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Die Metzgers Braut

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Rache
dunkel
Familie
Gegensätze Anziehung
Freunde zu Liebenden
arrangierte Ehe
arrogant
Mafia
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Drama
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Valentina Russo hatte schon immer gewusst, dass sie als Ware galt. Sie war unter dem Deckmantel des Syndikats aufgewachsen und hatte gelernt, dass man sie eines Tages eintauschen würde – doch nicht so. Nicht an den Gläubiger ihres Vaters, Lorenzo „Der Schlachter“ Moretti, den gefürchtetsten Vollstrecker der Organisation.Lorenzo will keine Ehefrau. Er will Rache. Der Mörder seiner Mutter ist Valentinas Vater, doch sie ist nicht seine Frau. Sie ist sein Druckmittel. Seine Geisel. Die perfekte Waffe zur Vernichtung.Doch in dem Plan war eigentlich keine Besessenheit vorgesehen, oder?Als Valentina herausfindet, dass ihr Vater Lorenzos Mutter nicht getötet hat, sondern sein Onkel, der die Russos hereingelegt hat, um einen Krieg zu provozieren, muss sie einen monströsen Mann dazu bringen, das Leben aufzugeben, das er bisher geführt hat. Lorenzo wiederum muss entscheiden, ob die Wahrheit wichtiger ist als Rache – und ob die Frau, die er als Waffe geheiratet hat, inzwischen das Einzige geworden ist, das er nicht töten kann.Liebe, erbaut auf Lügen. Loyalität, bezahlt mit Blut. Eine Ehe, die eigentlich ein Fluch sein sollte – bis sie zum Einzigen wurde, wofür es sich zu leben lohnte.

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kapitel 1
Valentina Noch bevor ich geboren wurde, hatten sie bereits das Kleid ausgesucht, das ich tragen würde. Nicht genau dieses hier – elfenbeinfarbene Seide, antike Spitze am Kragen, Knöpfe, die sich den Rücken hinaufzogen und die Lucia einen nach dem anderen geschlossen hatte, ohne ein einziges Wort zu sagen. Die Valentina, die auf einen Mann zuging, den sie nicht kannte, und lächelte, als wäre es eine Entscheidung. Meine Mutter hatte es getan. Vor ihr ihre Mutter. Die Russo-Frauen verliebten sich nicht. Wir wurden platziert – wie Möbel, wie Kunst, wie etwas Wertvolles, das uns nicht gehörte. Etwas, das man in einen Raum stellte und aus einem anderen wieder herausholte, wenn es dem Besitzer gerade passte. Lucia flüsterte: „Du siehst wunderschön aus.“ Sie hielt meine Schultern mit warmen, seidenweichen Händen, die mich allein durch ihren Willen aufrecht zu halten schienen. Wenn sie mich weiter berührte, würde ich den Morgen nicht durchstehen. Ich sagte: „Nicht.“ „Valentina –“ „Wenn du jetzt etwas Nettes sagst, fange ich an zu weinen. Papa wird es sehen, und dann bekommen wir beide es noch schlimmer.“ Sie verstummte. Sie schloss die Finger einmal fest um meine Schultern und ließ wieder los. Im Spiegel sah ich eine Frau, die ich fast nicht erkannte. Mein Haar mit Nadeln hochgesteckt, die ich nicht selbst ausgesucht hatte. Die Perlen meiner Mutter an meinem Hals, kalt auf der Haut. Sie hatte sie an ihrem eigenen Hochzeitstag getragen, und es fühlte sich mehr wie eine Warnung an denn wie eine Ehrung. Augen, die in vierundzwanzig Jahren als Arturo Russos Tochter gelernt hatten, nichts preiszugeben. Schon als junger Mann hatte er es mir eingebläut: Valentina, das Gesicht einer Russo-Frau ist eine Waffe. Lass niemanden sehen, wie du sie lädst. Man hatte mir immer gesagt, was das bedeutete. Jetzt wusste ich es viel besser. Er klopfte nicht. Mein Vater stand plötzlich im Rahmen – breitschultrig, silbern an den Schläfen, mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der glaubte, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Ich sah ihn im Spiegel, beobachtete ihn und wartete. Für einen kurzen Moment suchte ich in seinem Gesicht nach etwas. Reue. Irgendetwas, das auf einen Mann hindeutete, der Zweifel an seiner Vaterschaft hatte. Da war nichts. „Der Wagen wartet“, sagte er. „Natürlich tut er das“, antwortete ich. „Valentina.