Das Taxi fuhr vor und Clara stieg hastig aus, nur um gleich darauf stocksteif stehen zu bleiben.
Reginald schlenderte ihr gelassen entgegen. „Ich schätze Ihren luxuriösen Geschmack, Reginald, aber das hier ist ein drei Sterne Restaurant der Mafia!“ Entspannt drehte sich der ältere Mann, der die Händen in den Cordhosen hatte, um und schaute auf das Namensschild, welches über der Tür prangte.
CEVALLI´S
„Es war nicht meine Idee. Mister Blaze bestand darauf.“
WAS?!
Verdutzt schaute sie ihn an. „Mister Blaze ist bereits wieder hier?!“ Überrascht hob Reginald die Augenbrauen. „Ja, hatte er Sie denn nicht angerufen?“ Clara wedelte schnaubend ab und Barnes fuhr fort. „Er bespricht sich gerade mit seinen Anwälten und einer anderen Kanzlei. Irgendein Ehevertrag oder derartiges.“
James und Kitty… Claras Kopfschmerzen rasselten auf einen Hieb zurück in ihre linke Gehirnhälfte. Ihr Körper wehrte sich regelrecht dagegen, auch nur einen Schritt in dieses Restaurant zu gehen. Hätte sie bereits ihren neuen Arbeitsvertrag in Händen, wäre sie besser vorbereitet, um in diese spontane Kündigungsschlacht zu ziehen!
Nun musste sie ohne ihr handfestes Druckmittel verhandeln. Ihr Puls stieg an, doch es half alles nichts. Sie seufzte und hakte sich bei Reginald unter. „Kommen Sie Reginald, hoffen wir das das Essen dort genauso gut schmeckt, wie es aussieht.“ Er lachte gemütlich und sie gingen gemeinsam hinein.
Innendrin blitzte und blinkte es in Gold, Kristall und Marmor. Das Wort edel bekam hier für Clara eine völlig neue Definition. Selbst die Bedienungen und Angestellten waren vornehm in Seidenwesten gekleidet, hatten perfekte Manieren und achteten auf jeden Fitzel! Das komplette Ambiente war berauschend und man fühlte sich wie in einem Märchen. Vorzugsweise Cinderellas.
All der Prunk wurde lediglich durch ein weibisches Geschrei und Gezeter zerrissen, dass nicht weniger fehl am Platz sein konnte, wie ein Haar in einer der überteuerten Suppen.
Kitty White rauschte um die Ecke und wetterte wild um sich herum. „DAS WIRST DU BEREUEN!“, hallte es schrill über den Marmor. Hinter ihr stapften James und zwei seiner Kollegen mit ihren schwarz lackierten Aktenkoffern. In einer schweren und süßen Parfum Wolke, stöckelte es in glitzernden High Heels an Clara und Reginald vorbei. Verdutzt schauten sie der aufbrausenden Schauspielerin hinterher.
Urplötzlich machte diese auf dem Absatz kehrt und starrte Clara mit giftigem Blick an.
„Du alte Hure!“, zischte sie. „Seit wann machst du die Beine für ihn breit?! Sag schon!“ Clara war irritiert. „Miss White, wovon sprechen Sie bitte?“, kam es kühl aus ihr hervor.
„Rowan hat eine Pressemitteilung herausgegeben und offiziell die Verlobung aufgelöst! Und dazu eine Einstweilige Verfügung gegen mich erwirkt. Damit ich mich ihm, seinen Clubs und DIR nicht nähere!“
„Oh“, gluckste Clara mit angehobenen Augenbrauen und versuchte ein schadenfreudiges Grinsen zu unterdrücken. Auch wenn sie die junge Frau kaum kannte, es war ihr eine Genugtuung das dieses verwöhnte Hollywoodsternchen einmal nicht ihren Willen bekam. Die grünen Augen der Schauspielerin funkelten abermals erbost auf, als wenn sie Claras Gedanken gelesen hätte.
Mit klackernden Schritten kam James herbeigeeilt, legte den Arm um Kittys Schultern und flüsterte ihr die gewohnten Anwaltsfloskeln ins Ohr. Bevor er seine Mandantin mit sich zerrte, schielte Clara ungewollt auf Kittys geballte Finger. Der Verlobungsring war fort.
„Kommen Sie, Clara. Mister Blaze wartet auf uns“, meinte Reginald entspannt und zog sie sachte in die andere Richtung.
...Ich brauche dich.
Clara presste die Lippen aufeinander, während ihr Herz Samba tanzte!
Nein, nein, nein, nein, NEIN!
Und dann stand er plötzlich da. Lässig an der Wand gelehnt und hörte seinen Anwälten zu. Hier und da nickte Rowan. Ein kleines Lächeln machte sich unter seinem Dreitagebart bemerkbar. Er sah heiß aus. Zu heiß, mit den aufgekrempelten Hemdsärmeln, der grauen Anzughose mit dem schwarzen Ledergürtel und den drei geöffneten Knöpfen am Revers.
Clara schluckte. Sie wusste genau welch herrlicher Duft sie gleich erwarten würde. Und zu allem Überfluss hatte er wieder sein Haar nach hinten gekämmt. Leger, nicht streng. Erst jetzt sah sie, das sie im unteren Drittel kurz rasiert waren. Rowan blickte auf. Direkt in ihre Augen und es zuckte wie ein Blitz durch ihren Körper.
Er beherrscht mich!
Sie gab sich wirklich die aller größte Mühe, ihn so distanziert wie möglich zu behandeln. Wenn nicht sogar zu ignorieren!
