bc

Samt ruinen

book_age18+
0
FOLLOW
1K
READ
dark
friends to lovers
drama
tragedy
mystery
scary
city
like
intro-logo
Blurb

Nia Calder wurde niemals zu dieser Hochzeit eingeladen.

Genau das ist das Problem. Denn ihr Name steht bereits im Gästebuch, geschrieben dreiundfünfzig Jahre vor ihrer Geburt, mit einer Tinte, die sich niemals als Fälschung erwiesen hat.

Sie kam nur zum Velvet Hotel, um ihren Bruder zu finden, der vor drei Nächten dort verschwand, einen Umschlag in der Hand, versiegelt mit grünem Wachs und adressiert in einer Handschrift, die älter ist als er selbst. Was sie stattdessen findet, ist Cassian Roe, ein Fremder, der die zweite Einladung erhalten hat, ein Mann, den sie noch nie getroffen hat und den sie trotzdem nicht aufhören kann wiederzuerkennen.

Vor Jahrzehnten starb eine Braut namens Evelyn Marlowe in diesem Hotel, bevor ihre Gelübde vollendet waren. Seitdem ruft das Velvet Hotel still und immer wieder zwei weitere Fremde herbei, um zu vollenden, was sie nicht konnte. Niemand, der diesem Ruf jemals gefolgt ist, kann sich daran erinnern, zugestimmt zu haben. Niemand hat je vollständig erklärt, warum das Hotel ausgerechnet sie auswählt.

Celeste Vey, die Hüterin des Hotels, sagt, sie ehre nur eine Tradition. Silas Marlowe, Wächter des Namens seiner Schwester, sagt, es gebe nichts zu ehren. Jude Calder, Nias eigener Bruder, weiß mehr, als er ihr je erzählt hat, und sein Schweigen beginnt weniger nach Schutz auszusehen als nach Schuld. Ein Fotograf namens Theo Bell hält auf seinen Fotografien Details fest, die es nicht geben dürfte, in Räumen, die sie nicht enthalten sollten. Und irgendwo hinter der verschlossenen Tür von Zimmer 17 wartet ein Mann, den seit vierzig Jahren niemand mehr klar gesehen hat, auf eine Hochzeit, die er nie zu Ende führen durfte.

Nia und Cassian erinnern sich an nichts davon. Ihre Körper aber schon.

Velvet Ruins ist die Geschichte zweier Fremder, die gezwungen sind, eine Hochzeit aufzudecken, die ein Hotel seit einem halben Jahrhundert verfolgt, und die entscheiden müssen, ob deren Vollendung endlich alle befreien wird, oder ob sie nie dazu bestimmt war, jemals zu enden.

