Ich liebe meine Mutter. Das sollte ich gleich zu Beginn sagen. Nicht, weil ich mich damit schützen will, sondern weil es die Wahrheit ist. Manchmal fühlt sich ihre Liebe jedoch an wie ein Maßband, das sich eng um meine Brust legt, um zu prüfen, ob ich noch ihren Erwartungen entspreche. Sie meint es immer gut. Sie fragt nach meinen Noten, meinem Schlaf und meiner Hautpflege. Sie bringt mir Tee, wenn ich krank bin, und legt mir Zettel mit „Hab dich lieb“ in die Brotdose. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich bei ihr jeden Tag eine Rolle spiele. Heute saßen wir beim Abendessen. Es gab Ofengemüse, das sie extra so gemacht hatte, „wie du’s magst“. Ich mochte es, klar. Aber ich mochte es weniger, dass jede Gabel wie ein Gespräch war, das sie nicht führte. Stattdessen kamen Fragen. „Wie läuft

