„Alles für meine Liebste“, murmelte Freya süßlich und setzte ein aufgesetztes Lächeln auf. Doch in ihrem Kopf ratterten die Zahnräder. Sie suchte fieberhaft nach dem besten Weg, von hier zu entkommen, bevor die Frau sie erreichte, ohne Nathan zu verärgern.
Nancy trug ein hautenges, pfirsichfarbenes Kleid, das ihre Kurven mit tiefem Dekolleté betonte.
Sie wiegte anmutig die Hüften und klackte mit den Absätzen ihrer nudefarbenen Schuhe. Selbstbewusst und mit erhobenem Kopf schritt sie einher.
„Hey, Freya … lange nicht gesehen, was?“, begrüßte Freya sie enthusiastisch. Ihr Blick klebte an der Stelle, wo Freya ihren Arm um Nathans gelegt hatte. Freya spürte ein unangenehmes Gefühl in ihrem Magen, ausgelöst durch die widerliche Süße von Nancys Stimme.
„Mir geht’s gut, Nancy“, erwiderte Freya emotionslos, ohne ihre Verachtung für Nancy zu verbergen. Nancys Lächeln erlosch, doch sie ließ es sich nicht anmerken.
„Ich bin dir nicht gefolgt, Nathan. Ich bin mit meinem Bruder als seine Begleiterin hier“, sagte sie zu Nathan, als wollte sie ihm ihre Absicht mitteilen, an diesem Treffen teilzunehmen.
Freya hielt es keine Sekunde länger aus. „Ähm … ich habe jemanden gesehen, den ich kenne. Ich muss kurz mit ihm sprechen. Ich bin gleich wieder da.“ Sie sagte das zu Nathan, bevor sie wegrannte, ohne Nancy auch nur eines Blickes zu würdigen.
Nancy umklammerte ihre Clutch fester, ließ sich aber nichts anmerken. Sie hatte Freya noch nie in Nathans Nähe gemocht.
Langsam näherte sie sich Nathan und musterte ihn aufmerksam. „Warum stößt du mich von dir, Nathan? Kannst du mir nicht verzeihen? Es sind sechs Jahre vergangen.“ Sie fragte ihn mit leiser, gekränkter Stimme.
Nathan schnaubte verächtlich und sah sie kalt an. „Für dich ist es leicht zu vergessen, für mich nicht. Entschuldige mich jetzt, ich muss zu einem Treffen.“ Er antwortete kühl und ging, bevor Nancy seine Hand berühren konnte.
Nancys Hand, die sie nach seiner greifen wollte, hing unbeholfen in der Luft, während sie ihm mit kaltem Blick nachblickte.
Plötzlich blieb er stehen und warf ihr einen Blick über die Schulter zu. Sofort flackerte ein Hoffnungsschimmer in ihren Augen auf.
„Es wäre besser, wenn du mich in Ruhe lässt, Nancy. Ich will nicht, dass morgen früh neue Gerüchte in den Klatschblättern auftauchen“, warnte er sie mit kalter Stimme, bevor er sich von ihr abwandte. Nancy stockte der Atem, als sie die versteckte Drohung in seinen Worten begriff. Sie hatte Nathan über zehn Jahre lang verfolgt, und als sie glaubte, ihrem Ziel, seine Frau zu werden, nahe zu sein, hatte sie erneut verloren.
Seit diesem Tag waren all ihre Bemühungen, ihm näherzukommen, vergeblich. Er hatte sein Versprechen gehalten und ihr alles gegeben, was sie sich wünschte, aber nicht sein Herz. Chris stand etwas weiter entfernt, hatte alles beobachtet und schüttelte enttäuscht den Kopf. In den letzten zwei Jahren hatte er miterlebt, wie Nancy alles versucht hatte, um Nathan für sich zu gewinnen, doch sie war jedes Mal kläglich gescheitert.
Er seufzte und folgte Nathan auf dem Weg zu Mr. Silva, wo das Übernahmegespräch stattfand. Er warf einen Blick auf sein Handy, als es vibrierte.
„Ms. Williams … Wir sind bereits im Gebäude. Ich habe Zimmer 132 für das Meeting reserviert“, informierte Chris die Person am anderen Ende der Leitung.
„Okay, Mr. Bishop. Wir sind in fünf Minuten da“, sagte sie in einem professionellen Ton, und beide legten auf.
„Sie sind bereits da und gehen direkt zum Zimmer, Mr. Lombart“, sagte Chris sofort zu Nathan.
„Dann los“, sagte er, und sie gingen beide zur Treppe ins Erdgeschoss.
„Ich habe einige Änderungen vorgenommen, basierend auf den Informationen, die wir zu Herrn Lucas Lombarts Vorschlag erhalten haben, Herr Lombart, aber ich glaube nicht, dass dies wesentliche Auswirkungen auf den ursprünglichen Vorschlag haben wird. Ich vermute, er hat unsere Kernforderung nicht geahnt“, sagte Chris leise, während er mit ihm die Treppe hinaufging.
