Episode 001
Evelyns Perspektive
Ich saß im Raum, das Pochen meines Herzens war lauter als die Stille um mich herum. Mit jedem Ticken der Uhr wurde mein Körper angespannter vor Angst und Erwartung. Wie lange saß ich schon hier? Ich konnte mich kaum erinnern, aber ich wartete verzweifelt darauf, dass der Arzt das Zimmer betrat. Doch selbst wenn er kam, bezweifelte ich, dass er die Unruhe vertreiben konnte, die sich wie eine Schlange in meinem Magen wand.
Ich zuckte zusammen, als die Tür aufgestoßen wurde. Der Arzt trat in den Raum und ging zu seinem Stuhl. Ich runzelte die Stirn und versuchte, seinen Gesichtsausdruck zu deuten, um mein Schicksal zu erkennen, aber sein Gesicht blieb ernst, während er mir ein Blatt Papier reichte.
„Was steht da?“ fragte ich und sah ihn verzweifelt an.
„Schau selbst“, war seine einzige Antwort, während er sich in seinem Stuhl zurücklehnte. Mit rasendem Herzen öffnete ich langsam das Papier und las es durch.
„Positiv?“ Ich wandte meinen Blick zum Arzt. Ich starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen ungläubig an. „Doktor… ich bin schwanger“, sagte ich fast flüsternd, während sich ein Lächeln auf meine Lippen legte und Tränen meine Augen füllten. „Bitte sagen Sie mir, dass ich nicht träume“, flüsterte ich beinahe, während ich auf seine Bestätigung wartete.
Sein Lächeln wurde breiter, und das allein reichte aus, um mich zu beruhigen. Ich war tatsächlich schwanger. „Ich bin schwanger!“
Der ernste Ausdruck in seinem Gesicht verschwand und wurde durch ein aufrichtiges Lächeln ersetzt. „Herzlichen Glückwunsch. Du bist schwanger, Evelyn. Ich freue mich für dich“, sagte er mit strahlender Miene, was mir den Atem raubte.
„Oh mein Gott! Ich bin schwanger. Ich… ich kann nicht glauben, dass ich endlich schwanger bin, Dr. Henry. Sie wissen, wie lange ich mir ein Kind gewünscht habe. Fünf Jahre lang – und endlich...“, meine Stimme brach, während Tränen über meine Wangen liefen.
„Ich weiß, Evelyn“, nickte er.
„Oh mein Gott! Ich muss es Caleb erzählen. Er wird sich so freuen.“ Ich verabschiedete mich schnell vom Arzt. Mein Ziel war es, die frohe Nachricht zu überbringen.
Ich stieg in ein Taxi und fuhr direkt nach Hause, voller Vorfreude. Im Wohnzimmer angekommen, sah ich mich verwundert um. Wo war Caleb? Er sagte doch, dass es ihm zu schlecht ging, um zur Arbeit zu gehen. Oder war er doch zur Arbeit gegangen, während ich beim Arzt war? Ich überlegte, während ich mich unserem Schlafzimmer näherte.
Doch plötzlich blieb ich wie erstarrt stehen, als ich Geräusche aus dem Raum hörte. Stöhnende Laute drangen an mein Ohr – lasziv und eindeutig. Mein Körper gefror, Angst griff nach meinem Herzen.
„Gott, bitte lass es nicht das sein, was ich denke“, flüsterte ich, während mein Herz schneller schlug. Ich griff nach der Türklinke und drückte sie herunter. Die Geräusche wurden lauter, mein Herz sank. Mein Blick fiel auf das Bett – ein entsetzter Laut entwich meinen Lippen. Mein Körper wurde steif. Calebs nackter Körper über einer Frau.
Ich trat einen Schritt zurück, mein Herz pochte wild, als ich begriff, was geschah. „C-Caleb?“ flüsterte ich mit bebender Stimme.
Er drehte den Kopf in meine Richtung und sein Mund öffnete sich vor Schock. „Evelyn!“ Schnell zog er sich zurück. Die Frau richtete sich auf, ihr Gesicht wurde sichtbar. Die Luft blieb mir im Hals stecken.
„Dana?“ Die Welt um mich herum begann sich zu drehen, ich lehnte mich an die Wand.
Im nächsten Moment sprang sie aus dem Bett und hielt sich das Laken um den Körper.
„Evelyn, was… warum bist du hier?“ Calebs Stimme holte mich zurück, und ich wandte mich ihm zu. Er versuchte hastig, seine Shorts anzuziehen.
„Caleb… wie konntest du nur?“ Frische Tränen stiegen mir in die Augen, mein Blick wanderte zwischen beiden hin und her.
Das fühlte sich an wie ein Albtraum, aus dem ich unbedingt erwachen wollte. „Dana, du bist meine beste Freundin. W-wie konntest du nur?“
„Evelyn, bitte, lass es mich erklären. Ich… ich dachte…“ Er stammelte, aber seine Worte waren Lügen – Gift, das mich innerlich zerstörte.
