KAPITEL:1

1367 Words
Die Diamantkette fühlte sich kalt und schwer auf Elenas Haut an. Es war ein kostbarer Stein, und sie mochte ihn nicht. Sie stand vor dem Spiegel in ihrer Wohnung und betrachtete eine Frau, die sie nicht gut kannte. Das schwarze Kleid war schön und ihr Make-up war perfekt. Ihre Augen wirkten leer. „Herr Vane verspätet sich ein wenig, Ma’am“, sagte eine Stimme von der Tür aus. Elena drehte sich nicht um. Das brauchte sie nicht. „Danke, Marcus. "Wartet das Auto schon auf uns?"“ „Ja, Ma’am. Ich habe auch dafür gesorgt, dass wir einen Tisch im *L’Ermitage* haben. Es ist schließlich Ihr Jahrestag. "Ich habe den Tisch in der Ecke ausgewählt, wo wir ungestört sein können.“ Elena drehte sich um und sah Marcus an, Julians Assistenten. Marcus war sehr gut in seinem Job. Er wusste viel über ihr Leben. Marcus wusste, dass sie allergisch gegen Lilien war. Julian hatte ihr letzten Monat drei Sträuße geschickt. Marcus kannte ihre Schuhgröße. Marcus war derjenige, der die Halskette ausgesucht hatte, die sie trug. „Hat Julian diese Halskette überhaupt gesehen, Marcus?“, fragte sie leise. Marcus zuckte nicht mit der Wimper. Er war sehr professionell. „Er sagte, es sei in Ordnung, sie zu kaufen, Ma’am.“ Elena spürte einen Schmerz in der Brust. *Er sagte, es sei in Ordnung, sie zu kaufen.* Das war das Ende ihrer Ehe. Der Aufzug im Wohnhaus gab ein Geräusch von sich. Dann betrat Julian Vane den Raum. Er war ein gutaussehender Mann mit markantem Kinn. Er schaute auf seine Uhr, während er auf seinem Handy tippte. Er blickte erst auf, als er schon ganz nah bei ihr war. „Du siehst gut aus, Elena“, sagte er mit seiner sanften Stimme. Früher hatte sie das glücklich gemacht. Jetzt macht es sie nur noch müde. „Wir müssen los. Ein Mann von Miller-Tech sitzt neben uns beim Essen. "Das ist unsere Chance, ihn kennenzulernen.“ „Es ist unser Hochzeitstag, Julian“, sagte Elena mit fester Stimme. „Ich weiß. Deshalb gehen wir zum Abendessen“, antwortete er, steckte sein Handy weg und bot ihr seinen Arm an. Das tat er oft. Es fühlte sich nicht echt an. „Lass uns gehen.“ Die Fahrt zum Restaurant verlief still, nur das Klopfen von Julians Fingern auf seinem Knie war zu hören. Er dachte nicht an sie. Er dachte an Arbeit, Geld und Geschäfte. Elena schaute aus dem Fenster auf die Stadt und hatte das Gefühl, ihr Leben nicht wirklich zu leben. Sie kamen im Restaurant an. Marcus hat einen tollen Tisch ausgesucht. Die Beleuchtung war gedämpft und der Wein war gut. Der Service war perfekt. „Ich habe ein Geschenk für dich“, sagte Julian, zehn Minuten nachdem sie angefangen haben zu essen. Er nahm einen Umschlag aus seiner Tasche und schob ihn über den Tisch. Elenas Herz schlug etwas schneller. War es eine Karte? Hatte er tatsächlich etwas hineingeschrieben? Sie öffnete ihn. Darin befand sich ein Flugticket zu einem Haus in der Toskana für eine Woche im Juli. Unten stand: *Mit freundlichen Grüßen vom Büro von Julian Vane.* Elena betrachtete das Papier. Es war kein Geschenk. Es war eine Geschäftsreise, die wie ein Urlaub aussah. Julian hatte in dieser Woche ein Meeting in Mailand. „Ich kann im Juli nicht fahren“, sagte Elena, ihre Stimme kaum hörbar. Julian hielt inne, das Weinglas im Mund. „Warum nicht?“ „Es ist die Eröffnung eines Teils des Metropolitan Museum. Meine Firma ist für italienische Kunst zuständig. "Das habe ich dir vor drei Monaten gesagt und diese Woche noch einmal.“ Julian stellte sein Glas ab. Ich sah sie an. „Sag es ab. Stell jemanden ein, der das übernimmt. "Diese Reise ist wichtig für den Miller-Deal.“ „Das ist mein Job, Julian. "Es ist das Einzige, was mir noch bleibt, das du nicht in ein Geschäft verwandelt hast.“ Julians Blick verdunkelte sich. „Sei nicht so, Elena. Du hast alles. Du hast diese Wohnung, das Personal und einen Namen, der dir in dieser Stadt alle Türen öffnet. Du bist eine Vane. "Benimm dich auch so.