Im Laufe der Jahre war unsere Beziehung, obwohl sie nicht öffentlich war, wie die eines ganz gewöhnlichen Ehepaares gewesen. Wir sprachen über alles und lebten jeden Tag einfach und erfüllt.
Jeden Morgen half ich ihm, einen Anzug auszuwählen, band ihm die Krawatte, und dann verließen wir gemeinsam das Haus, um ins Büro zu fahren.
Abends, wenn er geschäftliche Termine hatte, informierte er mich immer über seinen Zeitplan.
Vor dem Schlafengehen bat er noch immer um meine Gesellschaft, und manchmal teilten wir auch „besondere Momente“, gelegentlich genossen wir sogar gemeinsam ein privates Bad in einer heißen Quelle.
Der Gute-Nacht-Kuss war unser unveränderliches Ritual.
Ob unser Hochzeitstag, der Valentinstag oder mein Geburtstag – er vergaß nie ein Geschenk. Wann immer ich etwas erwähnte, das mir gefiel, tat er sein Bestes, es möglich zu machen. Er war hervorragend darin, aus Gewöhnlichem etwas Besonderes zu machen und unserem Alltag Romantik und Zeremonie zu verleihen. Er war die Art von Mann, der selbst einen ganz normalen Tag außergewöhnlich erscheinen lassen konnte.
Damals glaubte ich wirklich, unser Leben würde friedlich und glücklich weitergehen.
Bis Isabella Blackwood zurückkehrte.
Plötzlich wurde mir klar, dass die Stimme am Telefon gestern ihre gewesen sein musste.
Isabella Blackwood…
War sie bereits wieder in sein Leben getreten? Hatten sie die ganze Zeit Kontakt gehabt? Hatten sie sich während seiner Geschäftsreise heimlich getroffen? Waren sie gestern gemeinsam ins Land zurückgekehrt? War er letzte Nacht bei ihr gewesen?
Der Gedanke ließ mir einen eisigen Schauer über den Rücken laufen, als würde Alexander mir langsam das Herz aus der Brust reißen. Der Schmerz war überwältigend – herzzerreißend und kaum zu ertragen.
„Vivienne, mach dir keine Sorgen. Selbst wenn wir uns scheiden lassen, wirst du immer noch ein Teil der Hawthorne-Dynastie sein. Du wirst immer die Schwester bleiben, die mir am meisten bedeutet.“
Schwester?
Ich war einmal seine Ehefrau gewesen, doch nun zog er mich aus dieser Rolle heraus und steckte mich in die Rolle einer Schwester.
Drei Jahre Ehe, drei Jahre Intimität – und das sollte das Ergebnis sein?
Wie sollte ich das akzeptieren?
„Wir reden später darüber.“ Ich zwang mich zu einem Lächeln, senkte den Kopf und versuchte, die aufkommenden Gefühle zu unterdrücken.
Alexander zupfte an seinem Kragen, sein tiefer Blick auf mich gerichtet.
„Übrigens, was wolltest du mir vorhin sagen?“
Ich blätterte durch die Dokumente in meiner Hand und versuchte, ein schwaches Lächeln aufzusetzen.
„Es ist nichts. Die neue Quartalspräsentation der Bekleidungskollektion ist abgeschlossen. Es gab einen Punkt, den ich nicht bestätigen konnte, aber ich habe inzwischen eine Lösung gefunden.“
Es gab Dinge, die ich nicht mehr laut aussprechen wollte.
„In Ordnung, gute Arbeit.“ Sein Ton war ruhig.
Als Brand Director von Vanguard Global Enterprises wusste ich, dass er nie an meinen Fähigkeiten zweifelte. Immer wieder hatten meine Designs und Strategien seinen Respekt gewonnen. Jedes Projekt, das ich persönlich leitete – ob hochwertige Schmuckkollektionen, Modedesign oder andere Luxusprodukte – wurde schnell zu einem Markterfolg.
„Das ist schließlich meine Aufgabe. Nun, ich gehe dann zur Arbeit.“
Ich atmete tief durch und versuchte, mich zu sammeln. Dann drehte ich mich um und ging schnell weg, weil ich nicht wollte, dass er meinen emotionalen Zusammenbruch sah.
„Lass uns zusammen gehen“, sagte Alexander plötzlich und wandte sich um, um nach oben zu gehen und sich umzuziehen.
Meine Schritte stockten. Ein scharfer Stich der Bitterkeit durchflutete meine Brust, und meine Augen füllten sich sofort mit Tränen.
