Kapitel 9

1489 Words
Ich sprang eilig nach meiner kurzen Badewannensession aus der Wanne und machte mich schnell fertig. Es war schon spät, und wir hatten nur noch wenig Zeit, um uns für das Treffen mit den anderen vorzubereiten. Ich glättete mir meine langen schwarzen Haare, die nach dem Bad noch feucht und widerspenstig waren. Mein Blick fiel auf den Zettel, den ich mir auf den Spiegel geklebt hatte. „Pünktlichkeit ist der erste Schritt zum Erfolg“, hatte ich mir vor ein paar Tagen notiert, und heute schien es besonders wichtig, diesen Ratschlag ernst zu nehmen. Ich trug etwas mehr Mascara auf als notwendig war – ich wollte nicht, dass mein Blick nach einem langen Arbeitstag müde wirkte. Schließlich schlüpfte ich in ein enges dunkelblaues Kleid, das mir immer ein Gefühl von Eleganz verlieh, auch wenn es vielleicht etwas zu formell für ein einfaches Abendessen war. Kimberly war bereits fertig. Als ich ins Wohnzimmer trat, sah ich sie vor dem großen Spiegel stehen, wie sie sich an den letzten Feinheiten ihres Outfits orientierte. Ihr Kleid war so kurz, dass ich mir nicht sicher war, ob es sich um ein verlängertes Top handelte oder tatsächlich ein Abendkleid war. Sie trug es mit einer Selbstverständlichkeit, als ob es das Normalste auf der Welt wäre, so herumzulaufen. Kimberly hatte diesen beneidenswerten Körper, den sie mit jedem Kleidungsstück zur Geltung brachte. Ich fühlte mich in meinem eigenen Outfit etwas overdressed, aber ich wusste, dass das in unserer Branche oft so war. „Wirst du noch lange brauchen?“ fragte Kimberly, während sie sich die Lippen nachzog und dabei auf mich wartete. „Ich bin bereit,“ antwortete ich und versuchte, dabei so entspannt wie möglich zu wirken. „Wir sollten wirklich los, bevor wir noch zu spät kommen.“ Kimberly nickte und griff nach ihrer Handtasche. Wir verließen unsere kleine Wohnung und stiegen in ein Taxi, das uns direkt ins Herz von Manhattan bringen sollte. Die Fahrt verlief reibungslos, und ich beobachtete das hektische Treiben der Stadt durch das Fenster. Die Lichter der Stadt glitzerten wie Sterne, die den urbanen Himmel erleuchteten. Ich konnte es kaum erwarten, die anderen zu sehen und zu erfahren, wie es ihnen in ihren jeweiligen Positionen ergangen war. Als wir vor dem italienischen Restaurant ankamen, stiegen wir aus dem Taxi und gingen in den eleganten Eingangsbereich. Das Restaurant war eine dieser stilvollen Locations, die so typisch für Manhattan waren. Mit seiner warmen Atmosphäre, den edlen Möbeln und dem angenehmen Duft von frisch zubereiteten Speisen vermittelte es sofort ein Gefühl von Wohlstand und Genuss. Drinnen empfing uns der Gastgeber mit einem freundlichen Lächeln und führte uns zu dem Tisch, an dem bereits unsere Freunde saßen. Wir hatten uns alle während der Hotelfachschule kennengelernt, und die meisten von uns arbeiteten mittlerweile in der Hotellerie. Es war immer wieder faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich sich unsere Karrieren entwickelt hatten. Jeder brachte seine eigenen Geschichten und Erfahrungen mit, die oft so kontrastreich waren wie die von mir und Kimberly. „Olivia, Kimberly, schön euch zu sehen!“ rief Sebastian, der in einem der gehobenen Hotels in Midtown arbeitete. Seine Freude war ansteckend, und ich fühlte mich sofort willkommen. „Hey Sebastian!“ antwortete ich und umarmte ihn kurz. „Wie geht’s dir?“ „Ganz gut, danke,“ sagte Sebastian, während er uns Platz machte. „Und wie läuft es bei euch?“ „Wir sind gut unterwegs,“ begann Kimberly, als wir uns setzten. „Olivia arbeitet im Venturi Oriental, dem Top-Hotel überhaupt.“ Die Fragezeichen in den Gesichtern der anderen waren deutlich sichtbar. Die Neugierde der Gruppe war sofort geweckt, und ich wusste, dass es jetzt an mir war, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. „Erzähl uns alles darüber,“ forderte Lena, die in einem angesehenen Boutique-Hotel arbeitete. „Wie ist es dort?“ Ich nahm einen Schluck von meinem Wasser und begann zu erzählen. „Es ist wirklich eine einzigartige Erfahrung. Die Erwartungen sind hoch, und die Standards sind so hoch, dass man ständig am Limit arbeiten muss. Aber es ist auch unglaublich befriedigend, wenn man sieht, wie glücklich unsere Gäste sind. Das Team ist großartig, und es gibt immer etwas Neues zu lernen.“ „Das klingt beeindruckend,“ sagte Jonas, der als Restaurantleiter in einem renommierten Restaurant arbeitete. „Aber muss es nicht auch extrem stressig sein?“ „Ja, manchmal schon,“ gab ich zu. „Es gibt Tage, an denen man sich fragt, wie man den ganzen Druck bewältigen soll. Aber die Unterstützung von den Kollegen und die Anerkennung durch die Gäste machen es wert.