Ich spiele mit. Im großen Spiel, das alle spielen. Schule, Freundeskreis, Eltern, Erwartungen, Rollen – jeder spielt mit, als gäbe es nur diesen einen Weg, durchs Leben zu gehen. Und ich? Ich bin vielleicht einer der besten Mitspieler. Nicht, weil ich es besonders gut kann, sondern weil ich es besonders lange geübt habe. Ich weiß genau, was man sagen muss, um nicht aufzufallen. Ich weiß, wann man lacht, damit es nicht seltsam wirkt. Ich weiß, wann man wegsieht, obwohl man eigentlich hinschauen will. Ich spiele mit. Jeden Tag. Heute ist wieder so ein Tag. Der Stundenplan ist ein Albtraum: vier Stunden Mathe, eine Stunde Sport und zum krönenden Abschluss Deutsch bei Frau Weidel, die selbst bei Lyrikklausuren so klingt, als halte sie eine Gerichtsverhandlung. Aber ich lächle. Ich mache Witz