„Sie hat recht. Wir haben es seit sechs Jahren miteinander!“ rief Dana hinter ihm, die das Laken noch immer umklammert hielt.
„Was machst du, Dana?“ fuhr er sie zornig an.
„Denkst du nicht, es ist Zeit, dass sie die Wahrheit erfährt? Wir haben es doch besprochen, und du hast zugestimmt. Was macht es also für einen Unterschied, ob sie es jetzt erfährt?“
Was ging hier vor sich? Sie wollten mir was sagen? Über den Betrug? Den Verrat? Unzählige Fragen schossen mir durch den Kopf, doch ich stellte nur eine.
„Was meinst du mit sechs Jahren?“ fragte ich mit angehaltenem Atem.
Dana trat an mir vorbei, kam näher. „Du willst eine Erklärung, richtig? Nun, hier ist sie: Ich hatte schon im College einen Crush auf Caleb. Aber dann habe ich gemerkt, dass du ihn auch mochtest. Dein Vater war CEO eines bekannten Unternehmens, aber er hatte keinen Nachfolger. Du wolltest nichts mit der Firma zu tun haben – du wolltest Modedesignerin werden. Wenn du aber Caleb heiratest, würde ihm automatisch das Unternehmen gehören“, sagte sie mit stechendem Blick und einem kalten Lächeln.
Mein Herz raste, als sie noch näherkam. Sie beugte sich zu mir hinunter, ihre Stimme ein Hauch an meinem Ohr: „Ich habe ihn verführt, ihn dazu gebracht, sich in mich zu verlieben und ihn benutzt. Du hast keine Ahnung, wie schön es war, dir beim Leiden zuzusehen – ohne Kind, ohne Aufmerksamkeit für das Unternehmen. Du bist hoffnungslos verliebt, und das ist deine Schwäche.“
Mit einem Adrenalinschub stieß ich sie heftig weg.
Sie stöhnte vor Schmerz, Caleb eilte zu ihr. „Geht es dir gut?“ fragte er besorgt.
Wut, Scham, Reue und Schmerz durchströmten mich. Es war alles meine Schuld. Wie konnte ich das nicht früher sehen?
„Ich… ich werde dem Vorstand alles erzählen. Du bist unfähig, das Unternehmen zu führen“, sagte ich, halb im Schock.
Langsam drehte er sich zu mir um. „Nein, wirst du nicht“, seine Stimme war eiskalt, seine Augen dunkel und scharf wie ein Messer. „Weißt du, wie lange ich gebraucht habe, um CEO zu werden? Glaubst du wirklich, ich lasse dich das zerstören? Ich mochte dich nie. Ich war nur mit dir zusammen wegen Dana.“
„W-was hast du gesagt?“ fragte ich zitternd.
„Wenn du auch nur einen Schritt wagst, wirst du es bereuen – genau wie dein Vater.“ Sein Tonfall war tödlich.
„Was meinst du mit ‚genau wie mein Vater‘, Caleb?“ flüsterte ich und hielt noch immer den Schwangerschaftstest in der Hand.
Er schloss die Augen und öffnete sie wieder – schwarz wie ein Abgrund. „Leg dich nicht mit mir an, Evelyn. Wenn du etwas Dummes tust, wirst du es schmerzhaft bereuen“, zischte er.
„Du hast meine Frage nicht beantwortet“, flüsterte ich, doch der Wunsch nach einer Antwort war laut in mir.
Plötzlich schwieg er. „Antworte mir, Caleb!“ schrie ich ihn an.
„Dein Vater ist nicht an irgendeinem verdammten Krebs gestorben. Ich war es, der ihn getötet hat!“
Was?!
„Ich habe seinen Arzt bestochen, ihm die falschen Medikamente zu geben, nachdem ich einen gefälschten Testbericht vorgelegt habe. Ich musste die Firma so schnell wie möglich übernehmen, und solange er lebte, war er ein Hindernis.“
Ich taumelte zurück. Wie… wie konnte er mir das antun?
Ohne zu zögern griff ich zur Tür, aber etwas traf mich hart am Kopf. Ich fiel zu Boden, die Sicht verschwamm. Ich sah Caleb mit einer Metallvase in der Hand.
Ich versuchte aufzustehen, doch er kam näher. Er hob die Vase – ein zweiter Schlag traf meinen Kopf.
Blut schmeckte metallisch in meinem Mund. Ich versuchte zu fliehen, aber er schlug immer wieder zu.
„Ich hab dich gewarnt, Evelyn!“, murmelte er immer wieder.
Sein Gesicht war voller Hass. Ich versuchte zu flehen, „Bitte, hör auf...“
Er ließ mich blutend und gebrochen zurück. Ich hörte Danas Stimme: „Das reicht. Du hast das ganze Bett mit ihrem Blut versaut.“
Meine Augen fielen zu. War das… mein Ende?