chap-preview
Free preview
Man erwartet Sie noch
Die Einladung war nicht an Nia Calder adressiert, und das war das Erste, was ihr daran seltsam erschien. Sie lag auf der Küchentheke, dort, wo Jude jeden Morgen seit sechs Jahren seine Schlüssel, seinen Kaffee und sein halb aufgegessenes Toast liegen ließ, nur dass an diesem Morgen zusätzlich ein cremefarbener Umschlag mit dem Namen ihres Bruders dort lag, geschrieben mit einer Tinte, die an den Rändern leicht braun geworden war, als hätte sie irgendwo lange genug gelegen, um zu altern, bevor sie ihn überhaupt erreichte. Nia drehte ihn zweimal um. Keine Briefmarke. Keine Absenderadresse. Nur ein Wachssiegel, dunkelgrün, geprägt mit der Form einer Blume, die sie nicht kannte, und darunter, in derselben Handschrift, eine einzige Zeile. Man erwartet Sie noch. Sie öffnete ihn nicht. Das erzählte sie sich später immer wieder, als hätte dieses Nicht-Öffnen etwas verändert, als wäre irgendetwas anders verlaufen, hätte sie das Siegel selbst aufgebrochen, statt zuzusehen, wie ihr Bruder es tat, mit dem Rücken zu ihr am Waschbecken, seine Schultern erstarrten in dem Moment, als er es las. "Jude." Er antwortete nicht. Er faltete den Brief einmal, dann noch einmal, bis er klein genug war, um in seiner Manteltasche zu verschwinden, und sagte, mit einer Stimme, die sie in ihrem Leben genau zweimal von ihm gehört hatte, beide Male, wenn jemand gestorben war, "Ich muss für ein paar Tage irgendwohin." "Wohin." "Das geht dich nichts an." "Er ist an dich adressiert, und er geht dich ganz offensichtlich etwas an, du bist weiß wie die Wand geworden." Er sah sie an, und für einen Moment dachte sie, er würde ihr tatsächlich etwas Wahres erzählen. Stattdessen sagte er das, was er immer sagte, wenn er ein Gespräch beenden wollte, bevor es richtig begonnen hatte, nämlich gar nichts, nur ein langes Ausatmen durch die Nase und einen Blick, der sie bat, es loszulassen, so wie sie über die Jahre so vieles losgelassen hatte, still, ohne Streit, weil er der Ältere war und weil ihre Eltern nicht mehr da waren und weil er sie mehr aufgezogen hatte, als beide es sich je eingestehen wollten. Sie ließ es nicht los. Drei Tage später stand sie vor einem Hotel, von dem sie nie gehört hatte, in einer Stadt, deren Namen sie nur von der Quittung eines Busfahrscheins kannte, und blickte zu einem Gebäude hinauf, das aussah, als würde es sich gerade aktiv entscheiden, ob es überhaupt weiter stehen bleiben wollte. Das Velvet Hotel war einst prachtvoll gewesen, das war selbst jetzt noch offensichtlich. Das Mauerwerk über dem Eingang hielt noch die Form geschnitzter Rosen, obwohl die Hälfte davon zu etwas zerfallen war, das eher an Zähne erinnerte. Die Fenster der oberen Stockwerke waren dunkel, alle außer einem, dem dritten von links, das trotz der Uhrzeit schwach bernsteinfarben leuchtete. Efeu hatte die östliche Wand vollständig überwuchert, und wo er es nicht getan hatte, hatte die Farbe längst aufgegeben und war zum Grau von altem Knochen geworden. Es sah aus wie etwas, das einmal schön gewesen war und dem man einfach nie gesagt hatte, dass es aufhören sollte zu existieren, nachdem die Schönheit verschwunden war. Sie war ihrem Bruder auf nichts weiter als Instinkt und einen Namen gefolgt, den sie am Abend vor seinem Verschwinden am Telefon gehört hatte. Velvet. Sie hatte ihn zusammen mit dem Namen der Stadt in eine Suchmaschine eingegeben und fast nichts gefunden, ein paar alte Zeitungsausschnitte, ein verwaschenes Foto, das aus den Siebzigern zu stammen schien, und eine einzige Zeile in einem längst aufgegebenen Reiseforum, in Großbuchstaben geschrieben, BLEIBEN SIE NICHT HIER, WENN SIE EINGELADEN WURDEN. Nia war nicht eingeladen worden. Daran erinnerte sie sich selbst, während sie die Vorderstufen hinaufstieg, der Stein in der Mitte glatt gewetzt von, wie es schien, hundert Jahren Füßen. Sie stand auf keiner Liste. Sie war einfach nur eine Frau, die nach ihrem Bruder