“ Wie üblich war seine Stimme laut und klar. Tief. Endgültig. Dieser Ton, mit dem er schon seit meinem zwölften Lebensjahr manche Streitigkeiten im Keim erstickt hatte, die nie stattfanden, weil ich am Esstisch wegen einer Erinnerung geweint hatte, an die ich mich nicht erinnern konnte. „Ich bin bereit, Papa.“ Ich löste mich vom Spiegel und sah ihm direkt in die Augen. „Ich bin vorbereitet, seit du mir vor drei Tagen gesagt hast, dass ich verkauft wurde, um eine Spielschuld zu bezahlen.“ Die Luft im Zimmer veränderte sich. Lucia gab einen kleinen, unwillkürlichen Laut von sich. Der Kiefer meines Vaters spannte sich langsam an, wie immer, wenn er überlegte, was er eigentlich sagen wollte. „Das ist nicht, was das hier ist …“ „Das ist genau, was das hier ist.“ Ich hielt meine Stimme bewusst flach. So glatt wie die Seide, die ich trug. Wie die Waffe, die er zwanzig Jahre lang poliert hatte. „Ich bin nicht wütend, Papa. Ich weiß nur, was los ist. Das ist der Unterschied.“ Er musterte mich lange. Etwas huschte über sein Gesicht – etwas Komplexes, Flüchtiges, das zu spät kam, um einem von uns noch zu helfen. Schließlich sagte er: „Die Morettis sind mächtig.“ Seine Stimme wurde an den Rändern weicher, das war der Ton, in dem er es versuchte. „Auch wenn er nicht der Mann ist, der dich retten wird – Lorenzo wird dich beschützen, was auch immer er sonst ist.“ Ich sagte langsam: „Lorenzo Moretti – sie nennen ihn den Schlachter. Ich habe von ihm gehört, ich habe ihn gesehen, und du stehst hier in meiner Tür und erzählst mir, dass er mich beschützen wird.“ „Er behält, was ihm gehört“, sagte mein Vater. Dieselben Worte. Diesmal lag eine neue Last darauf, und ich konnte nicht sagen, ob es Trost oder Geständnis war. Was ihm gehört. Nicht wer. Nicht sie. Was. Eine Sache. Ein Besitz. Ein Vermögenswert, der übertragen wird. Ich schob es hinter meine Augen, dorthin, wo ich alle Dinge verstaute, für die ich noch nicht bereit war, und schwieg. Auf dem Weg zum Wagen saß Lucia neben mir und hielt die ganze Zeit meine Hand. Sie sprach nicht, und ich bat sie nicht darum. Es gab nichts Nützliches zu sagen, und wir waren schon immer Schwestern gewesen, die wussten, dass es leere und volle Schweigen gab. Dieses hier war voll. Es war angefüllt mit allem, was sie sagen wollte, allem, was ich nicht hören wollte, und allem, was wir wussten – seit Jahren wussten –, was es kostete, eine Russo-Tochter zu sein. Die Stadt draußen vor den getönten Scheiben ging ihren Gang, ahnungslos. Menschen, die an Ampeln warteten. Ein Blumenkarren an der Ecke der Delancey Street. Zwei kleine Jungen, die vor einer schimpfenden Frau davonrannten, beide lachend. Eine Welt, die nichts von dem Deal wusste und sich nicht darum scherte, der gerade an einem Donnerstagmorgen in einem schwarzen Wagen besiegelt wurde. Ich sagte leise zu Lucia, während ich die Stadt betrachtete: „Du musst mich davor nicht beschützen.“ „Das tue ich nicht. Ich beschütze mich selbst“, antwortete sie. „Mit dir zusammen zu sein, ist anders.