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1098 Words
„Scheiß drauf, dass du so verdammt stur bist“, knurre ich zur Duschwand, während das Wasser so heiß läuft, dass die Farbe abblättert. Crimson rennt den Abfluss hinunter, als wollte es mir entkommen. Ich wühle mit der Bürste fester unter meinen Nägeln, die Borsten kratzen die Haut auf, denn wenn ich aufhöre, mich zu bewegen, werde ich mich wieder an Frankfurt erinnern und dieses Mal laut schreien. Vor drei Jahren habe ich auch nicht laut geschrien. Ich war zweiundzwanzig und tat immer noch so, als hätte ich eine Seele, als ich die Tür zu Klaus‘ Penthouse in Berlin aufstieß. Der Geruch schlug zuerst zu. Kupfer, Schießpulver und diese süße Fäulnis, die nur auftritt, wenn jemand lange genug tot ist, um sich aufzublähen. Klaus war wie ein Schmetterling auf einem Brett an seinen eigenen Esstisch genagelt. Silberne Nägel durch die Handgelenke, silberne Nägel durch die Knöchel, ein letzter silberner Nagel direkt durch seine Zunge, der sie im Mahagoni festnagelt. Seine Augen waren verschwunden. Nur dunkle, feuchte Löcher, die auf den Kronleuchter starren. Jemand hatte sich Zeit gelassen. Ich erinnere mich, dass ich den Kaffee zum Mitnehmen fallen ließ. Erinnern Sie sich an den Pappbecher, der über italienischen Marmor explodierte. Denken Sie daran, wie ich vorwärts ging, als wäre ich unter Wasser, und seine Wange berührte. Kalt. Immer so verdammt kalt. Dann öffnete ich meinen Mund und es kam nichts heraus. Nur Luft. Nur eine Stille, die so d**k war, dass man daran ersticken konnte. Ich schrie dreiundvierzig Sekunden lang lautlos. Der Spiegel im Flur zerbrach vom Boden bis zur Decke. Der Wolf in mir heulte so laut, dass jedes Fenster des Gebäudes mit Spinnennetzen bedeckt war. Der Sicherheitsdienst fand mich eine Stunde später im Blut sitzend, Klaus‘ Kopf in meinem Schoß, und streichelte sein Haar, als würde er schlafen. Ich hatte kein einziges Mal geblinzelt. Zurück in der Gegenwart zerspringt das Duschglas unter meiner Faust. Ich hatte nicht einmal das Gefühl, dass ich es getroffen habe. „Großartig“, sage ich dem leeren Badezimmer, während meine Stimme von den zerbrochenen Fliesen reflektiert wird. „Weitere sieben Jahre Pech. Fügen Sie es der Registerkarte hinzu.“ Ich drehe das Wasser mit einem Ruck ab, der fast den Griff aus der Wand reißt. Dampf rollt um mich herum, als wäre ich der Teufel, der aus der Hölle tritt. Tröpfchen haften an meinen Wimpern, schmecken nach Salz und den Tränen eines anderen. Mein Telefon summt auf der Marmortheke. Rico. Natürlich. „Sprich mit mir, Herrin“, antworte ich und wickle ein Handtuch um mich, dessen Ränder sofort rot durchnässt werden. „Mila, der Jet ist vollgetankt und der Pilot weint, weil du ihm letztes Mal gedroht hast, ihn zu häuten, als er zu spät kam. Wir sind bereit, in neunzig die Räder hochzufahren.“ "Neunzig?" Ich lache, scharf genug, um zu schneiden. „Sag ihm, wenn er mich einundneunzig Minuten warten lässt, trage ich sein Fell als Sitzbezug.“ „Bereits weitergeleitet, Chef. Außerdem sagt der Wiener Turm, dass der Blutmond heute Nacht früh sichtbar ist. Die ganze Stadt flippt aus. Die Einheimischen nennen es ein Omen.“ „Lass sie ausflippen. Omen sind nur ein Vorspiel.