Korras Beine hielten sie kaum, als die Patrouille von Moonhowl näher rückte. Ihre Formation war präzise, diszipliniert, jede Bewegung berechnet. Ihre Blicke hafteten zu lange auf ihr, nicht aus Mitleid, sondern aus Misstrauen, als wäre sie ein gefährliches Tier und nicht ein zitterndes Mädchen, zu schwach, um zu stehen. Waffen waren gesenkt, aber nicht entspannt, ihre Klingen schimmerten schwach im Licht der Fackeln.
Zwei Wölfe flankierten sie in perfekter Synchronität, und ihr Körper erstarrte. Ihre Instinkte schrien: lauf, kämpf, versteck dich, doch ihre Glieder verrieten sie. Sie zitterten vor Erschöpfung und Müdigkeit, ihre geschundene Haut spannte vor Schmerz, die zerrissenen Kleider klebten wie ein Brandmal der Schande an ihr.
„Bringt sie her,“ befahl der Anführer.
Der Befehl ließ keinen Widerstand zu.
Bevor Korra sich bewegen konnte, packten sie sie mit schwieligen Händen an den Armen. Sie zuckte heftig zusammen, der Hals schnürte sich um einen Schrei, ihr ganzer Körper zuckte, als wäre sie von Feuer berührt. Blaue Flecken zeichneten bereits ausgedehnte Muster auf ihrer Haut; der Griff vertiefte sie nur. Ihr Geist, nach Jahren, in denen sie wie nichts behandelt worden war, war fast gebrochen.
„Ich kann gehen,“ flüsterte sie. Ihre Stimme war dünn, rau, kaum hörbar.
Einer der Wölfe spottete. „Nicht schnell genug.“
Sie zogen sie. Ihre nackten Füße kratzten über den Waldboden, die Erde biss bei jedem Schritt. Sie wollte betteln: Bitte, schau mich nicht an, berühr mich nicht, nimm mich nicht weiter, aber die Worte verdorrten, bevor sie ihre Zunge verließen.
Tief in ihrem Inneren kannte sie die Wahrheit: Sie war niemand. Eine verworfene Rogue, eine Last. Eine Tochter, die ihr eigener Vater zu verkaufen versucht hatte.
Ihr Kopf sank nach vorne, und ihr dunkles Haar verdeckte ihr Gesicht, als sie zu den mächtigen Eisenportalen von Moonhowl gebracht wurde. Die Tore zischten auf, ein metallisches Knurren, allein schon eine Warnung, dann schlugen sie hinter ihnen zu. Der Klang erschütterte sie, ließ sie vor Angst zusammenzucken.
Korra biss sich auf die Innenseite der Wange, bis Kupfer in ihren Mund floss.
Die Patrouille sprach kein Wort, während sie sie voranbrachte. Ihr Schweigen war schlimmer als Beleidigungen; es war klinisch, das Schweigen von Wölfen, die eine gefangene Bedrohung eskortieren. Als sie ihre Handgelenke fesselten, schnitt das Seil in ihre ohnehin schon gereizte Haut, bis sie zusammenzuckte.
Als das hoch aufragende Anwesen aus der Dunkelheit auftauchte, zog sich Korras Brust so stark zusammen, dass sie dachte, sie könnte ersticken.
Es war nicht wie die schiefen Hütten oder Tavernen der Rogues. Nein, dies war Stein und Glas, eine Festung, die von Dominanz pulsierte. Die Luft selbst schien vor Macht zu vibrieren, als Wachen die Treppen säumten. Ihre Augen verengten sich, als sie sie sahen – ein Rogue-Mädchen, hereingezerrt wie ein schmutziger Preis.
Ihr Herz schrumpfte, als sie erkannte, dass sie einer Hölle entkommen war, nur um in eine andere geworfen zu werden.
Die Patrouille schob sie durch die großen Türen; die Hitze und das Licht drinnen machten sie schwindelig. Kronleuchter hingen wie goldene Spinnweben, die Luft roch nach poliertem Holz und Stahl, nach reich gewürztem, dickem Fleisch, das ihren Magen so schmerzhaft zusammenzog, dass sie sich fast krümmte.
Doch die Soldaten kümmerten sich nicht. Sie zogen sie über Marmorböden, ihre Füße hinterließen Spuren von Dreck und Blut. Sie wollte, dass der Boden sie verschluckte, sie wieder unsichtbar machte, wie sie es ihr Leben lang gewesen war.
Am Ende des Anwesens, auf einem erhöhten Podest, saß ein Mann, dessen Aura unmöglich zu übersehen war. Er musste sich nicht ankündigen. Die Majestät seiner Präsenz ließ Korra automatisch den Kopf senken. Sein dunkles Haar umrahmte ein Gesicht, scharf wie gemeißelter Stein, seine Augen glühten fast rot, strahlten Stärke, Dominanz und Unbarmherzigkeit aus. Ein Blick von ihm ließ ihr Inneres vor Angst erzittern.
„Wer ist sie?“ Seine Stimme war tief, durchbrach aber die Stille.