Wie konnte er so ruhig davon sprechen, gemeinsam zur Arbeit zu gehen?
Nachdem er mir gerade von der Scheidung erzählt hatte, war er immer noch so gelassen und lud mich sogar ein, weiterhin mit ihm zusammenzuleben.
Es war klar.
Er liebte mich nicht mehr.
„Nicht nötig“, sagte ich und schluckte meine Tränen hinunter, während ich schneller ging.
„Da wir uns ohnehin scheiden lassen werden, ist es besser, vorsichtig zu sein. Wir wollen ja nicht, dass andere etwas sehen.“
Mit diesen Worten ließ ich ihn zurück und lief fast aus der Tür.
Ich wusste, ich durfte vor ihm nicht die Kontrolle verlieren. Ich durfte ihm meine Schwäche nicht zeigen.
Nach jener Nacht dachte er vielleicht, ich sei nur vernünftig und gehorsam – der Grund, warum er mich geheiratet hatte. Ich war immer nur ein Werkzeug gewesen, ein Accessoire in seinem Leben.
Aber, mein Liebling… es tut mir leid.
Von jetzt an wirst du nur noch deine Mutter haben.
Alexander sah mir nach, wie ich hastig ging, und seine Stirn legte sich leicht in Falten.
…
In der Garage öffnete ich die Fahrertür, startete den Motor jedoch nicht sofort. Stattdessen öffnete ich Status.
Ich scrollte durch den Bildschirm, während sich ein unangenehmes Gefühl in meiner Brust zusammenzog.
Schließlich fand ich etwas.
Alexander und seine Freunde posteten selten etwas, aber es gab immer ein oder zwei Ausnahmen.
Der dritte Sohn der Sinclair-Familie, Victor Sinclair, war eine davon.
Ich starrte auf den Status, den er gestern gepostet hatte, zusammen mit einem Foto eines Tisches voller edler Weine.
Die Bildunterschrift lautete:
„Ein herzliches Willkommen für die schöne Isabella. Stoßen wir auf ihre Rückkehr an. Bald werden wir Alexanders Hochzeitswein trinken!“
Dazu ein feierndes Emoji.
Der Standort zeigte den Members-Only Club, einen Ort, an dem sie sich häufig trafen.
„Plopp.“
Eine Träne fiel aus meinem Augenwinkel auf den Bildschirm meines Handys. Sie brach das Licht in einem kleinen Regenbogen und spiegelte all meine Hilflosigkeit und meinen Schmerz wider.
Ich umklammerte mein Telefon fest, während der stechende Schmerz in meiner Brust mir fast die Luft nahm.
Es stellte sich heraus, dass Alexander, sobald er aus dem Flugzeug gestiegen war, Isabella zu seinen Freunden gebracht hatte.
Alle kannten sie.
Und sie wünschten ihm sogar Glück.
Währenddessen war ich im Dunkeln gelassen worden.
Allein.
In den letzten drei Jahren schien unsere Ehe – abgesehen von der Hawthorne-Familie – für alle anderen ein Geheimnis gewesen zu sein.
Er hatte mich nie seinen Freunden vorgestellt.
Selbst wenn wir ihnen gelegentlich begegneten, glaubten alle einfach, ich sei nur eine adoptierte Tochter der Hawthorne-Familie.
„Mrs. Hawthorne?“
James fuhr aus der Garage, sah mein Auto noch dort stehen und rief verwirrt nach mir.
Ich wischte mir schnell die Tränen ab, tat so, als hätte ich ihn nicht gehört, startete den Motor und fuhr los.
Ich wusste, ich durfte diese Gefühle nicht meine Arbeit beeinflussen lassen.
Im Moment gab es nur einen Weg, mich abzulenken:
Mich vollständig in meine Arbeit zu stürzen.
Ich öffnete Alexanders E-Mail, fügte die Projektdateien der Marke an und klickte auf Senden.
Kurz darauf antwortete Alexander, wie immer knapp:
„Genehmigt. Achte darauf, alles im Blick zu behalten.“
Ich hielt einen Moment inne, tippte ein kurzes „Okay“ und delegierte schnell die Aufgaben.
Als ich am Abend die Arbeit verließ, erhielt ich eine weitere Nachricht von Alexander:
„Ich habe heute Abend noch etwas zu erledigen. Geh zuerst nach Hause.“
Ich biss mir auf die Lippe. Ein Schmerz wie ein Nadelstich durchbohrte mein Herz. Meine Finger zitterten leicht, als ich nur ein einfaches „Okay“ tippte.