“ Ich lege auf, lasse das Handtuch fallen und starre auf mein Spiegelbild im zerbrochenen Spiegel. Tausend Versionen von mir starren mich an, ganz silberne Augen und scharfe Wangenknochen und Lippen, die seit Klaus nicht mehr ohne Bosheit gelächelt haben. Ich spreche mit jeder zerbrochenen Scherbe. „Du erinnerst dich, was sie ihm angetan haben, nicht wahr?“ Schweigen antwortet. Gut. Schweigen ist ehrlich. Ich gehe nackt ins Schlafzimmer, reiße den begehbaren Kleiderschrank auf und reiße das purpurrote Kleid vom Kleiderbügel. Seide ist so dunkel, dass sie Licht trinkt. Die, die ich an dem Abend trug, als ich mich zum ersten Mal von Damien und Konstantin beißen ließ. Derjenige, der am Hals noch schwache Zahnspuren aufweist. „Gehst du zu einer Beerdigung, Liebling?“ Ich frage das Kleid und halte es hoch, als würde es antworten. „Deins oder meins, wir werden entscheiden, wann wir dort ankommen.“ Ich schiebe es auf. Kein BH. Kein Höschen. Nur Haut und Sünde und das Versprechen von Gewalt. Der Stoff schmiegt sich an, als würde er sich an ihre Hände erinnern. Ich hasse es, dass es sich gut anfühlt. Als nächstes der Dolch. Silberne Klinge, Wolfskopfknauf, an der Innenseite meines Oberschenkels festgeschnallt, wo der Schlitz des Gewandes gerade so weit auseinanderklafft, dass Stahl und Haut durchscheinen. Ich teste die Auslosung. Schnell. Tödlich. Perfekt. Wieder mein Handy. Diesmal ist es ein Text. Unbekannte Nummer. Eine Zeile: Hat dir mein Geschenk gefallen, kleiner Wolf? Der Goldfaden war für dich. –K Mein Atem stockt so stark, dass es weh tut. Konstantin. Immer der Dichter. Damien hätte einfach eine Bombe geschickt. Ich tippe mit Daumen, die sich nicht schütteln wollen. Niedlich. Benutzen Sie das nächste Mal Ihren eigenen Mund. Ich werde es selbst zunähen. Schicken. Die drei Punkte erscheinen, verschwinden, erscheinen wieder. Ich warte. Lass ihn schwitzen. Endlich: Wir werden unter dem zerbrochenen Mond warten. Bringen Sie die Kinder mit, wenn sie geboren sind. Dann werden wir niederknien. Kinder. Plural. Er weiß es. Ich schleudere das Telefon so heftig, dass es in der Trockenbauwand versinkt. „Über meiner kalten Leiche“, sage ich dem leeren Raum. Dann lache ich, weil das buchstäblich der Plan ist. Ich schnappe mir den passenden purpurroten Mantel, der mit versteckten Klingen gefüttert ist, und rausche aus der Suite wie ein Sturm auf der Suche nach einem Landeplatz. Im Aufzug hinunter zum Jet übe ich mein Lächeln in den verspiegelten Wänden. Derjenige, der sagt, dass ich dich bereits trauere. Rico trifft mich auf dem Rollfeld und blickt mit großen Augen auf das Kleid. „Jesus, Mila, du siehst aus, als würdest du gleich einen König ermorden und die Leiche ficken.“ „Nur wenn sie nett betteln“, schnurre ich und steige die Treppe hinauf. „Schnall dich an, Baby. Wien hat drei Jahre auf dieses Wiedersehen gewartet.“ Während der Jet kreischend in den Himmel schreit, erhebt sich der Blutmond riesig und zerklüftet am Horizont und strahlt Licht über die Wolken. Ich drücke meine Handfläche an das Fenster und flüstere zu ihnen, zu jedem Geist, der eine Schrotflinte reitet. „Klaus hat mir einmal beim Brechen zugesehen. Er wird es nicht zweimal sehen.“ Dann schließe ich die Jalousie, kreuze die Beine und lasse den Dolch meinen Oberschenkel küssen wie ein Liebhaber, der bereits weiß, dass dieser Abend mit Schreien endet. Ihr Geschrei. Weil ich mit dem Auftauen fertig bin. Und der Winter hat gerade den Krieg erklärt.
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