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Scharlachrote Sintflut Blut und Bande

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Blurb

Eine purpurrote Flut ergießt sich über Lovecraft County und hüllt die Stadt in einen zähen, pulsierenden Regen, der den Gesetzen der Natur spottet. Die Straßen verwandeln sich in Ströme aus lebendigem Blut, und jeder Tropfen scheint einen eigenen Willen zu besitzen – als würde die Stadt selbst durch den Sturm atmen.

Isadora, eine zurückgezogen lebende Hexe, die sich stets von Machtkämpfen ferngehalten hat, sieht ihren Zufluchtsort bedroht, als ein verbannter Vampir vor ihrer Tür zusammenbricht. Er bringt eine erschreckende Wahrheit mit sich: Lovecraft County trifft Entscheidungen und verbindet widerwillige Paare in einem Ritual, dessen Zweck im Verborgenen liegt. Der Regen ist nicht bloß ein Phänomen, sondern ein Mechanismus der Auslese – eine uralte Macht, die bestimmt, wer sich vereinen und wer geopfert werden muss.

Unterdessen sieht Samantha – eine junge Frau, angetrieben von Träumen nach Größe – den Geliebten, der sie schon lange in nächtlichen Visionen besucht, aus den Schatten treten. Er verspricht ihr ein Leben voller Luxus und Macht und offenbart, dass all das, was ihr einst verwehrt blieb, lediglich hinter Schleiern aus Blut und Magie verborgen war. Doch jedes Versprechen hat seinen Preis, und Samantha erkennt, dass ihr Aufstieg womöglich nichts weiter als ein weiterer Spielzug im Spiel der Stadt ist.

Adrian, ein Kunsthändler, beobachtet voller Entsetzen, wie eine auf einem Gemälde dargestellte Frau schwarzes Öl weint – als wäre die Leinwand selbst lebendig. Die Kunst wird zum Spiegel der Katastrophe und offenbart, dass Lovecraft County ein unheilvolles Netz spinnt, das alle Bewohner an ein gemeinsames Schicksal bindet.

Während der rote Regen dichter wird und alle in einem Labyrinth aus Blut und Geheimnissen gefangen hält, werden diese Fremden in unmögliche Verbindungen gezwungen. Ihre Schicksale verflechten sich durch eine uralte, raubtierhafte Macht – eine Macht, die nicht nur auswählt, sondern verschlingt.

