Azrael landete vor dem prunkvollen Schloss, welches sich vor ihm erhob. Die Kälte war ersetzt worden durch eine unnachgiebige Hitze und statt der kargen Steinlandschaft der Nordhölle erstreckten sich hier die weitläufigen Lavaflüsse, die den südlichen Höllenteil dominierten. Das vorherrschende Feuer wurde von der glänzend schwarzen Oberfläche des Schlosses verstärkt und reflektiert, wodurch es den Anschein erweckte, das Schloss selber würde in Flammen stehen. Azrael schritt durch den Haupteingang, die misstrauischen Blicke der niederen Dämonen um ihn herum ignorierend. Zielsicher schritt er die endlose Wendeltreppe hinauf, bis er am obersten Turm angekommen war. Dort erwartete ihn eine gusseiserne Flügeltür, hinter der laute Stimmen zu vernehmen waren. Eine jedoch übertönte alle anderen, die zornerfüllte Stimme Mephistopheles, weithin bloß bekannt als Satanas, oder besser gesagt Satan, nicht nur einer der vier Könige der Hölle, sondern auch oberster Herrscher der Hölle, und der Grund für die Rebellion, die damals ausbrach, und so viele Engel die Seiten wechseln ließ. Engel wie Luzifer. Dieser erschien nun auch in der Tür, die er achtlos aufgerissen hatte, um herauszustürmen, doch nun überrascht stehen blieb. "Na sieh mal einer an, willkommen zurück Azrael.", begrüßte er diesen mit melodischer Stimme und einem hochmütigen Lächeln. Azrael nickte ihm zu. "Luzifer, wie ich höre ist er heute wieder in äußerst guter Stimmung.", erwiderte Azrael und deutete vielsagend hinter Luzifer, wo man Satan immer noch laut schimpfen hörte. Luzifers Miene verfinsterte sich. "Wann ist er das schon? Ein Nachteil, wenn man der Fürst einer Todsünde ist, sie ist dein ständiger Begleiter." Azrael hob eine Augenbraue. "Du weißt das natürlich am besten, nicht wahr, Luzifer? Schließlich bist du nicht nur ein König der Hölle, sondern auch der Fürst von Hochmut, wenn ich mich nicht täusche. Was für eine Ironie." Luzifer sah ihn mit einem arroganten Lächeln an. "So leicht bringst du mich nicht aus der Fassung, Azrael. Ich stehe zu dem was ich getan habe.", gab er leichthin zurück, ehe er sich an Azrael vorbei drängte, jedoch nicht ohne ihm noch leise: "Viel Spaß mit dem Hitzkopf.", zu zuflüstern. Azrael sah ihm noch nach, bis er verschwunden war, ehe er sich wieder umwandte und den Raum durch die immer noch speerangelweit geöffnete Tür betrat. Ein Raum, ebenso prunkvoll geschmückt wie der Rest des Schlosses, erschien. Trotz der dunklen Farben wie schwarz und dunkelrot, besaß der Raum eine Art eigenes Leuchten. Was natürlich auch an dem feurigen Schein der Lavaflüsse liegen könnte, die um sie herum erkennbar waren, da die Wände des Turmzimmers vollkommen gläsern waren. Ein großer Schreibtisch stand in der Mitte des Raumes, auf dem außer einem Tintenfass, einer Feder und einem leeren Stück Pergament nur noch eine verdorrte, schwarze Rose lag. Satan saß in seinem Stuhl, der mehr einem Thron den einen Schreibtischsessel glich, und sah Azrael aus wütend funkelnden Augen an. Der Feuerschein schien sich in seinen schwarzen Augen zu spiegeln und ließen sie orange-rot aufleuchten. Zwei große gewundene Hörner zierten seinen Kopf, wodurch er der Darstellung, welche die Menschen von ihm hatten, sogar mehr oder weniger gerecht wurde, obwohl die Darstellungen der Menschen, was Himmel, Hölle, Engel und Dämonen anging, zumeist recht übertrieben war, oder vollkommen absurd. Doch bei Satanas hatten sie gute Arbeit geleistet, wenn man den Ziegenteil weg ließ. "Azrael, du bist spät.", knurrte dieser zur Begrüßung, was Azrael jedoch nicht aus der Ruhe brachte. Er wusste, durch die Tatsache das Satanas auch der Fürst der Todsünde Zorn war, kam er zumeist wütender und ungeduldiger rüber, als er eigentlich war. Daher ließ sich Azrael Zeit, als er zu dem leeren Stuhl schlenderte und die schwarze Schatulle mit den Seelen für die Hölle herausholte. "Zeit ist relativ, Mephisto.", antwortete er gelassen. Donnernd ging dessen Hand auf den Schreibtisch herab, wodurch der ganze Raum für einen Moment erbebte. Mit einem warnenden Funkeln in den Augen beugte sich Mephistopheles zu ihm. "Für dich immer noch Satan. Mephistopheles, war der Name, den ich früher trug.", erinnerte er Azrael leise, der bloß mit den Schultern zuckte. "Auch die Menschen nennen dich immer noch so.", gab dieser bloß beiläufig zurück. "Die Menschen nennen auch nur allzu gerne den Namen Luzifers, obwohl sie mich meinen. Was wissen die schon.", knurrte er entzürnt, und Azrael zuckte bloß mit den Schultern. "Damit magst du richtig liegen." Ohne das Thema weiter zu vertiefen schob er ihm die Schatulle hin. So abrupt wie Mephistos Zorn gekommen war, verschwand er auch wieder, und mit einem interessierten Funkeln in den Augen öffnete er die Schatulle, aus der ein leichtes, rotes glühen kam. Enttäuscht verzog er das Gesicht. "Nicht mehr?", beschwerte er sich, was Azrael ein genervtes Stöhnen entlockte. Sofort lag Satans Blick auf ihm und ein wissendes Lächeln umspielte seine Lippen. "Deiner Reaktion zur Folge war der gute Gabriel heute auch nicht sonderlich zufrieden mit seiner Ausbeute, was?" Er lachte leise und klappte die Schatulle wieder zu, um sie ordentlich zu verstauen. "Damit kann ich leben.", fügte er schadenfroh hinzu, ehe sein Blick wieder zu Azrael wanderte, der mit emotionsloser Miene dasaß und darauf wartete, ob Mephisto noch etwas mit ihm zu besprechen hatte, oder er entlassen war, und endlich von hier verschwinden konnte. Kurz legte sich ein Schweigen über den Raum, während sich die beiden bloß ansahen, ehe Satanas endlich mit der Hand wedelte. "Du kannst gehen. Wir sehen uns früh genug wieder." Azrael erhob sich und nickte leicht, konnte es sich aber nicht verkneifen kurz bevor er den Raum verließ, noch leise: "Auf bald, Mephistopheles.", zu flüstern, ehe er die Tür schnell schloss und keine Sekunde später auch schon ein lautes Klirren aus dem Raum hörte, das wohl Satan war, der wieder mal gegen irgendwas einschlug, um Herr über den Zorn in sich zu werden. Azrael wartete nicht ab, dass dieser noch auf die Idee kam, ihn wieder zurückzurufen, weshalb er schnellen Schrittes die Treppe hinab eilte, das Schloss auf schnellsten Weg verlies, die Flügel ausbreitete und sich in die Lüfte erhob, um das Höllenreich hinter sich zu lassen, und endlich wieder auf die Erde zurück kehren zu können, wo er verschont war, von dem Chaos welches sowohl im Einem als auch im Anderem Reich herrschte. Weit weg von den Problemen, die sowohl Himmel als auch Hölle mit sich brachten.