie gnadenlos verhören. Sie unter Druck setzen und in die Enge treiben. Clara hatte mit diesem Mann aber bereits abgeschlossen und ihre aufkeimende Unsicherheit wich der brodelnden Wut, wie ein verängstigtes und eingeschüchtertes Häschen aus. „Mit Lügen kennst du dich ja aus…“, setzte sie nun bissig hinterher. „Clara...“, warnte er dunkel und ihre Wut platzte auf einmal heraus! „VERDAMMT, ROWAN! ES GEHT DICH NICHTS AN!“ Fast schon geschockt starrten sie einander an, als Clara ihn so frustriert anblaffte. Ihr Brustkorb hob und senkte sich aufgeregt. Rowan presste seinen Kiefer zusammen und seine Augen verdunkelten sich. „Doch, es geht mich etwas an...“, entgegnete er ihr scharf. Clara drehte sich mit einem schnalzenden Geräusch zurück zum Fenster und schloss müde die Augen um Rowans eisernem Blick zu entkommen. Doch seiner Stimme konnte sie nicht ausweichen. „...Vor allem wenn es sich dort um eine Jobstelle handelt, auf die du dich beworben hast“, hörte sie ihn nun sagen. Ihre Lider sprangen wieder auf und Clara erstarrte zur Salzsäule. ER WEISS ES! Seit wann und wie?! Plötzlich wurde ihr bewusst das sie seit fast vier Monaten in Rowan Blaze' Welt lebte, für ihn arbeitete und von ihm überwacht wurde! Clara fühlte sich von jetzt auf gleich hintergangen und verletzt. Tränen schwollen bereits von unten herauf an, doch sie konnte sie noch zurückhalten. Der Tag war beschissen. Von Anfang an. Nun wollte sie nur noch nach Hause, sich in ihr Bett verkriechen, einschlafen und in Detroit bei Vogelgezwitscher und Sonnenschein wieder aufwachen. Um sich dort einem neuen und glücklicheren Leben zuzuwenden! Sie biss die Zähne zusammen. „Das du dich nicht schämst...“, knurrte sie leise hervor und sah das Joseph bereits in ihre Straße einbog.
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