Eine Welle der Bitterkeit breitete sich in meiner Brust aus. Meine Nase kribbelte, und meine Sicht verschwamm vor Tränen. Eine tiefe Frustration und Traurigkeit überkam mich.
Ich hatte Alexander noch nie so gesehen – so sanft.
Drei Jahre Ehe, und mir gegenüber war er immer gleichgültig gewesen. Ich hatte mir oft eingeredet, dass er eben so sei. Nachdem ich mir das so lange gesagt hatte, hatte ich es schließlich sogar selbst geglaubt.
Doch jetzt sah ich es.
Er war durchaus zu Zärtlichkeit fähig – nur nicht für mich.
Sie gingen direkt an meinem Auto vorbei, und er bemerkte es nicht einmal. Natürlich bemerkte er auch mich nicht.
„M-Mrs. Hawthorne, Sie sind zurück. Was möchten Sie zum Abendessen…?“
Maggie Hayes warf mir einen Blick zu und bemerkte die Tränen auf meinem Gesicht. Doch bevor sie noch etwas sagen konnte, ging ich direkt ins Schlafzimmer, und sie blieb klugerweise still.
Ich lehnte mich erschöpft gegen die Tür, meine Kehle eng vor Trauer. Den ganzen Tag hatte ich mich beherrscht, doch jetzt konnte ich nicht mehr. Meine Sicht verschwamm, während die Tränen zu fallen begannen – jede einzelne schmerzhafter als die vorherige.
Der Schmerz in meiner Brust war unerträglich.
Es tat so weh.
Da ich in einer zerbrochenen Familie aufgewachsen war, hatte ich selbst genug unter den Schmerzen einer Scheidung gelitten. Ich wollte nicht, dass mein Baby auf dieselbe Weise aufwuchs. Ich wollte, dass mein Kind glücklich ist.
Doch wer konnte mir sagen, wie ich das schaffen sollte?
Nach einer langen Weile klopfte Maggie sanft an die Schlafzimmertür.
„Mrs. Hawthorne, das Abendessen ist fertig.“
Ich antwortete nur leise mit einem „Mm“, bevor ich ins Badezimmer ging, um mir das Gesicht zu waschen.
Als ich wieder herauskam, erinnerte ich mich plötzlich an Alexanders Nachricht.
Er hatte gesagt, er habe mir von seiner Geschäftsreise ein Geschenk mitgebracht.
Was mochte es sein?
Ich ging zum Kleiderschrank und fand seinen Koffer. Dann öffnete ich ihn.
Darin lag ein signiertes Album meiner Lieblings-Internationalsängerin Avery Rose.
Es war weder Gold noch Schmuck – aber es bedeutete etwas.
Ich drückte es an meine Brust.
In der kargen Wüste meines Herzens wuchs ein zarter grüner Spross.
Zumindest erinnerte er sich noch daran, was ich mochte.
Er dachte noch an mich.
Vielleicht war ich also doch kein völliger Fehlschlag.
Am nächsten Morgen wachte ich benommen auf.
Der Platz neben mir im Bett war leer.
Ich saß lange da und versank in Gedanken.
Er musste letzte Nacht bei Isabella gewesen sein.
Darauf hätte ich vorbereitet sein sollen.
Aber warum fühlte es sich an, als hätte jemand ein Stück meines Herzens herausgerissen und eine offene, blutende Wunde hinterlassen?
Die Schlafzimmertür klickte auf, und Alexander trat ein.
Als er meinen blassen, benommenen Ausdruck sah, fiel sein Blick besorgt auf mich. Er kam näher und setzte sich neben mich.
„Vivienne, geht es dir gut?“
Ich erstarrte, als ich ihn sah.
Zu meiner eigenen Überraschung überkam mich ein schwaches Gefühl der Erleichterung.
Ich stand schnell auf und trat vom Bett weg.
„Mir geht es gut.“
„Was stimmt dann nicht? Sag es mir.“
Es ihm sagen?
Ihm sagen, dass ich keine Scheidung will?
Dass ich das alles nicht will?
Er hatte mir ein Geschenk mitgebracht.
