Neuigkeiten über sie

1366 Words
Nathans Sicht (Fortsetzung) Diesmal herrschte Stille. Ich seufzte innerlich, wartete aber auf seine Antwort. Lucas und ich waren nie gut aufeinander zu sprechen. Er ist mein Halbbruder … Korrektur: Halb-älterer Bruder … vier Monate älter als ich … Eine demütigende Ohrfeige für meine Mutter, die die rechtmäßige Ehefrau meines Vaters war. „Ich bin hier, um mein rechtmäßiges Erbe einzufordern, Nathan. Ich habe gehört, dass du an einer Übernahme arbeitest. Und rate mal, was? Ich bin auch interessiert.“ Er antwortete mir, und ich verdrehte die Augen über seine Dreistigkeit. „Greif nicht nach etwas, das dir nicht gehört, Lucas. Das Erbe, von dem du sprichst, stammt von meinen Großeltern mütterlicherseits.“ Ich betonte die letzten Worte mit spöttischem Unterton. „Dein Vater hat meine Mutter wegen ihres Reichtums geheiratet. Meine Mutter war unschuldig und wusste nichts von der Existenz deiner Mutter im Leben deines Vaters. Deine Mutter hingegen wusste alles, oder besser gesagt, sie war in die Intrigen deines Vaters eingeweiht.“ Er schwieg, aber ich wusste, dass er innerlich kochte. „Wie deine Eltern strebst auch du nach etwas, das dir nicht zusteht, und weißt du was? Ich werde dir nicht einmal den Dreck überlassen, der mir gehört.“ Ich legte auf, ohne ihm eine Sekunde Zeit zum Antworten zu geben. Ich kochte vor Wut und starrte ins Leere. Plötzlich vermisste ich sie. Wenn sie jetzt hier wäre, was würde sie sagen, um mich zu trösten? Sie würde mir sagen, ich solle mir keine Sorgen machen. Alles wird gut, und sie ist für mich da. Ich blinzelte angestrengt und blickte weg. Ich hatte den einzigen Menschen in meinem Leben verloren, der mich bedingungslos geliebt hatte, wegen meiner eigenen Dummheit. Ich hatte sie auf die schlimmste Art und Weise verloren. Ich hörte ein Klopfen an der Tür und wurde aus meinen Gedanken gerissen. Ich schniefte und wischte mir sofort die Augenwinkel. „Mr. Lombart. Wir haben die Bestätigung für das Treffen. Mr. Silva wird uns heute Abend bei der Auktion treffen“, informierte mich Chris, und ich nickte, ohne ihn anzusehen. „Bleib mit Theo über Lucas’ Vorschlag auf dem Laufenden und versuche, die Details vor dem Treffen herauszufinden, damit wir unseren Vorschlag entsprechend anpassen können, falls er etwas Besseres vorschlägt“, wies ich ihn an und stand auf. „Ja, Mr. Lombart“, antwortete er leise, und ich ging zurück zu meinem Stuhl hinter dem Schreibtisch. Ich hielt inne, als ich Chris immer noch an derselben Stelle stehen sah. „Gibt es sonst noch etwas, Chris?“, fragte ich ihn verwundert. Ich hob die Augenbrauen, als ich sah, wie er schwer schluckte. „Es besteht die Möglichkeit, dass sie damals nicht gestorben ist.“ Er antwortete mir etwas stotternd, und mein Herz setzte einen Schlag aus. „Was meinen Sie damit?“, fragte ich ihn mit ernster Stimme, doch meine Hände zitterten. Ich wartete gespannt auf seine Antwort. In den letzten sechs Jahren hatte ich zum ersten Mal das gehört, was ich so dringend hören wollte. „Ich habe Informationen über eine Frau erhalten, die zur selben Zeit von einem vorbeifahrenden Schiff gerettet wurde, fast 160 Kilometer von der Stelle entfernt, an der sie abstürzte. Der zeitliche Ablauf dieses Vorfalls stimmt mit dem hier überein. Ich versuche nun, sie zu finden“, antwortete er, und ich spürte einen Kloß im Hals. Keine Perspektive Sobald ein schwarzer Maybach in limitierter Auflage direkt vor dem roten Teppich hielt, klickten die Reporter wie wild mit ihren Kameras. Aufregung und Anspannung lagen in der Luft. Der Parkservice trat sofort vor und öffnete die hinteren Türen. Ein glänzender schwarzer Lederschuh glitt aus dem Wagen, gefolgt von einem langen Bein in einer schwarzen Hose. Die Reporter spürten erneut ein Kribbeln der Aufregung. Nathan stieg aus dem Wagen, betonte seine Souveränität und strich sich, aufrecht stehend, sein Sakko glatt. Er streckte die Hand zum Auto aus, und sie sahen eine schlanke, helle Hand in einem Netzhandschuh, die seine Hand ergriff. Nathan half der Dame aus dem Wagen, und die Reporter waren begeistert, als sie neben ihm eine atemberaubende Frau in einem königsblauen schulterfreien Abendkleid