Lea Lukas fuhr wortlos und manövrierte mit automatischer Präzision durch den Münchner Nachmittagsverkehr, während ich wie erstarrt auf dem Beifahrersitz saß. Draußen zog die Stadt an uns vorbei – vertraute Straßen, die durch die Taubheit, die sich in meiner Brust ausbreitete, fremd geworden waren. Wir fuhren am Marienplatz vorbei, wo sich Touristen um das Glockenspiel drängten. Am Viktualienmarkt, wo die Händler ihre Stände für den Tag schlossen. An Kirchen und Geschäften vorbei und an ganz normalen Menschen, die ihr ganz normales Leben lebten, keiner von ihnen wusste oder kümmerte sich darum, dass meine Welt gerade – gefühlt zum hundertsten Mal – zusammengebrochen war. Mein Vater. Der Gedanke kreiste immer wieder im Kreis, wie ein Messer, das sich mit jeder Drehung tiefer in mich hine

