Kapitel 3

1978 Words
Der Morgen brach mit einer grausamen Klarheit an. Der Schnee draußen reflektierte das erste blasse Sonnenlicht so grell, dass es in den Augen schmerzte. Im großen Festsaal des Blackthorn Anwesens herrschte bereits geschäftiges Treiben. Diener trugen Tabletts mit dampfendem Brot, gebratenem Wild und silbernen Karaffen voller Gewürzwein herein. Die langen Tische waren mit weißen Tüchern bedeckt, auf denen frische Tannenzweige und silberne Kerzenhalter standen. Alles war vorbereitet für die Zeremonie, die niemals stattfinden würde, wie Kael es geplant hatte. Jasmine saß noch immer im Ostturm. Sie hatte sich nicht bewegt, seit Kael gegangen war. Ihre Haut prickelte noch von seinen Berührungen, ihr Körper fühlte sich wund und lebendig zugleich an. Das Band summte in ihr wie eine lebendige Saite, die bei jedem Gedanken an ihn vibrierte. Sie hatte sich das einfache dunkle Kleid wieder angezogen, doch es fühlte sich jetzt fremd an, als gehörte es nicht mehr zu ihr. Alles fühlte sich fremd an. Sie selbst fühlte sich fremd. Unten im Saal erklang die tiefe Stimme ihres Vaters. Alpha Darius lachte laut und herzlich, als hätte er die Welt in seiner Hand. Jasmine kannte dieses Lachen. Es war das Lachen eines Mannes, der glaubte, unbesiegbar zu sein. Sie stand auf. Ihre Beine zitterten leicht. Sie konnte nicht länger hier oben bleiben und warten. Wenn etwas schiefging, wenn Kael fiel, dann wollte sie wenigstens in der Nähe sein. Sie wollte sehen. Sie wollte kämpfen, falls es nötig wurde. Leise schlich sie die Wendeltreppe hinunter. Die Gänge waren noch menschenleer, doch aus dem Festsaal drangen Stimmen. Sie blieb im Schatten eines Bogengangs stehen und spähte hinein. Dort stand Kael. Groß. Unbewegt. In voller Kriegsmontur. Schwarzes Leder, der schwere Wolfspelzmantel über den Schultern. Seine Krieger hatten sich hinter ihm aufgereiht, eine Wand aus Muskeln und Stahl. Alpha Darius saß am Kopfende der Tafel, Luna Isolde an seiner Seite. Seraphina stand etwas abseits, in einem schlichten silbernen Kleid, das Gesicht blass, die Augen voller Fragen. „Lord Kael“, begann Darius mit falscher Herzlichkeit. „Die Sonne ist aufgegangen. Die Zeremonie kann beginnen. Meine Tochter Seraphina steht bereit, Eure Luna zu werden. Das Band wird heute besiegelt.“ Kael schwieg einen langen Moment. Dann trat er vor. Seine Stimme hallte klar durch den Saal. „Es wird kein Band mit Seraphina geben.“ Ein Raunen ging durch die Anwesenden. Darius erstarrte. Sein Lächeln gefror. „Was sagst du da?“, fragte er leise, gefährlich leise. „Ich habe eine andere Gefährtin gefunden“, erklärte Kael ruhig. „Das wahre Band hat sich geöffnet. Es ist unmöglich, es zu ignorieren.“ Darius lachte auf, doch es klang gezwungen. „Das ist lächerlich. Das heilige Mal meiner Tochter leuchtet klar und deutlich. Dein Rudel braucht diese Verbindung. Du brauchst sie.“ „Ich brauche nur sie“, sagte Kael. Und dann drehte er den Kopf. Sein Blick fand Jasmine im Schatten des Bogengangs. Alle Köpfe wandten sich um. Jasmine spürte, wie das Blut aus ihrem Gesicht wich. Sie wollte zurückweichen, doch ihre Füße gehorchten nicht. Darius folgte Kaels Blick. Als er sie erkannte, verzerrte sich sein Gesicht vor Wut. „Du wagst es?“, brüllte er. „Du wagst es, meine Bastardtochter zu nennen? Die Unmarkierte? Die wertlose Schande?“ Kael trat zwischen sie und Darius. „Sie ist meine Gefährtin. Das Band lügt nicht. Und ich werde sie nehmen. Heute. Hier. Vor allen Augen.“ Chaos brach aus. Darius sprang auf. Seine Krieger zogen ihre Klingen. Kaels Männer taten es ihm gleich. Seraphina schrie leise auf und presste die Hand vor den Mund. „Vater!“, rief sie. „Bitte!“ Doch Darius hörte nicht. Er starrte Kael an wie ein Tier, das zur Schlachtbank geführt werden sollte. „Du brichst den Vertrag“, knurrte er. „Du beleidigst mein Rudel. Dafür wirst du sterben.