Der Patrouillenführer verneigte sich. „Wir fanden sie beim Überqueren der Grenze, Alpha Rhyker. Rogues verfolgten sie, und sie behaupteten, ihr Vater hätte sie verkauft.“
Murmeln ging durch die Halle, ihr Atem zitterte, als sie die Fäuste hinter ihrem Rücken ballte: „Nicht weinen… nicht hier weinen.“
Der Blick des Alphas ruhte wieder auf ihr. „Schau mich an.“
Sie versuchte, doch ihr Kinn zitterte, ihre Augen klebten am Boden. Was würde er sehen, wenn sie den Kopf hob? Ein zerbrochenes Mädchen, von Hunger dünn, bedeckt von Schmutz und Angst? Nichts, das es wert wäre, gerettet zu werden.
„Sprich, Mädchen,“ knurrte er. „Wer bist du?“
Korras Lippen öffneten sich, doch kein Ton kam. Ihr Hals war zugeschnürt, erwürgt von Jahren des Schweigens, davon, dass ihr gesagt wurde, ihre Stimme bedeute nichts.
„Sie stinkt nach Rogues,“ murmelte einer. „Könnte Köder sein.“
„Sie ist unmarkiert,“ sagte ein anderer. „Zu sauber für die Hure eines Rogues, wahrscheinlich eine Spionin.“
„Sie ist stumm?“ spottete ein Soldat.
Korra schüttelte hastig den Kopf, Panik durchströmte sie.
Der Blick des Alphas wankte nicht. „Wer hat dich geschickt?“
„N…niemand,“ stotterte sie, ihre Stimme brach. „Ich… ich bin geflohen.“
Seine Augenbrauen hoben sich leicht. „Geflohen vor was?“
Ihr Mund zitterte, doch die Wahrheit klebte wie Dornen in ihrem Hals: die Schulden ihres Vaters, sein Verrat, die Schande, verkauft zu werden. Tränen stiegen ungefragt und liefen ihr über das Gesicht. Sie wischte sie nicht weg; sie war zu müde.
„Sie lügt,“ spuckte ein Soldat.
Rhykers Aura flackerte auf, die Halle verstummte. „Genug.“
Die Halle fiel in Stille.
Korra spürte es, bevor sie es verstand – ein Funke, elektrisch und verzehrend, der nicht vom Alpha oder der Patrouille kam. Er kam von links, von einer Gestalt, halb hinter den Wachen verborgen.
Ihr Blick streifte ihn, und die Welt kippte.
Er war groß, breit gebaut, mit dunklem Haar, das über die Stirn fiel. Seine Augen waren stürmisch grau und durchdringend, sie richteten sich auf sie, als hätten sie sie immer gesucht. Etwas in ihr brach auf, ihr Wolf, den sie jahrelang vergraben, zum Schweigen gebracht, unter Angst und Überleben zerdrückt hatte. Aber jetzt explodierte er, lebendig, gierig, heulend in einer Stimme, die ihre Knochen erschütterte und fast ihre Knie einknicken ließ.
MATE…
Das Wort war nicht Korras, es war das ihres Wolfs, roh und primal in ihrem Kopf. Ihr Atem stockte, ihr Körper zitterte, als hätte sich der Boden selbst unter ihr verschoben.
Seine stürmisch grauen Augen weiteten sich. Sein Brustkorb hob sich scharf, die Fäuste ballten sich. Und in dieser zerfetzten Sekunde erwachte auch sein eigener Wolf.
„Mate,“ keuchte er, das Wort roh, tief aus seinem Inneren gerissen.
Korras Herz donnerte, ihre Haut brannte. Die Anziehung zwischen ihnen war unerträglich, ein gespanntes Band, das sie zu ihm zog. Sein Duft nach Rauch, Zeder und Stahl füllte ihre Lungen, durchdrang jede Ritze in ihr, öffnete sie.
Doch bevor sie Luft holen konnte, bevor die Realität des Bandes sich setzen konnte, rief Alpha Rhyker: „Kael.“ Seine Stimme tropfte vor Warnung.
Kael. Das war sein Name?
Ihr Puls raste so wild, dass sie dachte, sie würde zusammenbrechen. Angst und Erleichterung kämpften in ihrer Brust; ein Mate bedeutete Sicherheit, nicht wahr? Ein Mate bedeutete Zugehörigkeit, ein Mate bedeutete… nicht allein zu sein.
Kael machte einen Schritt nach vorn, sein Blick auf Korra gerichtet, als gäbe es nichts anderes. Sein Wolf heulte in ihr, verzweifelt zu beanspruchen, zu schützen, jede Barriere niederzureißen, die zwischen ihnen stand.
Doch Rhykers Knurren schnitt durch die Luft. „Genug.“
Die Halle erstarrte. Kael spannte sich an, die Augen brennend vor Trotz, während das Kommando seines Alphas schwer auf ihm lastete.
„Sie ist eine Rogue,“ sagte Rhyker kalt, sein Blick kehrte zu Korra zurück. „Dreckig und gebrochen. Wir wissen nicht, was sie trägt, welche Lügen sie verbirgt; sie ist dir verboten.“
Kaels Wolf heulte erneut, riss gegen die Leine des Befehls, aber Kaels Kiefer war fest, die Brust hob sich heftig. Seine Hände zitterten, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Instinkt.
Korras Hals zog sich schmerzhaft zusammen. Ein Teil von ihr wollte flehen: „Lass mich nicht, verwerf mich nicht,“ doch Scham fesselte sie. Wie könnte jemand wie er jemals jemanden wie sie beanspruchen?
„Sie wird niemals dir gehören.“ Alpha Rhyker sprach mit einer Stimme, die keinen Raum für Widerspruch ließ.