sahen. Das Kleid hatte einen hohen Schlitz am rechten Bein, der ihr schlankes, langes Bein in den hohen Absätzen perfekt in Szene setzte. Nathan war für seine Gleichgültigkeit gegenüber Frauen bekannt. Umso aufgeregter waren alle, als sie ihn in weiblicher Begleitung sahen. Sie waren schockiert, als sie Freya Peterson, eine berühmte Modedesignerin, als seine Begleiterin entdeckten. Hastig knipsten sie Fotos aus allen Winkeln, während Nathan und Freya über den roten Teppich schritten. Freya hatte ihren Arm um seinen gelegt und ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen. „Bist du dir sicher, dass ich nach dieser Aktion von dir überhaupt noch eine Chance habe, einen passenden Freund zu finden?“, fragte sie und schenkte allen ihr charmantes Lächeln, innerlich aber kochend vor Wut. „Du bist schon 26. Denkst du immer noch an einen Freund? Denk doch mal ans Heiraten!“, erwiderte Nathan gleichgültig mit stoischer Miene. Freya runzelte innerlich die Stirn, da sie ihre wahren Gefühle nicht zeigen konnte. Berühmt zu sein hat eben auch seine Schattenseiten. „Du wolltest doch mit Days & Nights zusammenarbeiten, oder?“, fragte Nathan sie mit einem kalten Blick. Freyas Wut verflog augenblicklich, und sie schenkte ihm ein albernes Grinsen, um ihre Unschuld und Loyalität zu demonstrieren. Nathan schnaubte innerlich verächtlich, doch ein kaum merkliches Schmunzeln huschte über sein Gesicht. „Mr. Dawson wird heute Abend auch hier sein. Kontaktiere Chris später, er wird dir sagen, wo du ihn treffen kannst“, wies Nathan sie beiläufig an. „Habe ich dir eigentlich schon mal gesagt, wie sehr ich dich liebe?“, strahlte sie und zeigte ihr strahlend weißes Gebiss, während sie sich zu ihm beugte. Er funkelte sie sofort an, woraufhin sie sich aufrichtete und ihn mit einem flehenden Blick ansah. Er schnaubte und blieb am Eingang stehen. Chris, der nun hinter ihnen ging, trat sofort vor und zeigte der dort stehenden Person die Einladungskarte. Die Rezeptionistin scannte die Karte und begrüßte sie mit einem professionellen Lächeln. Ohne sie eines Blickes zu würdigen, betrat Nathan den Veranstaltungsort, Freya selbstbewusst hinter ihm. „Haben Sie heute Abend bei der Auktion etwas Interessantes im Auge?“, fragte Nathan und nahm ein Weinglas von einem Kellner entgegen, der auf sie zukam. Freya nahm ebenfalls ein Glas, nickte und nahm einen Schluck. „Ich habe ein Auge auf eine Smaragdkette geworfen“, sagte sie beiläufig und nippte an ihrem Wein, während sie sich in der Menge umsah. Obwohl sie der Familie Peterson angehörte, einer der reichsten Familien des Landes, besaß sie ihr eigenes Unternehmen, das sie sich mit harter Arbeit aufgebaut hatte. Wie viele andere war auch Freya hier, um berufliche Kontakte zu knüpfen. „Hey, Nathan … Was hat euch beiden so lange aufgehalten?“, spottete Nathan und warf seinem besten Freund, Freyas Bruder Theo Peterson, einen verächtlichen Blick zu, der mit einer Berühmtheit im Schlepptau auf sie zukam. „Guten Abend auch dir, Bruder“, grüßte Freya sarkastisch und wandte den Blick ab. Sie wusste um das chaotische Privatleben ihres Bruders. Trotzdem gefiel es ihr nicht, ihn ständig mit anderen Frauen zu sehen. „Hast du das Treffen mit Mr. Velmont arrangiert?“, fragte Nathan ihn kühl, und Theo verdrehte die Augen. „Ja, mein lieber Freund, wir treffen uns direkt nach eurem ersten Treffen mit ihm“, erklärte Theo ihm emotionslos. Nathan nickte kurz und zog Freya von Theo und seiner Begleiterin weg, die ihn beinahe mit Blicken durchbohrte. Freya folgte Nathan bereitwillig, denn sie hatte das Ziel der Frau für den Abend bereits erahnt. Sie wusste, dass Theo nicht so naiv war, aber sie mochte seine ständigen Affären und One-Night-Stands nicht. Theo und Nathan waren beide Anfang dreißig. „Nathan, du bist ja da.“ Freya stöhnte frustriert auf und sah Nathan ebenfalls frustriert an, als eine widerlich süße Stimme an ihre Ohren drang. „Ich warte drinnen auf dich.“ Freya murmelte frustriert vor sich hin und wollte gerade einen Schritt nach vorn machen, als Nathans scharfe Drohung sie innehalten ließ. „Geh weg und vergiss deinen nächsten Vertrag mit meiner Firma.“
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