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BLUTMOND IMPERIUM

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Blurb

Ich war das gute Mädchen, das die Frachtpapiere unterschrieben hat. Ich dachte, die Kisten enthielten Marmorstaub und Renaissance-Pigmente. Ich habe mich geirrt. Sie enthielten schreiende Frauen … und irgendwann den abgetrennten Kopf meines eigenen Vaters.Auf dem Wiener Friedensmaskenball hat mir jemand Nachtschatten in den Champagner gemischt. Ich wachte nackt auf, gebissen, gezeichnet und mit Zwillingen im Leib. Die Gefährtenbindung schnappte zu wie ein Halsband um meine Seele und zerrte mich direkt zu Damien Volkov – dem Mann, der neun Stunden lang jeden Knochen meines Bruders gebrochen hat, während Konstantin zusah und lächelte.Sie sind eineiige Zwillinge. Einer ist mein vom Schicksal bestimmter Gefährte. Der andere ist der leibliche Vater der Kinder, die mich von innen zerstören. Beide glauben, dass ich ihnen gehöre.Sie haben mich in ein Schloss aus Glas und Blut gesperrt. Sie haben mich angekettet, als ich floh. Sie haben mir jede Nacht den Körper genommen „für die Babys“ und geflüstert, das sei Liebe. Sie haben sich wieder geirrt.Heute Nacht wurden die Zwillinge in einer Flut aus meinem Blut und ihren Tränen geboren. Heute Nacht habe ich meiner Töchter in die Augen gesehen und zum ersten Mal seit Jahren wieder etwas gefühlt. Liebe. Reine, gewalttätige, unzerbrechliche Liebe.Aber nicht für die Monster, die blutüberströmt in der Ecke knien und endlich begreifen, was sie mir angetan haben. Damien schluchzt meinen Namen. Konstantin, der vierhundert Jahre alte König, der noch nie um irgendetwas gebettelt hat, hat gerade einen Spiegel mit der Faust zerschmettert und geschrien: „Was haben wir ihr angetan?“Ich wiege meine Babys und schenke ihnen das kälteste Lächeln, das sie je gesehen haben.„Lasst das Kriechen beginnen“, flüstere ich. „Es wird tausend Jahre dauern … und es wird immer noch nicht genug sein.“Was passiert, wenn eine Eiskönigin aus der Asche ihrer eigenen Zerstörung aufersteht und die einzige Wärme, die noch in ihrem Herzen brennt, den Töchtern der Männer gehört, die sie vernichtet haben?Blättern Sie um. Sie werden gleich lernen, dass manche Wunden nicht heilen. Sie bluten ewig.

