Verlust ist nicht immer ein dramatisches Ereignis. Manchmal ist er ein leises Flüstern, ein allmählicher Rückzug, ein leeres „Passt schon“, das früher mal ein aufrichtiges „Ich bin für dich da“ war. Das ist die wahre Natur des Verlustes. Er entspricht nicht den Klischees, die wir aus Filmen kennen. Es gibt keine dramatische Tür, die zugeknallt wird, keinen letzten Satz, der alles zerstört. Stattdessen bemerkt man es kaum. Zuerst fehlt eine Nachricht, dann ein Blick, dann eine Gewohnheit. Und plötzlich sitzt man auf der Mauer hinter der Schule und merkt, dass man allein ist – obwohl man nie offiziell verlassen wurde. Ich kann mich nicht erinnern, wann Leo weg war. Vielleicht war er nie wirklich weg. Vielleicht habe ich ihn weggeschoben. Aber jetzt ist da nichts mehr, woran ich mich festha