Er hatte letzte Nacht nicht bei Isabella übernachtet.
Konnte das bedeuten, dass zwischen uns noch etwas übrig war?
Wenn ich ihn bitten würde zu bleiben… würde er es tun?
Ich öffnete den Mund.
Doch bevor ich etwas sagen konnte, fügte er hinzu:
„Selbst wenn wir nicht mehr verheiratet sind, bin ich immer noch dein Bruder. Wenn dich etwas belastet, kannst du mit mir reden.“
Meine Kehle zog sich zusammen, als hätte ich Sand geschluckt.
Die Worte blieben stecken.
Ich konnte kein einziges herausbringen.
Nach langer Stille zwang ich mich zu einem schwachen Lächeln und wandte mich zu ihm.
„Mir geht es wirklich gut. Geh ruhig schon. Ich komme nach unten, nachdem ich mich fertig gemacht habe.“
Alexander sah mich an, lockerte seinen Kragen und presste die Lippen zusammen.
„Vivienne, wir sind noch nicht geschieden. Willst du wirklich jetzt schon so distanziert zu mir sein?“
Ich öffnete die Lippen und versuchte, die Bitterkeit herunterzuschlucken.
Doch alles, was ich zustande brachte, war ein schwaches Lächeln und ein Kopfschütteln.
„Nein.“
Er musterte mich einen Moment lang, ein Hauch von Unzufriedenheit in seinen Augen.
„Wenn du nicht reden willst, werde ich dich nicht drängen. Ich gehe jetzt ins Büro.“
Damit drehte er sich um und ging.
Ohne ein weiteres Wort.
Ohne auch nur einen Moment zu zögern.
Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, zerbrach das Lächeln auf meinem Gesicht.
Ich konnte es nicht mehr aufrechterhalten.
Worüber war er wütend?
Weil Isabella zurück war?
Wurde er ungeduldig mit mir?
Ich versuchte zu lächeln, doch das Gewicht auf meinem Herzen zog meine Lippen nach unten – schmerzhafter als Tränen.
…
Vanguard Global Enterprises
Meine Assistentin kam hastig herein.
„Direktorin Vivienne, Lena Ashfords Talentagentin ist am Telefon!“
Die kommende Saison von Valmonté & Roussier International von Vanguard Global Enterprises sollte mit einer Markenbotschafterin starten, die gerade zum heißesten aufstrebenden Star geworden war – Lena Ashford.
Mit ihrem jugendlichen und lebhaften Image passte sie perfekt zum Thema der Saison.
„Was ist los?“
„Sie hat nichts gesagt, aber darauf bestanden, dass Sie den Anruf annehmen.“
Ich griff nach dem Hörer.
„Hallo, Sophia?“
Als ich die wütende Stimme von Lena Ashfords Agentin Sophia Archer hörte, zog sich mein Herz zusammen.
Sie fauchte:
„Direktorin Vivienne, wenn Sie denken, dass Lenas Niveau nicht zu Vanguard Global Enterprises passt, dann sagen Sie es einfach! Lena braucht Sie nicht! Wir haben bereits andere Markenangebote abgelehnt, und jetzt ändern Sie plötzlich Ihre Meinung über Lena? Spielen Sie mit uns? Sie schulden Lena eine Erklärung!“
Ich atmete tief durch, um mich zu beruhigen, und hielt meine Stimme ruhig, aber fest.
„Sophia, bitte beruhigen Sie sich. Lena ist unsere Markenbotschafterin. Es gibt keine Möglichkeit, dass wir sie ersetzen.“
Sie schnaubte.
„Ach wirklich? Hat nicht die Direktorin der Abteilung für Corporate Communications and Public Relations – CCPR persönlich angerufen und gesagt, dass sie ersetzt wird?“
Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken.
Für einen Moment war ich sprachlos.
Dann begriff ich.
Mein Ton wurde schärfer.
„Sophia, ich werde das sofort überprüfen. Ich werde dafür sorgen, dass Lena eine Erklärung bekommt.“
Nachdem ich aufgelegt hatte, spürte ich, wie Wut in mir aufstieg.