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„Scheiß auf diesen Morgen und scheiß auf Frankfurt“, zische ich in dem Moment, in dem meine Absätze den Beton vor dem Lagerhaus berühren. Der Himmel blutet immer noch blau und die Luft schmeckt nach Rost und Diesel. Kiste 411 steht auf dem gegenüberliegenden Dock, als würde sie darauf warten, dass ich meine Scheiße verliere. Ich weiß schon, was drin ist. Ich kann den Formaldehyd und die Lüge riechen. Der Gabelstaplerfahrer, ein armer Kerl namens Jürgen mit Bierdarm und Klemmbrett, blockiert mit seiner Maschine die Kiste, als würde er den Heiligen Gral bewachen. „Fräulein Volkov, niemand öffnet 411 ohne die Unterschrift von Herrn Lukas“, stammelt er, und der Schweiß perlt schneller als der Morgennebel. Ich neige meinen Kopf und lasse meine Augen gerade so silbern aufblitzen, dass er sich in die Hose macht. „Beweg den Gabelstapler, Jürgen, oder ich parke ihn dir seitlich im Arsch.“ Er krabbelt. Schlüssel klappern, der Motor hustet und das gelbe Biest rollt davon, als hätte es auch Angst vor mir. Gut. Alles sollte sein. Ich warte nicht auf den Sonnenaufgang. Ohne um Erlaubnis zu bitten, verlängern sich meine Nägel zu Krallen, und am Weihnachtsmorgen reiße ich den Deckel von 411 ab, als wäre es eine Geschenkverpackung. Holz explodiert. Nägel klirren von Metallwänden. Und da ist er. Vater. Die Augen weit aufgerissen, der Mund mit dickem Goldfaden zugenäht, der im Neonlicht glitzert. Die Stiche sind perfekt, winzig, chirurgisch. Jemand hat sich die verdammte Zeit genommen, ihn in ein Meisterwerk der Stille zu verwandeln. Meine Knie geben nicht nach. Sie verriegeln. Eis breitet sich von meiner Brust bis zu meinen Zehen aus. Ich starre den Mann an, der mir das Töten beigebracht hat, bevor ich die lange Teilung gelernt habe, und ich lache. Eine scharfe, hässliche Rinde, die von den Dachsparren widerhallt. „Wirklich, Daddy? Goldfaden? Konntest du nicht auf Platin hoffen? Billiger Bastard, selbst im Tod.“ Jürgen wimmert irgendwo hinter mir. Ich habe vergessen, dass er existiert. Ich ziehe das Manifest aus der zerfetzten Schaumstoffverpackung. Meine Handschrift. Meine sich wiederholende, mörderische Kursivschrift. Vor drei Nächten signiert, datiert und gestempelt. In der Nacht, in der ich in Wien war, bis zu den Eiern in Champagner und Lügen, habe ich ganz sicher nicht den Kopf meines Vaters wie zum Mitnehmen über den Kontinent transportiert. Jemand hat mich gefälscht. Jemand will, dass ich radioaktiv werde. Ich falte das Papier einmal, zweimal, bis es ein messerscharfes Quadrat ist, und stecke es dann in meinen BH wie einen höllischen Liebesbrief. „Jürgen“, rufe ich, ohne mich umzudrehen, mit einer Stimme, die so süß ist, dass Zähne verfaulen, „wo ist Lukas?“ „Büro… Büro oben, Fräulein, bitte nicht –“ „Sagen Sie ihm, dass Mila Volkov mit seinen Eingeweiden zum Renovieren kommt.“ Ich ziehe schon um. Stiefel klappern über den Beton, vorbei an Reihen unschuldiger Kisten, in denen Gott weiß was versteckt ist. Mein Puls ist eine Kriegstrommel. Mein Wolf knurrt so laut, dass ich Fell auf meiner Zunge schmecke. Lukas sitzt hinter seinem billigen Schreibtisch und tut so, als würde er tippen, als ich die Tür aus den Angeln reiße. Das Holz splittert wie seine Zukunft. „Mila!“ Er steht zu schnell da, stößt seinen Kaffee um, und brauner Schlamm breitet sich aus wie getrocknetes Blut. „Das ist ein Missverständnis –“ „Halt deine verdammte Klappe.“ Ich schlage mit beiden Handflächen auf den Schreibtisch. Krallen graben sich in künstliches Mahagoni. „Jede Kiste, für die ich jemals unterschrieben habe. Jede einzelne. Du wirst sie wie Gute-Nacht-Geschichten aufsagen, Lukas. Beginnend mit denen, die angekommen sind, nachdem ich sie angeblich unterschrieben habe.“ Sein Hals bebt. „Es gibt … es gibt Hunderte –“ „Fangen Sie an zu reden, oder ich fange an, die Finger zu entfernen. Ich fühle mich heute symmetrisch.“ Er redet. Schnell. Namen, Daten, Gewichte, Häfen. Seine Stimme bricht bei denen, die nicht mit meiner Erinnerung übereinstimmen. Als er Kiste 389 erreicht (in Trockeneis verpackte Menschenherzen für einen Privatsammler in Prag), lächle ich mit einem Lächeln, das erwachsene Männer zum Weinen bringt. „Du lässt jemanden meinen Namen verwenden“, sage ich leise. „Meine Unterschrift. Mein Ruf. Und du hättest nicht gedacht, dass ich einen verdammten Kopf in einer Kiste bemerken würde?“ „Ich schwöre, ich dachte, es wäre Kunst! Im Manifest stand ‚Skulpturenrestaurierung‘ –“ "Kunst." Ich lache wieder, dieses Mal kälter. „Papa hatte schon immer ein Gespür für das Dramatische.“ Ich beuge mich vor, bis ich seinen Angstschweiß und sein billiges Eau de Cologne riechen kann. „Verbrennen Sie die Hauptbücher. Jede Seite. Jede Festplatte. Wenn auch nur ein einziges Byte davon überlebt, werde ich Ihnen persönlich Ihr eigenes Rückgrat füttern.“ Er nickt so heftig, dass ich Angst vor einem Schleudertrauma habe. „Ja, Fräulein. Sofort. Ich mache es selbst.“ "NEIN." Ich richte mich auf und glätte meinen Rock, als wären wir beim Tee. „Du wirst meinen Leuten dabei zusehen. Und du wirst lächeln, während es brennt.“ Ich ziehe mein Handy heraus und wähle bereits mit dem Daumen. „Rico, Liebling, bring das Flammenwerfer-Team nach Frankfurt. Wir machen ein Lagerfeuer.“ Lukas macht ein Geräusch wie eine sterbende Maus. „Oh, und Rico? Sagen Sie dem Piloten, er soll nach Wien fliegen. Die Räder sind in vier Stunden hochgefahren. Ich muss Zwillinge ermorden und einen Blutmond ruinieren.“ Ich lege auf, wende mich wieder Lukas zu und meine Augen werden ganz silbern. „Eine letzte Sache: Wer hat meinen Namen unterschrieben?“ Er öffnet seinen Mund. Schließt es. Öffnet es erneut. „Ich … ich habe das Gesicht nie gesehen. Nur eine Stimme am Telefon. Männlich. Alter europäischer Akzent. Sagte … sagte, du würdest es verstehen, wenn du den Goldfaden siehst.“ Mein Herz bleibt stehen. Dann beginnt es erneut, bösartig und langsam. Damien. Oder Konstantin. Einer von ihnen nähte den Mund meines Vaters zu und schickte ihn mir per Post wie ein Hochzeitsgeschenk. Ich lächle und es tut mir im Gesicht weh. „Natürlich hat er das getan.“ Ich lasse Lukas schluchzend über seiner Tastatur zurück und gehe zurück zum Dock. Vaters Kopf starrt immer noch an die Decke, Goldfäden fangen das Licht ein wie winzige Schlingen. Ich gehe in die Hocke und streiche eine Haarsträhne aus seiner kalten Stirn. „Mach dir keine Sorgen, Papa. Wer auch immer das getan hat, wird niederknien. Sie werden alle niederknien.“ Dann stehe ich auf, wische mir die Finger an meinem Mantel ab und steige über die Trümmer von Kiste 411. Wien wartet. Das sind sie auch. Und dieses Mal bringe ich den ganzen verdammten Winter mit.

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