“ Kael lächelte kalt. „Dann versuch es.“ Die beiden Alphas starrten sich an. Die Luft knisterte vor Gewalt. Doch bevor jemand zuschlagen konnte, trat Seraphina vor. Ihre Stimme zitterte, doch sie war fest. „Vater. Wenn das Band echt ist… dann lass sie gehen. Lass Jasmine gehen.“ Darius fuhr zu ihr herum. „Schweig! Du verstehst nichts!“ „Ich verstehe genug“, sagte Seraphina leise. „Ich habe gesehen, wie sie leidet. Ihr ganzes Leben. Und wenn sie wirklich seine Gefährtin ist… dann verdiene ich nicht weniger als Freiheit für sie.“ Darius ballte die Fäuste. Seine Knöchel knackten. Jasmine trat endlich aus dem Schatten. Sie ging langsam auf Kael zu. Ihre Augen ließen ihren Vater nicht los. „Ich will das nicht“, sagte sie mit fester Stimme. „Ich will keinen Krieg. Aber ich will auch nicht mehr unsichtbar sein.“ Darius lachte bitter. „Du wirst immer unsichtbar bleiben. Du bist nichts.“ Kael legte schützend den Arm um Jasmines Taille. „Sie ist alles.“ In diesem Moment explodierte die Spannung. Darius stürzte vor. Seine Kralle fuhr aus. Er wollte Kael an der Kehle packen. Doch Kael war schneller. Er wich aus, packte Darius am Handgelenk und drehte es mit brutaler Kraft. Ein Knacken ertönte. Darius schrie auf. Die Krieger beider Seiten prallten aufeinander. Stahl klirrte. Knurren erfüllte den Saal. Kael zog Jasmine hinter sich. „Bleib bei mir“, befahl er. Doch bevor er kämpfen konnte, ertönte ein lauter Schrei. „Genug!“ Es war Seraphina. Sie hatte sich zwischen die Kämpfenden gestellt. Ihre Augen glühten. Das heilige Mal auf ihrer Schulter leuchtete heller als je zuvor. „Ich fordere einen Zweikampf“, rief sie. „Nach altem Recht. Kein Rudelkrieg. Nur ein Duell. Der Sieger bestimmt das Schicksal.“ Alle erstarrten. Darius hielt sich den gebrochenen Arm. „Du wagst es, Tochter?“ „Ich wage es“, sagte Seraphina. „Wenn Kael gewinnt, nimmt er Jasmine. Wenn du gewinnst, Vater… dann muss er gehen. Und Jasmine bleibt hier. Als Dienerin. Für immer.“ Jasmine schüttelte den Kopf. „Sera, nein…“ Doch Seraphina sah sie an. Tränen in den Augen. „Ich tue das für dich. Damit es fair ist. Damit niemand stirbt, der nicht muss.“ Kael nickte langsam. „Ich nehme die Herausforderung an.“ Darius spuckte Blut. „Dann sei es so. Auf dem gefrorenen See. Bei Sonnenuntergang. Bis einer tot ist.“ Die Menge murmelte. Einige nickten ehrfürchtig. Andere wirkten entsetzt. Der Saal leerte sich langsam. Die Zeremonie war vorbei. Stattdessen würde Blut fließen. Kael zog Jasmine mit sich. Er führte sie durch einen Seitengang in einen kleinen, abgelegenen Raum. Eine Kammer mit einem breiten Bett, einem Kamin und dicken Vorhängen vor den Fenstern. Er schloss die Tür. Verriegelte sie. Dann drehte er sich zu ihr um. „Wir haben bis Sonnenuntergang Zeit“, sagte er rau. Jasmine trat zu ihm. Sie legte die Hände auf seine Brust. „Du wirst kämpfen. Du könntest sterben.“ „Ich werde nicht sterben“, versprach er. „Nicht heute. Nicht bevor ich dich zu meiner gemacht habe. Vollkommen.“ Er küsste sie. Hart. Besitzergreifend. Seine Hände glitten unter ihr Kleid, schoben den Stoff hoch. Jasmine keuchte auf, als seine Finger ihre nackte Haut fanden. „Ich will dich spüren“, murmelte er an ihrem Mund. „Bevor ich kämpfe. Ich will wissen, dass du mir gehörst.“ Jasmine nickte. Tränen liefen über ihre Wangen, doch sie waren nicht aus Angst. Sondern aus überwältigender Sehnsucht. Kael hob sie hoch und trug sie zum Bett. Er legte sie nieder, als wäre sie aus Glas. Doch seine Augen brannten vor Hunger. Langsam zog er ihr das Kleid aus. Jede Bewegung war bedacht. Er küsste jeden Zentimeter Haut, den er freilegte. Ihren Hals. Ihre Schlüsselbeine. Die Stelle, an der das Mal hätte sein müssen. Dort verweilte er besonders lange. Seine Zunge strich über die glatte Haut. „Hier hätte es sein sollen“, flüsterte er. „Doch es ist egal. Du bist markiert. Von mir.