“ Ich sah sie an und erkannte in ihren klaren, beherrschten Augen dieselben Lektionen wieder, die sie vom selben Meister gelernt hatte. Sie hielt sich für mich zusammen, so wie ich mich für sie zusammenhielt. Die Absurdität dessen – zwei Russo-Frauen, die sich auf dem Weg zum Verkauf gegenseitig stützten – saß irgendwo hinter meinem Brustbein, wo ich es nicht eindringen ließ. Stattdessen drückte ich ihre Hand. Sie drückte fester zurück. Wir fuhren zur Kirche, die klein und alt war. Ich war mir sicher, dass es nicht aus spirituellen Gründen geschah, sondern allein wegen der Abgeschiedenheit. Niedrige Steinmauern. Schmale Fenster. Ein Ort, an dem Dinge mit gedämpfter Stimme erledigt wurden, an dem keine Fotos gemacht wurden und an dem die Anwesenden eher gerufen als freiwillig gekommen waren. Etwa zwei Dutzend Männer in dunklen Anzügen saßen in den alten Bänken. Keiner von ihnen war zum Vergnügen hier. Sie waren hier wie Männer bei einer Vertragsunterzeichnung – um es offiziell zu machen und später sagen zu können, dass sie dabei gewesen waren, als es geschah. Ich wurde den Mittelgang hinuntergeführt. An der Tür hatte mein Vater mir seinen Arm angeboten. Ich hatte ihn abgelehnt, ohne ihn anzusehen. Wenn ich schon übergeben wurde, dann würde ich aus eigener Kraft gehen, mit geradem Rücken und eigener Macht. Ein kleiner Aufstand, vielleicht ohne Bedeutung. Aber ich tat es trotzdem. Er stand am Altar, und er war nicht der Mann, den ich mir in den letzten drei Tagen in meinem Kopf zusammengereimt hatte. In diesen drei Tagen hatte ich mir etwas Schreckliches ausgemalt. Brutal und offensichtlich, leicht zu lesen und leichter zu überleben. Was dort auf mich wartete, war etwas anderes: beherrscht, kontrolliert, jede Linie an ihm bewusst, wie nur die gefährlichsten Linien es sind. Seine Augen waren dunkel, und als ich durch die Tür kam, ließen sie mein Gesicht nicht los, während ich auf ihn zuging. Sein Kiefer wurde nicht weich. Da war keine Sanftheit, nur Präzision – die Reglosigkeit von etwas, das niemals schlief. Er beobachtete, wie ich mich ihm näherte, als würde er das Wetter beobachten. Ohne Gefühl. Was er tat, war vor allem, den Preis für sich selbst abzuschätzen. Ich trat zu ihm und blieb stehen. Der Priester sagte etwas. Ich hörte ihn nicht. Für den Bruchteil einer Sekunde – lang genug, um sich einzuprägen und zu merken – musterte Lorenzo mein Gesicht. Methodisch. Ohne Eile. Dann veränderte sich etwas in seinen Augen, etwas, das ich nicht benennen konnte und keine Zeit hatte zu verstehen, bevor es wieder verschwand. „Valentina“, sagte er. Leise und tief, als würde er das Wort abwägen. Als wäre er sich bis jetzt nicht sicher gewesen, ob er es aussprechen würde. Ich antwortete ebenso flach: „Lorenzo.“ Der Priester begann. Ich hielt den Blick nach vorn gerichtet, die Hände still und den Atem bewusst langsam und gleichmäßig. Seit meiner Kindheit hatte ich mich auf öffentliche Auftritte vorbereitet. Ich wusste, wie man einen Raum allein durch seine Anwesenheit füllte. Ich wusste, wie man körperlich anwesend war, während der Rest von einem zusah, wartete und alles für später abspeicherte. Der Mann neben mir bewegte sich während der gesamten Zeremonie nicht. Er zappelte nicht. Er drehte den Kopf weder zur Seite noch nach oben oder unten, sondern hielt ihn nur geradeaus – manchmal huschte ein kurzer Seitenblick hinüber, nur ganz leicht und nur für einen Moment, und manchmal, für den Bruchteil einer Sekunde, zu mir. Als der Augenblick kam, sprach ich die Worte. Klar, fest, ohne Zittern, ohne Zögern. Im Auto hatte ich beschlossen, dass ich keinem dieser Menschen, nicht dem Mann neben mir und nicht den Männern in den dunklen Anzügen, die Genugtuung geben würde, meine Stimme brechen zu hören. „Ich will.“ Er wiederholte die Worte. Leiser. Langsamer. Jedes einzelne, als würde er es an einer ganz bestimmten Stelle einsetzen, wie Steine in einem Feld, die nur er spüren konnte. Das werde ich nie vergessen.

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