suchte, und Brüder, was auch immer sie sonst waren, ließen sich meistens finden. Die Lobby roch nach Staub und darunter nach etwas Süßerem, etwas Blumigem, das leicht ins Falsche gekippt war, so wie ein Parfüm riecht, wenn die Flasche zu lange in der Sonne gestanden hat. Ein Kronleuchter hing über ihr, dem vielleicht ein Drittel der Kristalle fehlte, und die verbliebenen fingen das wenige Licht ein und warfen es in merkwürdige Richtungen über einen Boden aus schwarz weißen Fliesen, von denen mehrere der weißen Quadrate die Farbe schwachen Tees angenommen hatten. Hinter der Rezeption stand eine Frau, die nicht sofort aufblickte, obwohl Nia den deutlichen Eindruck hatte, bereits gesehen worden zu sein, in dem Moment, als sie draußen die Türklinke berührt hatte. "Miss Calder." Nia blieb stehen. "Ich habe Ihnen meinen Namen nicht genannt." Die Frau hob endlich den Kopf. Sie war älter, als Nia zunächst vermutet hatte, mit dem Gesicht einer Frau, die so lange gutaussehend gewesen war, dass sie schlicht nie gelernt hatte, müde auszusehen, blasse Augen, aschfarbenes Haar so streng zurückgebunden, dass es die Mundwinkel ihres Ausdrucks mit hochzuziehen schien, zu etwas, das fast ein Lächeln war, und keines war. "Das mussten Sie nicht," sagte die Frau. "Ich bin Celeste Vey. Ich hüte dieses Hotel, und jeden darin, ob er gehütet werden möchte oder nicht. Ihr Bruder hat vor zwei Nächten eingecheckt, und er hat mich gebeten, es Ihnen nicht zu sagen, falls Sie kommen und nach ihm suchen sollten. Ich sage es Ihnen trotzdem, weil ich glaube, Sie hätten es ohnehin herausgefunden, und ich es lieber wäre, dass Sie es von mir erfahren als von den Fluren." Nia wusste nicht, welchen Teil dieses Satzes sie zuerst festhalten sollte. "Wo ist er." "Zimmer elf. Zweiter Stock. Es geht ihm gut, falls Sie das fragen, obwohl ich vermute, das ist es nicht, nicht wirklich." Celeste griff unter die Theke und holte einen kleinen Messingschlüssel hervor, an dem ein Papieranhänger mit einer weich gewordenen Schnur befestigt war. "Ich habe Sie in Zimmer neun untergebracht. Gleich neben ihm." "Ich habe kein Zimmer gebucht." "Nein," stimmte Celeste zu und legte den Schlüssel mit zwei Fingern zwischen sie auf die Theke, als wäre er etwas, das sonst von selbst davonwandern könnte. "Das haben Sie nicht." Nia sah auf den Schlüssel und nahm ihn nicht. "Wie kann dann eines für mich bereitstehen." Celestes Lächeln bewegte sich nicht, aber etwas hinter ihren Augen tat es, etwas, das Geduld gewesen sein könnte oder Mitleid, und als sie wieder sprach, war ihre Stimme so leise geworden, dass Nia sich vorbeugen musste, um sie über das Ticken einer Uhr zu verstehen, die sie nirgends orten konnte. "Weil es das immer gibt, meine Liebe. Das hat es schon immer gegeben. Sie sind nur die Letzte, die hereinkommt, ohne das noch zu wissen." Irgendwo über ihnen schloss sich eine Tür, nicht laut, aber mit der besonderen Endgültigkeit einer Tür, die von jemandem absichtlich geschlossen wurde, der nicht verfolgt werden wollte, und als Nia sich zur Treppe umdrehte, um zu sehen, aus welchem Stockwerk das Geräusch gekommen war, blickte sie direkt in das Gesicht eines Mannes, den sie in ihrem Leben noch nie getroffen hatte, oben an der Treppe stehend, mit einem Umschlag in der Hand, der, Siegel für Siegel, dem entsprach, den ihr Bruder drei Tage zuvor aus ihrer Küche mitgenommen hatte. Er sah zu ihr zurück, als würde er sie wiedererkennen, und als würde ihn dieses Wiedererkennen erheblich mehr erschrecken als alles andere in diesem Gebäude.

editor-pick
Dreame-Editor's pick

bc

Der Schatten der Königin: Rangordung des Blutes

read
1K
bc

Die Frau, die du mit einem Sarg zurückgelassen hast

read
1K
bc

Die Frau des Feindes

read
3.1K
bc

Verbotenes Blut

read
3.5K
bc

SCHÖNE NARBE

read
1K
bc

Die Schuld des Adlers

read
1K
bc

Die falsche Braut des Milliardärs

read
1K

Scan code to download app

download_iosApp Store
google icon
Google Play
Facebook