Kapitel7 Seite 4

1123 Words
Sie fühlte sich wie auf einem Höhenflug. Sie ging mit der Liste in ihr Zimmer und setzte sich aufs Bett. Sie musste alle Telefonnummern ausprobieren um die Nummer von Michael zu erwischen, aber das war zu riskant, sie musste sich etwas anderes einfallen lassen. „Denk nach, Amy! Denk nach!”, sagte sie sich immer wieder als sie auf die Liste starrte. "Da! Das ist sie! Das ist sie!“, rief sie. Sie erinnerte sich an die letzten Ziffern der Nummer, es waren 3420. Diese Nummer war ungefähr fünf bis sechsmal auf der Liste zu sehen, in der Zeit wo Joshua nicht da war. Das musste er also sein. Freude kam in ihr hoch, sie hatte endlich eine Telefonnummer. Doch wollte er überhaupt noch mit ihr reden? Da war sie schon wieder, die Angst vor Unbekannten. Die Angst davor zu versagen und die Angst vor dem Ungewissen. Doch sie musste sich dieser Angst stellen. Es blieb ihr noch etwas Zeit bis Joshua von der Arbeit kam, also ging sie runter ins Wohnzimmer. Sollte sie es nun wirklich tun? Diese Ungewissheit darüber, wie er reagieren würde, machte sie schon fast wahnsinnig. Alle Angestellten waren beschäftigt und weit genug entfernt, so dass sie nichts mitbekommen würden. „Michael, bist du das?“, fragte sie vorsichtig, als sie die Nummer wählte und jemand abhob. Es war still im Hintergrund und Amy fragte sich erneut, ob sie die richtige Nummer gewählt hätte. „Amy, bist du das? Gott sei Dank bist du okay!” Amy fiel einen Stein vom Herzen. Es war die richtige Nummer gewesen und er schien erfreut und gleichzeitig besorgt zu sein, von ihr zu hören. „Du hattest recht, Michael. Du hattest recht und es tut mir so leid, dass ich mich nicht mehr gemeldet habe“ und merkte, wie ihr die Tränen über das Gesicht liefen. Doch dieses Mal waren es Tränen der Freude und nicht des Schmerzes. Sie war so erleichtert, dass er sie immer noch so nett ansprach und er nicht allzu böse war, dass sie sich so lange nicht mehr gemeldet hatte. Sie unterhielten sich noch eine ganze Weile, dann musste sie wieder auflegen. Sie wollte ja nicht, dass Joshua etwas mitbekommen würde. Joshua kam am späten Nachmittag nach Hause und hatte wieder den Hausarzt dabei. „Amy, ich habe den Doc getroffen und der wollte noch einmal nach deinem Wohlbefinden sehen.“ „Wie geht es dir, Amy? Das letzte Mal, als wir uns sahen, stand eine angehende Depression im Raum. Wie geht es dir heute damit?” Amy schaute ihn mit traurigen Augen an Sie zögerte etwas, doch dann fing sie endlich an zu sprechen. „Ich bin so froh, dass Sie endlich da sind, Doktor. Denn mir geht es momentan nicht so gut. Um ehrlich zu sein fühle ich eine immer tiefere Leere in mir. Und ich fühle mich so allein!“ Joshua schaute sie besorgt an und ging zu ihr rüber, um den Arm um sie zu legen. „Ich tue mein Bestes, Amy. Ich will dich glücklich sehen und versuche, so viel Zeit wie möglich mit dir zu verbringen, das verstehst du doch, oder?“ Amy nickte nur. Dr. Johnson reichte ihr eine Packung Tabletten. „Ich gebe Dir diese Tabletten, Amy. Die Tabletten sind stärker als die letzten. Ich hoffe, dass diese Tabletten Ihnen helfen und es Ihnen bald besser geht.” Nach diesen Worten verließ Dr. Johnson das Anwesen. „Amy, ich mache mir ernsthafte Sorgen um dich. Ich möchte, dass du weißt, dass du mich immer anrufen kannst, wenn ich nicht da bin”, sagte Joshua in seiner liebevollen und besorgten Art. Sie war geschockt von seiner Aussage und von seiner Art und Weise, mit der er ihr klar machen wollte, dass er sich wirklich um sie kümmern würde. Er arbeitete viel und es war gut so, denn so konnte Amy endlich mal durchatmen und Abstand gewinnen von ihm. Sie wollte ihn nicht anrufen! Sie wollte nicht mehr Zeit als nötig mit ihm verbringen! Sie wollte ihn einfach nicht, aber das wollte er einfach nicht akzeptieren. Es war seine Schuld, dass sie sich so leer fühlte. Es war seine Schuld, dass sie sich allein fühlte. Warum sah er das einfach nicht ein und ließ sie gehen? Sie musste sich zusammenreißen, damit er ihr nicht ansah, welche Gedanken sich in ihrem Kopf breit machten. „Ja, Joshua, das verstehe ich! Es ist wahrscheinlich nur meine Schuld. Ich bin momentan nicht wirklich ich selbst“, sagte sie und ging in ihr Zimmer. Joshua ging ihr nach. „Ich glaube es wäre besser, wenn ich heute die Nacht bei dir verbringe.” Das wollte sie wirklich nicht, denn sie wusste, was nun auf sie zukommen würde. „Joshua, ich glaube, ich brauche erst einmal etwas Ruhe!“, sagte sie und hoffte darauf, dass er es verstehen und sie in Ruhe lassen würde. Er schaute sie an und grinste. „Amy, ich sagte, dass ich die Nacht bei dir verbringen werde. Oder hat sich das für dich wie eine Frage angehört?“ Seine Stimme wurde aggressiver und Amy bereute jetzt schon, was sie gesagt hatte. Sie wusste, dass er sich nicht davon abbringen lassen würde und bekam Angst. Hauptsächlich bekam sie Angst, weil er wieder so aggressiv wurde. Sie fürchtete sich davor, dass er wieder zuschlagen würde. Er packte sie am Arm, ging in ihr Zimmer und führte sie zum Bett. „Oh Amy!“, sagte er immer wieder, als er sie langsam auszog. Jede Berührung war unangenehm, und doch versuchte sie es ihm nicht zu zeigen. Immer wieder dachte sie daran, dass es nicht mehr lange dauern würde bis sie endlich hier raus war. Dieser Gedanke war das Einzige, was sie momentan davon abhielt aufzugeben und sich der Hochzeit zu fügen. Sie spürte seinen Atem auf ihrer nackten Haut und sie zitterte. Immer wieder versuchte sie an etwas anderes zu denken, doch je mehr sie es versuchte, desto mehr spürte sie seine Berührungen und diesen Ekel. Er strich mit seinen Händen über ihren Körper und drang in sie ein. Während er immer wieder in sie eindrang, spürte sie eine innere Leere und Traurigkeit. Sie hatte schon oft gelesen, dass dieser Akt der Liebe wunderschön sein soll, doch sie empfand es in ihrem Leben als abscheulich und als eine Pflicht. Bei diesen Gedanken kamen ihr fast die Tränen. Sie musste versuchen, die Tränen zurückzuhalten, sonst würde Joshua vielleicht verärgert sein. Er hatte ihr so viel Freude genommen, Freude, die sie nun nur aus Büchern kannte, die sie las. Er war endlich fertig und ließ von ihr ab. Sie hoffte, dass er ihr Zimmer verlassen würde, doch stattdessen blieb er liegen, legte den Arm um sie und schlief ein.
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