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Die Schutzgeister des Ladens kreischten. Isadora ließ ihre Schere fallen, die schwarze Rose, die sie gerade beschnitten hatte, zitterte, als sich ein metallischer Geschmack in ihrem Mund ausbreitete. Das Geräusch war kein einfacher Alarm; es war ein Schrei purer Verzweiflung, der die Luft erzittern ließ. Mit drei Schritten erreichte sie die Tür. Draußen war die Spiegelstraße unter einer dicken, pulsierenden Flut verschwunden. Es war kein Wasser. Die Flüssigkeit klebte wie geschmolzenes Wachs an den Pflastersteinen und trotzte der Schwerkraft, während sie die Fensterrahmen hinaufkroch. Ein Mann lag zusammengebrochen vor ihrer Türschwelle. Isadora riss die Tür auf. Der rote Regen prasselte gegen ihren schützenden Kreis, wich zurück, drückte aber mit jedem Herzschlag stärker. Der Mann vor ihrer Tür sah aus wie eine Leiche. Sein dunkler Mantel war durchnässt, und seine Haut hatte die graue Blässe des Grabes. „Lucien?“ Sie erkannte das Gesicht. Er war der verbannte Vampir, der vor Monaten von den Blutgerichten verschwunden war. Seine Augen rissen auf, bleich wie Frost. Er griff nach dem Türrahmen, zuckte aber zurück, seine Finger zitterten nur Zentimeter von der Grenze entfernt, die er nicht überschreiten konnte. „Die Stadt“, krächzte er. „Sie wählt aus. Heute Nacht. Im ganzen Landkreis.“ Isadora zog einen Talisman aus ihrer Tasche – eine Rose, die sie für Notfälle aufbewahrte. Sie hielt sie in den roten Nebel und flüsterte einen schnellen Zauber zur Erkennung. Die Blütenblätter verfärbten sich augenblicklich schwarz. Die Dornen wurden so heiß, dass sie ihre Handfläche versengten. „Es ist ein Bindungsritual“, sagte sie mit belegter Stimme. „Die Stadt versiegelt Paare. Es ist eine Falle.“ Lucien stockte der Atem. Blut sickerte aus einer verborgenen Wunde und bildete einen dunklen Fleck, den der rote Regen seltsamerweise verschonte. „Dreihundert Jahre“, brachte er mühsam hervor. „Als die Stadt das letzte Mal so etwas tat, wollte sie etwas verewigen. Es ist ihr egal, wen sie für ihre Kunst tötet.“ Die Rose in Isadoras Hand zerfiel zu Asche. Sie sah ihn an – einen Mann, der in Lovecraft County den letzten Zufluchtsort gesucht hatte, gejagt von seinesgleichen. Wenn sie ihn hereinließ, verlor sie ihre Neutralität. Wenn nicht, war er tot. Der Regen setzte ein und drohte, die Tür zu verschließen und sie allein einzuschließen. „Steh nicht einfach da“, flüsterte Lucien mit zusammengekniffenen Augen. „Mach die Tür zu. Rette dich.“ „Sei still, Lucien.“ Isadora packte ihn an den Schultern und zerrte ihn über die Schwelle. Die Schutzzauber heulten erneut auf, als sie einen Angreifer in dem Heiligtum erkannten. Dann veränderte sich die Magie. Die Energie des Ladens formte sich neu, umhüllte den neuen Bewohner und verriegelte sich fest. Der rote Regen prasselte gegen das Glas und überzog das Gebäude mit einer drei Zoll dicken Schicht. Die Spiegelstraße verschwand hinter einem purpurnen Schleier. Die Welt draußen wurde zur Erinnerung. In dem düsteren Laden hob und senkte sich Luciens Brustkorb mit einem stockenden, zitternden Atemzug. Die Magie der Schwelle – ihre Magie – begann, die Bruchstücke seines Lebens wieder zusammenzufügen. Isadora spürte, wie sich die Schutzzauber festigten und sie beide in dem einen Raum verbanden, den sie stets von der Welt abgegrenzt hatte. Die Stadt hatte ihre Wahl getroffen, und indem sie ihn rettete, hatte auch sie endlich ihre getroffen. Roter Regen tropfte wie dickes, zähflüssiges Öl gegen das Fenster. Samantha richtete sich im Bett auf, ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Er stand am Fußende ihrer Matratze – der Mann aus ihren Träumen. Dasselbe dunkle Haar fiel ihm in die Stirn, dieselben steinernen Augen, die sie monatelang im Schlaf verfolgt hatten. Doch diesmal trug er einen schwarzen Mantel, der nass und metallisch schimmerte. Diesmal warf er einen Schatten. „Du bist nicht real“, flüsterte sie. Der Mann lächelte, doch das Lächeln erreichte nicht seine Augen. „Ich habe dich monatelang jede Nacht besucht, Samantha. Ich habe dich vorbereitet.“ Draußen verdunkelte der rote Regen das Fenster. Die Straßenlaternen erloschen und tauchten den Raum in purpurrotes Dunkel. Die Luft wurde eisig. Seine Anwesenheit fühlte sich zu schwer, zu greifbar an für eine Halluzination. „Wofür hast du mich vorbereitet?“, fragte sie. Er kam näher. Der Stoff seines Mantels bewegte sich, als würde er atmen. „Für heute Nacht. Für die Realität, die dir verwehrt wurde.“ Ihr Körper verriet sie. Sie wollte zur Tür rennen, doch ihre Haut suchte die Berührung, an die sie sich aus ihren Träumen erinnerte. Die Träume waren immer gleich: seine Hände an ihrem Hals, seine Stimme, die ihr Dinge versprach, die sie im selben Moment des Erwachens vergessen hatte. „Was bist du?