“ Unsere Unterhaltung ging weiter, und wir tauschten Geschichten und Erfahrungen aus, die uns sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken brachten. Es war erstaunlich, wie sehr wir uns alle verändert hatten, seit wir uns das letzte Mal gesehen hatten. Während wir uns gegenseitig erzählten, wie es in unseren jeweiligen Jobs lief, bemerkte ich, wie sehr sich die Dynamik der Branche entwickelt hatte. Die Herausforderungen, die wir alle durchlebten, waren unterschiedlich, aber die Leidenschaft für unsere Arbeit verband uns. Ich stand zusammen mit meiner besten Freundin Kimberly und unseren beiden anderen Freunden, Sebastian und Lena, vor dem Club in Manhattan. Wir hatten uns entschlossen, nach unserem Abendessen in dem schicken Restaurant noch einen Drink in diesem angesagten Club zu nehmen. Der Weg dorthin war nicht gerade kurz, aber die Vorfreude auf den Abend ließ uns die Strecke schnell vergessen. Die Schlange vor dem Club war lang, sehr lang. Wir reihten uns brav ein und begannen, die Menschen um uns herum zu beobachten, während wir uns Schritt für Schritt vorwärtsbewegten. Manche Leute trugen extravagant geschneiderte Kleider, andere waren in modischen Anzügen gekleidet. Die Neugierde über die Gäste, die sich so spät am Abend noch in einem Club zeigen würden, ließ die Zeit schnell vergehen. Ab und zu sahen wir einige besonders auffällige Personen durch den VIP-Eingang flanieren. Es war ein ständiges Kommen und Gehen von Luxusautos und gehobenen Gästen. Aber so ein Glück, wie es die VIP-Gäste hatten, hatten wir leider nicht. Der Gedanke an eine mögliche Begegnung mit jemandem Berühmten oder Einflussreichen schwebte wie eine kleine, süße Fantasie über unserem Abend, aber die Realität holte uns schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Plötzlich veränderte sich die Atmosphäre um uns herum. Ein lautes Dröhnen erfüllte die Luft, und ein silberfarbener Lamborghini hielt vor dem VIP-Eingang. Die Frauen um mich herum begannen aufgeregt zu kichern und ihre Kleidung zurechtzurücken, als wäre der Auftritt des Autos ein Zeichen, dass etwas Großes passieren würde. Ich konnte sehen, wie der Fahrer die Tür vom Beifahrersitz öffnete und eine bekannt vertraute Figur ausstieg. Es war Alessandro. Mein Boss. Ich versuchte, mich nicht von der Situation überwältigen zu lassen. War der immer da, wo ich war? Die Anwesenheit von Alessandro in meinem Abend machte mich nervös, und ich musste mich zwingen, ruhig zu bleiben. Er trug ein makellos weißes Hemd, dunkle Hosen und seine Haare waren wie immer perfekt frisiert. Alles an ihm schien durch und durch stylish und durchdacht zu sein. Als Alessandro aus dem Lamborghini stieg, tauchten wie aus dem Nichts zwei Bodyguards auf, die sich diskret, aber entschlossen um ihn gruppierten. Die ganze Szene wirkte fast schon inszeniert, und ich konnte nicht verhindern, dass sich eine Mischung aus Verlegenheit und Irritation in mir breit machte. Mit einer gewissen Genervtheit beobachtete ich, wie Alessandro durch den VIP-Eingang verschwand. In einem Club wie diesem war es durchaus möglich, dass wir uns zufällig über den Weg liefen, und das letzte, was ich wollte, war, dass er mich in meiner Freizeit sah und möglicherweise kritisierte. Als wir endlich den Eingang des Clubs erreichten und die schwere Tür hinter uns schloss, strömte uns eine Mischung aus lauter Musik, bunten Lichtern und dem Geruch von Schweiß und Parfüm entgegen. Der Club war brechend voll. Die Menschenmenge war so dicht, dass es fast unmöglich war, sich einen Weg durch die tanzenden Menschen zu bahnen. Die Musik war laut und pulsierend, und es brauchte ein wenig Zeit, um sich an die Geräuschkulisse und die Atmosphäre zu gewöhnen. Ich hielt mich fest an Kimberly, um nicht verloren zu gehen. Die Nähe zu ihr vermittelte mir ein Gefühl von Sicherheit, das ich dringend brauchte, um nicht in der Menschenmenge unterzugehen. Sebastian und Lena waren ebenfalls dicht bei uns, was uns half, den Überblick zu behalten und uns sicher durch den Club zu bewegen. Wir suchten nach einem Platz, an dem wir uns niederlassen konnten, ohne dabei von der Menge erdrückt zu werden. Es war eine Herausforderung, einen freien Platz zu finden, aber schließlich entdeckten wir einen kleinen Tisch in der Nähe der Bar. Wir bahnten uns unseren Weg dorthin, und als wir uns endlich niedersetzten, konnten wir ein wenig aufatmen. „Ich dachte schon, wir schaffen es nie hierher“, rief Kimberly über die laute Musik hinweg, während sie einen Drink bestellte. „Es ist wirklich voll heute Abend.“ Ich nickte zustimmend, während ich den Club um uns herum betrachtete.
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