“ Jasmine bog sich ihm entgegen. Ihre Finger gruben sich in sein Haar. Er zog sich selbst aus. Sein Körper war eine Landkarte aus Narben und Muskeln. Hart. Stark. Bereit. Als er sich über sie beugte, spürte sie seine Hitze. Seine Härte drückte gegen ihren Bauch. Sie spreizte die Beine instinktiv. Kael küsste ihren Bauch. Tiefer. Tiefer. Bis er zwischen ihren Schenkeln ankam. Seine Zunge fand sie. Heiß. Geschickt. Jasmine schrie leise auf. Ihre Hüften hoben sich ihm entgegen. Er leckte sie langsam, genüsslich, als wollte er jeden Tropfen ihrer Erregung kosten. Seine Hände hielten ihre Hüften fest, damit sie nicht entkommen konnte. „Kael…“, wimmerte sie. Er saugte sanft an ihrer empfindlichsten Stelle. Jasmine explodierte fast. Ihr Körper spannte sich an. Wellen der Lust durchfluteten sie. Doch er hörte nicht auf. Er schob zwei Finger in sie. Langsam. Tief. Krümmte sie, fand genau den Punkt, der sie wahnsinnig machte. „Komm für mich“, knurrte er. Und sie kam. Hart. Laut. Ihr ganzer Körper bebte. Sterne tanzten vor ihren Augen. Er wartete, bis die Wellen abebbten. Dann kroch er über sie. Seine Augen dunkel vor Verlangen. „Ich will dich ganz“, sagte er heiser. Jasmine nickte. „Nimm mich.“ Er positionierte sich. Die Spitze seines Schafts drückte gegen ihren Eingang. Langsam. Quälend langsam drang er ein. Jasmine keuchte. Er war groß. So groß. Doch ihr Körper öffnete sich ihm willig. Das Band half. Es machte sie feucht. Bereit. Hungrig. Als er ganz in ihr war, hielt er inne. Beide atmeten schwer. „Du fühlst dich unglaublich an“, stöhnte er. Dann begann er sich zu bewegen. Erst langsam. Tief. Jeder Stoß ein Versprechen. Jasmine klammerte sich an seine Schultern. Ihre Nägel gruben sich in seine Haut. „Härter“, bat sie. Er gehorchte. Seine Stöße wurden schneller. Tiefer. Brutaler. Das Bett knarrte unter ihnen. Ihre Körper klatschten aneinander. Schweiß perlte über seine Brust. Kael beugte sich hinunter. Er nahm eine ihrer Brustwarzen in den Mund. Saugte. Biss sanft. Jasmine schrie auf. Lust und Schmerz vermischten sich. Seine Hand glitt zwischen sie. Fand ihre empfindliche Knospe. Rieb sie im Takt seiner Stöße. „Komm nochmal“, befahl er. „Komm mit mir.“ Jasmine spürte es aufsteigen. Schneller diesmal. Stärker. „Ich… ich…“, keuchte sie. „Jetzt“, knurrte er. Er stieß tief zu. Einmal. Zweimal. Jasmine kam. Ihr Inneres zog sich rhythmisch um ihn zusammen. Milchweiße Funken explodierten hinter ihren Lidern. Kael folgte ihr. Mit einem tiefen, animalischen Brüllen ergoss er sich in sie. Puls um Puls. Heiß. Viel. Er füllte sie vollkommen. Danach brach er über ihr zusammen. Schwer atmend. Verschwitzt. Doch glücklich. Er küsste ihre Stirn. Ihre Wangen. Ihre Lippen. „Du bist mein“, flüsterte er. „Und du bist mein“, antwortete sie. Sie lagen lange so da. Eng umschlungen. Die Welt draußen schien weit weg. Doch die Sonne wanderte weiter. Der Nachmittag verging. Sonnenuntergang nahte. Kael erhob sich schließlich. Er zog sich an. Jasmine tat es ihm gleich. Bevor er ging, zog er sie ein letztes Mal an sich. „Egal was passiert“, sagte er. „Du wartest hier. Wenn ich siege… komme ich zu dir. Wenn nicht… flieh. Mein Rudel wird dich schützen.“ „Ich warte“, versprach sie. Er küsste sie ein letztes Mal. Tief. Lang. Als wollte er sich ihren Geschmack für immer einprägen. Dann ging er. Jasmine blieb allein zurück. Sie legte die Hand auf ihren Bauch. Dort, wo sein Samen noch warm in ihr ruhte. Sie wusste nicht, ob sie bereits ein Kind trug. Doch sie wusste eines: Sie würde kämpfen. Für ihn. Für sie. Für das, was sie gemeinsam erschaffen hatten. Draußen auf dem gefrorenen See wartete das Duell. Blut würde fließen. Doch Jasmine spürte tief in sich: Das Band war stärker als Tod. Und Liebe war stärker als Hass. Sie schloss die Augen. Und betete zum Mond.
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