Lea Der Regen begleitete mich bis nach Schwabing. Münchens Straßen waren glatt und grau, die Stadt kauerte unter tief hängenden Wolken, die auf den Gebäuden zu lasten schienen. Regenschirme blühten auf jedem Bürgersteig wie seltsame Blumen – schwarz, dunkelblau, hier und da ein Farbtupfer in Rot. Die Straßenbahn, die ich vom Herrenhaus nahm, war überfüllt mit durchnässten Pendlern, alle drängten sich in unangenehmer Stille zusammen, Dampf stieg von ihren nassen Mänteln auf. Ich nahm kaum etwas davon wahr. Meine Gedanken kreisten um Lukas’ Nachrichten, ein Wechselbad der Gefühle zwischen Erleichterung, Verwirrung und etwas, das sich immer mehr wie Wut anfühlte. Er hatte mich beobachtet. Mir gefolgt. Mir mitten in der Nacht ohne mein Wissen oder meine Zustimmung zum Theater nachgesponnen.