Rowan war es egal, umso besser konnte er sie nun beobachten und stellte erstaunt fest, wie gut sich Clara mit seinen Anwälten verstand. Offensichtlich war ihr trotz des Uni Abbruchs, keine Thematik oder ein Fachbegriff fremd. Im Gegenteil, sie blühte regelrecht auf!
Merveilleux..., dachte er und wünschte sich, Clara würde ihn zur Abwechslung ebenfalls mit diesen wundervoll strahlenden Augen anlächeln. Doch sie drehte sich mit Vorliebe von ihm weg. Daher zückte er sein Handy hervor und tippte eine schnelle Nachricht. Elegant packte er es wieder in seine Hosentasche zurück.
Über den Tisch hinweg, schaute ihn Reginald mit einem amüsierten Lächeln an und nickte kaum merklich. Trotzdem aß er noch genüsslich und ...mon Dieu!.. vor allem langsam, seinen Nachtisch auf!
Danach erst verabschiedete sich Barnes und Clara akzeptierte blauäugig sein frühes Verschwinden. Sie war zu sehr im Gespräch mit Mister Langdon vertieft, als das sie mitbekommen hätte das er Reginald gerade fortgeschickt hatte.
Einer weniger...
Rowan stand auf und entschuldigte sich für einen Moment. Nah genug streifte er an ihr vorbei und ließ es sich nicht nehmen, ihr dabei mit dem Finger sachte über den Nacken zu streicheln. Es war nur eine winzige Berührung und doch brachte sie Clara völlig aus der Fassung und sie musste Mister Langdon bitten, sich zu wiederholen.
Doch nun war Rowan endlich aus dem Raum verschwunden und sie konnte sich für ein paar Minuten entspannen. Dieser Mann machte sie einfach zu nervös! Besser sie machte sich gleich auf den Rückweg, genau wie Barnes. Obwohl sie dieses herrliche Tiramisu und den fantastischen, italienischen Espresso noch genießen wollte!
Das ganze Essen war wirklich so gut wie es aussah. Offensichtlich hatte die Mafia genug Ahnung vom Kochen und hüllte sich nicht nur zur Tarnung, für Geld- und Drogen-Wäsche, in eine kulinarische Illusion aus drei Sternen!
„Clara, ich bin überaus erstaunt das Sie Ihr Studium abgebrochen haben“, meinte nun Mister Langdon und nahm einen Schluck von seinem Cappuccino. „Um ehrlich zu sein, bin ich fast schon schockiert. Sie haben Talent!“, lobte sie der stattliche Anwalt und sein Kollege Peter Bogart nickte ihm zustimmend entgegen, als er sich zu ihnen gesellte.
„Nun, ich bereue mittlerweile meine Entscheidung von damals, da haben Sie recht“, meinte sie mit einem Lächeln. Clara zuckte mit den Schultern. „Dennoch hatte ich mich meine Gründe.“
„Es ist nie zu spät, Clara. Sie sind noch jung!“ Seine buschigen Augenbrauen flogen nach oben und eine leicht tadelnde Mine legte sich über sein faltiges Gesicht, dass einem lieben Onkel gleichkam. Bogart brachte sich in das Gespräch mit ein. „Ich kann mich noch gut an ihre schnelle Korrespondenz erinnern und wie akkurat Sie sämtliche Emails verfasst haben“, gluckste er und Clara erinnerte sich an den Fall, den Mister Langdons Kanzlei letztlich gewonnen hatte. Der erfahrene Anwalt und sein Mitarbeiter waren im Austausch immerzu respektvoll, konnten im Gerichtssaal aber fiese, alte Hasen sein!
Sein Handy summte auf und er schaute nach. Überrascht flogen seine Augenbrauen nach oben und seine Lippen verzogen sich zu einem spöttischen Grinsen nach unten. „Verzeihen Sie, Clara, aber wir müssen los.“ Er stand gemütlich auf und knöpfte sein Jackett zusammen.
„Natürlich, Mister Langdon.“ Clara erhob sich ebenfalls. „Es war mir ein Vergnügen, mich mit Ihnen und Ihrem Kollegen zu unterhalten.“ Er zwinkerte ihr spitzbübisch zu und nickte. „Ich habe selten eine derart erfreuliche Chance bekommen, mich in diesem Berufsfeld wieder auszutauschen.“ Clara lächelte ihn nun dankbar und freundlich an.
Langdon nickte erneut und reichte ihr die Hand. „Das Vergnügen war ganz meinerseits. Passen Sie gut auf sich auf. Und wenn Sie Hilfe benötigen...“, er reichte ihr seine Visitenkarte, „ich bin nur einen Anruf entfernt und meine Tür steht Ihnen jederzeit offen.“ „Danke, Mister Langdon.“
Die beiden Anwälte gingen und Clara fühlte sich heute zum ersten Mal an diesem Tag richtig gut. Sie schüttelte den Kopf und konnte immer noch nicht fassen das sie gerade mit Theodore Langdon zu Mittag gegessen hatte und sich dabei mit ihm über Strafrecht, außergewöhnliche Fälle und manch unnütze Staatsanwälte unterhalten hatte. Dabei war und ist er noch immer der Erzfeind von Prize & Partners, der Anwaltskanzlei in der James und Eddy arbeiteten. Beschwingt löffelte sie an ihrem Tiramisu weiter und vergaß, dass sie völlig allein war.
Bis sie den Hauch warmer Lippen auf ihrem Nacken fühlte...