“ „Ich war Elena Vance, bevor ich eine Vane wurde“, sagte sie mit leiser Stimme. „Elena Vance liebte Kunst. Sie liebte es, nachts spazieren zu gehen und Pizza zu essen. " Sie liebte einen Mann, der versprochen hatte, sich niemals zu ändern.“ „Menschen werden erwachsen, Elena. "Sie verändern sich.“ „Nein“, sagte sie und stand auf, wobei ihr Kleid an der Stuhllehne raschelte. „Sie verändern sich nicht. Sie werden nur noch mehr zu dem, was sie schon waren. Du, Julian? "Du bist ein Mann, dem Geld wichtig ist.“ Im Restaurant wurde es still. Julian rührte sich nicht. Eine Ader an seiner Schläfe trat hervor. „Setz dich“, sagte er mit leiser, wütender Stimme. „Du machst eine Szene.“ „Ausnahmsweise, Julian, ist mir die Szene egal. Der Miller-Deal ist mir egal. "Und das Büro von Julian Vane ist mir ganz sicher egal.“ Sie streckte die Hand aus. Sie versuchte, die Diamantkette abzunehmen. Es war schwer, sie zu öffnen. Dann löste sie sich. Sie ließ sie auf den Tisch fallen. Sie landete in einer Rotweinflecken. Die Diamanten sahen aus wie Blut. „Herzlichen Glückwunsch zum Jahrestag, Julian. "Das ist das Einzige, was du mir jemals kaufen wirst.“ Sie. Verließ das Restaurant, ihre Absätze klapperten auf dem Boden. Sie blickte nicht zurück. Sie wartete nicht auf das Auto. Sie ging hinaus in die New Yorker Nacht. Zwanzig Minuten später kam Julian zurück in die Wohnung. Er war wütend, als er daran dachte, was die Leute wohl darüber sagen würden, dass Elena das Restaurant verlassen hatte. Er dachte, sie würde in ihrem Zimmer weinen oder darauf warten, dass er sich entschuldigt. In der Wohnung war es still. Er ging in sein Arbeitszimmer, um sich einen Drink einschenken, als er einige Kisten neben der Tür sah. Oben auf den Kisten lag ein altes Liederbuch. Es wirkte in dem Raum fehl am Platz. Aus Neugierde nahm er es in die Hand. Der Einband war alt und die Seiten abgenutzt. Er schlug es auf. *14. Mai.* *Julian hat heute wieder meinen Geburtstag vergessen. Marcus hat mir eine Uhr geschickt. Sie ist schön. Ich habe geweint, als ich sie angelegt habe, weil ich weiß, dass Julian nicht einmal weiß, welche Farbe das Armband hat. Ich glaube, ich verschwinde langsam. Ich glaube, wenn ich aufhören würde zu sprechen, würde er es jahrelang nicht bemerken.* Julian stockte der Atem. Er blätterte um. *2. November.* *Er hat mich heute angesehen. Er hat mich wirklich für eine Sekunde angesehen, bevor sein Telefon klingelte. In dieser einen Sekunde sah ich den Jungen, in den ich mich verliebt hatte. Dann setzte er wieder seine Maske auf. Ich lebe in einem Gefängnis, und der Mann, den ich liebe, ist derjenige, der die Tür verschlossen hat.* Julian spürte ein Kribbeln im Bauch. Er las weiter und sah Jahre des Schmerzes, Jahre der Einsamkeit, Jahre einer Frau, die in die Stille einer Ehe schrie, die keine Ehe war. Dann las er das, was sie an jenem Morgen geschrieben hatte. *Ich gehe heute. Ich glaube nicht, dass er überhaupt bemerken wird, dass ich weg bin, bis er jemanden braucht, der ihm auf der Party zur Seite steht. Wenn er das hier liest – falls er es jemals tut –, werde ich jemand sein, den er nicht zurückkaufen kann.* Julian ließ das Buch fallen. Er rannte in ihr Schlafzimmer. „Elena!“, rief er und öffnete die Tür. Der Raum war leer. Ihre Kleider waren weg, ihr Parfüm war weg. Es war nichts mehr da außer einem Stück Papier auf dem Bett. Er hob es auf, seine Hände zitterten. Es war kein Zettel. Es war ein Dokument. Oben stand: **ANTRAG AUF AUFLÖSUNG DER EHE.** Es war die kleine Notiz unten, die sein Herz zum Stillstand brachte. *„Mach dir nicht die Mühe, Marcus anzurufen, um das zu regeln, Julian. Ich habe bereits die Schlösser in meinem Atelier ausgetauscht. "Ich habe bereits jemanden kennengelernt, der genau weiß, welche Farbe meine Augen haben.“*
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