Kapitel 1: Die zerbrochene Gala
Diee Luft im obersten Stockwerk des Salesforce Towers war dünn und roch nach teurem Gin und Ozon. Elena Thorne rückte den Ärmel ihres Alexander-McQueen-Blazers zurecht – scharf genug, um jemanden zu schneiden – und blickte auf die Skyline von Manhattan. Heute war der Abend von Aura 2.0. In drei Stunden würde sie das Patent verkünden, das fossile Brennstoffe wie Höhlenmalereien aussehen lassen würde. Sie war die Königin der Welt, doch ihre Haut kribbelte vor Unbehagen.
„Er ist hier“, flüsterte ihr Assistent Marcus. „Südbalkon. Er hat mit niemandem gesprochen. Er... steht einfach nur da.“
Elena musste nicht fragen, wer. Es gab nur einen Mann, der eine Siegesfeier in eine Beerdigung verwandeln konnte. Julian Vane stand als Silhouette gegen das Chrysler Building, ein Glas unberührten Scotchs in der Hand. Selbst aus fünfzig Metern Entfernung fühlte sich sein Blick wie eine Hand an ihrer Kehle an – fest, fordernd und unmöglich warm.
Bevor sie zu ihm gehen konnte, legte sich eine warme Hand auf ihren Rücken. „Du zitterst, El. Atme einfach“, sagte Dominic Sterling. Er war der „Golden Boy“ der Finanzwelt, der Mann, von dem alle sagten, Elena solle ihn heiraten. Direkt hinter ihm stand Sloane, eine Frau im grauen Anzug mit Augen wie Feuerstein. Sloane war Dominics „Fixerin“, und sie bewegte sich mit der lautlosen Anmut eines Raubtiers.
„Dom“, sagte Elena und versuchte, ihre Fassung zu finden. „Ich dachte, du wärst noch in London.“
„Ich würde deine Krönung niemals verpassen“, sagte Dominic und umarmte sie. Er roch nach Zitrus und teuren Zigarren. Doch während er sie hielt, blickte Elena über seine Schulter. Julians Kiefer spannte sich an. Die Luft zwischen ihnen fühlte sich aufgeladen an, wie Sekunden vor einem Blitzeinschlag.
Elena ging zu Julian und ließ Dominic stehen. „Geier warten normalerweise, bis man tot ist, bevor sie kreisen, Julian“, zischte sie.
Julian rührte sich nicht. „Du stirbst nicht, Elena. Du fliegst. Ich wollte nur beim unvermeidlichen Absturz zusehen.“ Er beugte sich näher vor. „Dominic ist eine Ablenkung. Und Sloane ist seine Leine. Ich mache den Weg für dich frei, Elena. Du bist nur zu stolz, um zu sehen, wer die wahren Feinde sind.“
Plötzlich flackerte der riesige Bildschirm hinter ihr. Hellrote Buchstaben erschienen: FEINDLICHE ÜBERNAHME GESTARTET. Der Raum brach in Chaos aus. Dominic rannte zur Bühne, doch Julian war schneller. Er packte Elenas Arm mit einem Griff wie aus Eisen.
„Lass sie los!“, schrie Dominic.
Julian sah Dominic an und knurrte: „Sie gehört jetzt zu mir.“ Er reichte Elena ein Telefon. Eine Nachricht leuchtete auf: Er kann dir eine Hochzeit geben. Ich kann dein Leben retten. Garage. Jetzt. Das Licht erlosch, und Julian zog sie in die Dunkelheit.