Früher hätte er mir die Details erzählt – welche gesellschaftlichen Veranstaltungen er hatte oder mit welchen Führungskräften er sich traf.
Er hatte immer alles mit mir geteilt.
Aber in diesen letzten zwei Tagen bestand alles nur noch aus einem kurzen:
„Ich habe etwas zu erledigen.“
Und ich musste mich allein damit abfinden.
Ich wusste genau, was dieses „etwas“ bedeutete.
Zeit mit Isabella verbringen.
Alexander schrieb erneut:
„Ich habe dir von meiner Geschäftsreise ein Geschenk mitgebracht. Ich habe vergessen, es dir zu geben. Es ist im Koffer. Du kannst es dir selbst nehmen.“
Ich antwortete wieder nur mit einem „Okay“.
Alexander starrte auf die kurze Antwort auf seinem Handybildschirm und verspürte plötzlich eine Welle der Gereiztheit. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und rieb sich die Schläfen.
In diesem Moment klopfte die Executive Assistant des CEO, Jane Smith, an die Tür und trat ein.
„BOSS, Miss Isabella Blackwood ist hier.“
Als ich das Büro verließ, hörte ich im Flur noch das Flüstern einiger Mitarbeiter.
„War das die Frau, die gerade CEO Hawthorne besucht hat? Sie sieht unglaublich aus!“
„Schade, dass sie eine Maske trägt.“
„Findet ihr nicht, dass CEO Hawthornes Freundin sehr wie Isabella Blackwood aussieht?“
„Ist sie nicht dieser Filmstar? Unmöglich, lebt sie nicht im Ausland?“
„Ich finde, sie und CEO Hawthorne passen perfekt zusammen!“
„Ähm, Direktorin Vivienne Sinclair.“
Jemand bemerkte mich und begrüßte mich schnell.
Das Flüstern verstummte sofort.
Alle wandten sich mir zu.
„Direktorin Vivienne Sinclair.“
Ich senkte den Kopf, mein Gesicht ausdruckslos, und antwortete ruhig:
„Es ist Feierabend. Setzen Sie Ihre Arbeit fort.“
Dann ging ich weiter.
Meine Schritte waren ruhig, doch mein Herz raste.
Meine Augen waren leicht gerötet, und mein Herz war voller Bitterkeit.
Ich durfte nicht stehen bleiben.
Ich hatte Angst, etwas zu sehen, das mich vollkommen zerbrechen würde.
Isabella war bereits gekommen, um ihn zu sehen?
Wir waren noch nicht einmal geschieden, und doch war er so gleichgültig.
Nicht einmal ein einfaches „Ich habe etwas zu erledigen“ konnte er erklären.
Hinter mir begannen die Mitarbeiter wieder zu flüstern, doch diesmal wechselte das Thema:
„Direktorin Vivienne ist sowohl schön als auch fähig. Wenn man sie sieht, wird man immer ein bisschen neidisch. Sie ist wirklich die Schwester des BOSS.“
„Was? Direktorin Vivienne ist CEO Hawthornes Schwester?“
„Äh, nicht seine echte Schwester. Sie ist diejenige, die dieser Bastard Chairman Hawthorne aufgezwungen hat aufzunehmen. Sonst wäre sie doch nie zu Vanguard Global Enterprises gekommen.“
„Wer hat dir das erzählt?“
„Jemand aus CCPR.“
„Trotzdem ist Direktorin Vivienne wirklich ein guter Mensch.“
Ich ging weiter zum unterirdischen Parkplatz, schnallte mich an und blickte auf.
Plötzlich sah ich zwei Gestalten.
Alexander trug den weißen Anzug, den ich am Morgen für ihn ausgesucht hatte. Seine elegante Figur wirkte im gedämpften Licht noch größer.
Neben ihm stand eine Frau mit Maske und Baseballkappe, die sich eng bei ihm eingehakt hatte.
Sie neigte den Kopf, um mit Alexander zu sprechen.
Er drehte sich leicht zu ihr, hörte aufmerksam zu, und sein Gesicht war voller Wärme.
Die Frau schien sich kokett zu verhalten und schüttelte Alexanders Arm.
Er lächelte sanft und nickte.
Seine Lippen formten deutlich das Wort:
„Okay.“
Isabella Blackwood.
Seine erste Liebe.
Sie war nach drei Jahren zurückgekehrt.
Die leuchtend rote Krawatte stach schmerzhaft in meine Augen.
Ich hatte sie ursprünglich ausgesucht, um meine Schwangerschaft zu feiern.
Doch jetzt trug er sie bei einem Date mit seiner ersten Liebe.