“, fragte sie. Er blieb am Bettrand stehen. „Ändert die Bezeichnung etwas an dem Gefühl?“ „Mir ist es wichtig.“ Er streckte ihr die Hand entgegen, die Handfläche nach oben. Seine Finger waren lang, die Knöchel von feinen Narben gezeichnet. Samantha starrte sie an. Sie kannte das Gewicht dieser Hand. Sie hatte gespürt, wie sie sie durch die dunklen Gänge ihres Unterbewusstseins geführt hatte. Zitternd streckte sie die Hand aus und drückte ihre Fingerspitzen gegen seine. Der Funke übersprang sie augenblicklich. Ein heftiger, elektrischer Strom durchfuhr ihren Arm und drang tief in ihren Bauch ein. Es war genau wie im Traum, doch die Hitze war unbestreitbar. Er war real. Er war da. „Du spürst es“, sagte er. „Du wusstest immer, dass ich kommen würde.“ Sie riss ihre Hand zurück, obwohl ihre Haut noch immer brannte. „Das ist unmöglich. Menschen entstehen nicht einfach aus dem Nichts.“ „Die Stadt hat es möglich gemacht.“ Er deutete auf das Fenster, durch das der rote Regen sie eingeschlossen hatte. „Der Laden …“ „Ich werde erst aufstehen, wenn du die erste Lektion annimmst.“ „Ich will keine Lektion.“ Er setzte sich auf die Bettkante. Die Kälte, die von ihm ausging, ließ sie strahlen. „Dein Leben – der Verrat, der Kampf, die Isolation – es war eine Farce. Du warst für Luxus bestimmt, Samantha. Du warst für Macht bestimmt.“ Ihre Kehle schnürte sich zu. „Ich verstehe nicht, was du von mir willst.“ „Ich will, dass du dir holst, was dir gehört.“ Er beugte sich vor, seine Stimme vibrierte leise. „Ich habe auf die Nacht gewartet, in der die Stadt dich endlich erwählt.“ „Die Welt der Lust, die dir versprochen wurde, liegt hinter dieser Tür.“ Der Regen prasselte wie ein pochendes Herz gegen das Glas. Samantha spürte ein seltsames Wiedererkennen in sich aufsteigen. Ihr Verstand nannte ihn einen Fremden, doch ihre Seele begrüßte ihn wie einen alten Freund. Seine Augen blitzten mit einem unmenschlichen, räuberischen Glanz. „Bist du bereit zu sehen, was du wirklich bist?“ Adrian stand im Schatten der Galerie „Lost Canvas“ und katalogisierte die Neuerwerbungen. Draußen begann der rote Regen zu fallen. Er spritzte nicht gegen das Glas. Er klebte wie dicker, zähflüssiger Sirup an den Fenstern und versiegelte das Gebäude vom Rest von Lovecraft County. Durch den Torbogen des privaten Vorführraums erstarrten eine Hexe und ihr Inkubus-Liebhaber. Die Hände der Frau zitterten an der Brust des Mannes. „Wir sind gefangen“, sagte sie. Ihre Stimme hatte ihren gewohnten melodischen Klang verloren. Der Inkubus trat näher. Seine Gestalt, einst ein schimmernder Rauchschleier, verfestigte sich mit jeder Sekunde. „Monatelang hast du mich herbeigerufen. Die Stadt hat sich endlich entschieden, mich Wirklichkeit werden zu lassen. Du solltest glücklich sein.“ Adrian lehnte sich an eine Kiste. Er kannte dieses Muster. Die Stadt gewährte keine Wunder aus reiner Güte. Sie inszenierte diese Momente, wenn sie etwas Dauerhaftes für sich beanspruchen wollte. Ein feuchtes, rutschendes Geräusch lenkte seine Aufmerksamkeit auf die Hauptwand der Galerie. Die Dame im Gemälde, ein Porträt, das Adrian vor Jahrzehnten erworben hatte, begann zu weinen. Dicke, dunkle Ölfarbe rann über die Leinwand. Sie sammelte sich in dicken Rinnsalen auf dem Boden. Die Hexe keuchte auf und zeigte mit zitterndem Finger auf die Wand. „Was ist das?“ „Schmilzt das Kunstwerk?“ Adrian antwortete nicht. Er ging auf das Gemälde zu und sah zu, wie sich das Öl wie Blut auf dem Boden ausbreitete. Das Gesicht der Dame blieb ruhig. Ihre Augen waren geschlossen, doch die Tränen flossen weiter, pulsierend vor Hitze. Im Privatzimmer zog der Inkubus die Hexe in eine feste Umarmung. „Die Stadt hat uns auserwählt“, murmelte er. „Genau wie die anderen.“ Adrian spürte die Schwere dieser Worte. Er wusste genau, wer die anderen waren. Überall im Landkreis hatte der rote Regen Läden und Häuser in Käfige verwandelt. Isadora und Lucien kauerten wahrscheinlich eng beieinander im Blumenladen. Samantha griff vermutlich in einem verschlossenen Schlafzimmer nach der Hand ihres Traummannes. Jedes Paar war wie ein Faden. Die Stadt webte sie zu einem einzigen, erstickenden Wandteppich. Das Öl erreichte Adrians Stiefel. Er kniete nieder und berührte die Substanz. Sie fühlte sich warm und lebendig an. Sie pulsierte mit demselben gleichmäßigen Pochen gegen seine Fingerspitzen wie der Regen. Draußen. „Sie beobachtet uns“, flüsterte Adrian. Die Hexe wandte sich ihm zu. „Wer? Hier ist niemand außer …“ Die bemalten Augen der Dame rissen auf. Die Stadt hatte ihre Wahl getroffen. Die Dame im Gemälde war nicht länger nur Dekoration. Sie war Zeugin. Sie beobachtete sie alle, und Adrian begriff, dass der rote Regen erst aufhören würde, wenn die Stadt vollendet hatte, was sie begonnen hatte.

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