Mein Gesicht verdunkelte sich, als ich aufstand und direkt zur CCPR-Abteilung ging.
Das scharfe Klacken meiner Absätze hallte durch den Flur, jeder Schritt wie ein Gewicht auf meiner Brust.
Die letzten drei Jahre bei Vanguard Global Enterprises waren nicht leicht gewesen.
Olivia Reynolds hatte mich heimlich ständig untergraben.
Und ich wusste genau, dass sie dahintersteckte.
Ohne zu zögern stieß ich die Tür der CCPR-Abteilung auf und stürmte hinein.
Meine Stimme war eisig.
„Olivia Reynolds, erklären Sie mir, was mit der Markenbotschafter-Sache von Lena Ashford los ist.“
Olivia blickte auf, ihr Gesichtsausdruck kühl und vorbereitet.
Sie lächelte spöttisch.
„Direktorin Vivienne, warum so wütend? Setzen Sie sich doch, dann können wir reden.“
„Versuchen Sie nicht, mit mir zu spielen. CEO Hawthorne hat diesen Plan genehmigt, also warum mischen Sie sich in die Entscheidungen von V&R ein?“ Ich starrte sie an, während Wut in meiner Brust brodelte.
Ein Hauch von Verachtung blitzte über Olivias Gesicht.
Doch sie wich nicht zurück.
„Und wenn ich mich einmische? Was gibt Ihnen das Recht, mich anzuschreien? Wenn es nicht Ihren sogenannten ‚dummen Vater‘ gegeben hätte, hätten Sie sich niemals in Vanguard Global Enterprises eingeschlichen. Also schauen Sie vielleicht erst einmal in den Spiegel, bevor Sie von oben herab mit mir reden.“
Ihre Worte schnitten tief.
Wie ein Messer durch mein Herz.
Doch ich reagierte nicht sofort.
Ich atmete langsam ein und sagte leise:
„Sie haben kein Recht, zu kommentieren, wie ich hierhergekommen bin.“
Ich würde niemals zulassen, dass jemand meinen Vater beleidigt – egal ob er lebte oder tot war.
Der Raum fiel in eine angespannte Stille.
Einige Mitarbeiter sahen zu und hielten den Atem an.
Olivia schien zu glauben, sie hätte die Oberhand und setzte ihre Sticheleien fort, deutlich zufrieden.
„Was? Sage ich etwa nicht die Wahrheit? Warst du es nicht, die den Märtyrer gespielt hat, um in Vanguard Global Enterprises zu kommen? Und hast du nicht CEO Hawthorne verführt?“
Ihr Lachen war scharf, voller Gift und Eifersucht.
Es erinnerte mich an die Gerüchte, die sie damals verbreitet hatte, als ich mit Alexander zusammenarbeitete.
Sie hatte nicht nur meine Position beneidet.
Sie hatte auch unsere Beziehung gehasst.
„Schade, dass Miss Blackwood wieder im Land ist. Wenn du jetzt angekrochen kommst, wird CEO Hawthorne dich nicht einmal mehr ansehen! Wenn dein ‚dummer Vater‘ das wüsste—“
Bevor sie den Satz beenden konnte, hob ich meine Hand.
Klatsch!
Der Schlag hallte laut durch das stille Büro.
Die Luft schien zu gefrieren.
Für einen Moment bewegte sich niemand.
Olivia hielt sich die Wange, ihre Augen weit vor Unglauben.
Sie starrte mich wütend an.
„Vivienne Sinclair! Wie kannst du es wagen, mich zu schlagen! Ich sage es – dein Vater hat es verdient, jung zu sterben. Er hätte—“
Ich unterbrach sie, meine Stimme kalt wie Eis.
„Da Sie keinen Respekt kennen, werde ich ihn Ihnen beibringen.“
Ich hob meine Hand erneut, bereit zuzuschlagen.
Doch in diesem Moment packte eine starke Hand mein Handgelenk.
Ich kämpfte dagegen an, konnte mich aber nicht befreien.
Mit gerunzelter Stirn drehte ich mich um.
Und erstarrte vor Schock.
„CEO Hawthorne?“