„Trotzdem können wir kein Risiko eingehen, Chris“, erwiderte Nathan ernst, aber ruhig. Er kannte Lucas sehr gut und wusste auch, wie weit er Nathans Plan sabotieren konnte.
„Herr Lombart!“, rief Chris plötzlich erschrocken aus, als er das Foto sah, das er gerade erhalten hatte. „Was?“, fragte Nathan und hob fragend die Augenbrauen.
Chris sagte kein Wort, sondern reichte Nathan das Tablet. Nathan nahm es mit verwirrtem Gesichtsausdruck entgegen.
Ihm stockte der Atem, als er das Foto auf dem Bildschirm sah. „Wo… wo wurde das aufgenommen?“ „Vor einer Stunde … hier … Sie ist hier auf dieser Party“, antwortete Chris mit zitternder Stimme und fuhr mit dem Finger über das vertraute, schöne Gesicht, das ihn nun direkt ansah.
„Vor einer Stunde … hier … Sie ist hier auf dieser Party“, antwortete Chris, dessen Stimme ebenfalls vor Aufregung zitterte. Er zeigte den Zeitstempel auf dem Foto.
Sie erreichten das Stockwerk, und gleichzeitig öffnete sich die Aufzugstür. Nathan wusste nicht, wie er dorthin gekommen war. Seine Gefühle waren völlig durcheinander. „Finde sie“, wies er Chris mit brüchiger Stimme an, den Blick fest auf die ältere Frau gerichtet, die ihm so wichtig geworden war.
Nathans Sicht
„Mr. Bishop.“ Plötzlich rief eine feste, professionelle Stimme Chris von hinten, doch mein Herz blieb fast stehen, als sie meine Ohren erreichte. Jahrelang hatte ich mich danach gesehnt, diese Stimme zu hören, und ich drehte mich auf dem Absatz um, noch bevor ich überhaupt begriff, was geschehen war. Ich vergaß zu atmen, als ich eine wunderschöne Frau in einem schwarzen, schulterfreien Abendkleid mit einem älteren Mann auf uns zukommen sah. Ihre markanten Gesichtszüge machten sie atemberaubend schön, doch die Fremdheit ihres Gesichts verursachte mir einen stechenden Schmerz in der Brust. Ich blinzelte und versuchte, irgendeine Spur von Vertrautheit in ihrem Gesicht zu entdecken, doch da war nichts, außer ihren Augen. Ich konnte diese Augen nicht vergessen. Sie gehörten ihr, aber ihr Gesicht war anders. Warum? Wie? Diese Augen waren dieselben wie die meiner Cynthia, doch das Selbstvertrauen, das aus ihrem Blick strahlte, stand im völligen Gegensatz zu der Schüchternheit in den Augen meiner Frau.
„Ms. Williams, Mr. Silva.“ Chris begrüßte sie förmlich, aber ich brachte kein Wort heraus. Ich war wie versteinert und starrte die Frau an, die nun direkt vor mir stand.
Sie strahlte Selbstbewusstsein aus, das kann man wohl sagen.
„Es scheint, als sei Mr. Lombart auch von Cynthias Schönheit angetan, nicht wahr?“, hörte ich eine neckische Bemerkung, aber ich nahm kein Wort davon wahr.
„Mr. Lombart.“ Chris stupste mich an und rief mir flüsternd zu.
Ich blinzelte und sah ihn benommen an.
„Mr. Lombart. Mr. Silva ist da.“ Er flüsterte mir mit einem verlegenen Lächeln zu.
Da begriff ich, wo ich war.
„Ich … es tut mir leid, Mr. Silva.“ Ich entschuldigte mich leise und räusperte mich.
Reiß dich zusammen, Nathan. Du hast noch genug Zeit, diese Frau kennenzulernen. Ich beruhigte mich innerlich, bevor ich meine professionelle Haltung wieder aufnahm.
„Gestatten Sie, dass ich mich Ihnen noch einmal richtig vorstelle“, bat ich Herrn Silva mit einem leichten Lächeln. Der alte Mann lächelte breit, doch ich sah, dass er auch ein gerissener, gewiefter Geschäftsmann war, der seine Karten genau kannte.
„Nathan Lombart, der CEO von Heaven’s Blessing“, stellte ich mich ihm erneut vor und reichte ihm die Hand.
„Freut mich, Sie kennenzulernen, Nathan. Das ist meine Assistentin und gleichzeitig die Verhandlungsführerin dieser Übernahme, Cynthia Williams“, erwiderte er und stellte mir die Frau neben sich vor. Mir stockte der Atem, doch diesmal ließ ich mich nicht aus der Fassung bringen. Wir schüttelten uns die Hände, und ich betrachtete Cynthia Williams. Sie hatte immer noch dieses leichte, selbstsichere Lächeln auf den Lippen, das sie noch schöner machte, als sie ohnehin schon war. Nun ja, nicht schöner als meine Cynthia. „Ms. William, ich entschuldige mich für meine vorherige Reaktion. Ich bin wohl immer noch nicht immun gegen eine Schönheit wie Sie.“ Ich hob lobend die Hand und lächelte sie leicht an.