Kapitel 3: Höllenhierachie

1015 Words
Luzifer beobachtete wie Azrael seine Schwingen ausbreitete und sich erhob, um gen Norden zu fliegen, diesen Ort zu verlassen. Mit etwas Neid betrachtete Luzifer dessen gewaltige Flügel, deren schwarzes Gefieder das Licht der zahlreichen Lavaströme einzufangen schien und zu verschlucken. Luzifer betrachtete seine eigenen Flügel, einst strahlend weiß und gewaltig, nun federlos und knöchern. Er klappte sie wieder zu und versteckte sie unter seinem fließenden Umhang, dessen Goldverzierungen auf dem schwarzen Samtstoff zu leuchten schienen, wenn das Feuer der Hölle darauf fiel, und wollte gemessenen Schrittes davoneilen, um den Süden zu verlassen und in sein Reich zurückzukehren, als er eine Stimme hinter sich vernahm. "Luzifer, so weit im Süden? Hattest du eine Unterredung mit deinem Onkel?" Luzifer seufzte leicht und drehte sich dann mit einem gestellten Lächeln um. "In erster Linie ist Satanas immer noch der oberste Herrscher und ich sein Stellvertreter, beziehungsweise zwei der vier Könige. Das er durch Zufall der Bruder jener falschen Schlange ist, welche sich als meine Mutter bezeichnet, tut genauso wenig zur Sache, wie die Tatsache, dass du dich nur allzu gerne als sein direkter Nachfahre bezeichnest, Beelzebub. Was dich noch lange nicht zu seinem Sohn macht, ebenso wenig wie es ihn zu meinem Onkel und uns zu Cousins macht.", knurrte Luzifer unwirsch, was Beelzebub bloß zu einem hyänenhaften Grinsen brachte. "Bist du wegen dem Treffen der Könige hier?", wechselte er geschickt das Thema. Ein Treffen der Könige, davon wusste er noch gar nichts. Doch Luzifer ließ es sich nicht anmerken und nickte daraufhin bloß würdevoll. "Na dann begleite mich doch gleich.", bot Beelzebub an und wandte sich zum Schloss. Luzifer runzelte die Stirn. "Was willst du bei einem Treffen der Könige? Du magst ein Prinz der Hölle sein, und vielleicht der Thronfolger Satanas, doch du bist kein König.", rief er ihm hinterher, doch Beelzebub schritt weiter, ohne darauf zu antworten. Mit düsterem Gesichtsausdruck folgte Luzifer dem kleinen Thronräuber, zurück in das Turmzimmer, aus dem er doch gerade erst geflohen war. Überraschenderweise trafen die beiden am Fuße der Wendeltreppe die hagere Gestalt Belials, der wie immer mit gelangweiltem Gesichtsausdruck dastand. "Belial, ich bin überrascht das du dich nicht schon wieder verspätest.", begrüßte Luzifer ihn mit demselben falschen Lächeln, welches er auch für Beelzebub aufgesetzt hatte. Belial zog eine Augenbraue hoch. "Es war die perfekte Möglichkeit dem nervtötenden Engel aus dem Wege zu gehen.", antwortete er bloß. "War das etwa gerade die Wahrheit? Vom Herrn der Lügen? Schockierend.", kommentierte Beelzebub sarkastisch, ehe er sich an Belial vorbei drängte, um die Treppe hinaufzueilen. "Ich kann diese hochwohlgeborene Kröte nicht leiden. Schon schwer vorstellbar das er einst ein Seraphim gewesen sein soll, doch er soll auch nun künftig Satanas Thron einnehmen. Sollte es jemals dazu kommen, geht die Hölle vor die Hunde.", prophezeite Belial düster. "Das wird nicht so bald geschehen, wenn du mich fragst, werden wir Satanas niemals los. Doch sollte es wirklich so weit kommen, dass Beelzebub den Südthron an sich reißt, habe ich einen Notfallplan, und ich nehme an, ich kann mir deiner Unterstützung sicher sein, wenn es so weit ist." Belial schnaubte. "Wie kommst du darauf das ich nicht selber einen Plan verfolge?", konterte er. Luzifer hob bloß eine Augenbraue und ging an ihm vorbei, ohne seiner Frage eine Antwort zu würdigen. "Ihr gefallenen Engel seid doch alle gleich.", knurrte dieser verstimmt, ehe er Luzifer folgte. Als die beiden im Audienzsaal ankamen, saß Beelzebub bereits rechts von Satanas am großen Steintisch. Drei weitere Stühle standen in den verschiedenen Himmelsrichtungen bereit. Ein Symbol für welchen Teil der Hölle wer zuständig war, und zeitgleich ein Sicherheitsabstand, falls eine Besprechung aus dem Ruder lief, was meistens der Fall war. "Luzifer, Belial, willkommen.", begrüßte Satan sie und die beiden nickten ihm höflich zu während sie ihre Plätze einnahmen, Luzifer im Osten, Belial im Norden. "Ich sehe, Leviathan lässt auf sich warten.", stellte Luzifer fest, was Satan dazu brachte, ungeduldig mit den Fingern auf den Tisch zu trommeln. "Offensichtlich.", knurrte er ungehalten. "Warum weihst du uns nicht derweil ein, wie es mit unserem Todesengel gelaufen ist? War die Ausbeute diesmal besser als die letzten Male?", wechselte Beelzebub das Thema und sah interessiert auf die schwarze Schatulle welche in einer offenen, steinernen Schublade stand. Satan folgte seinem Blick und schloss die Lade vor seinen neugierigen Augen, ehe er seine Frage beantwortete. "Die Menschen leben ihr kurzes Leben unwissend wie eh und je. Die Geschichten über uns sind immer noch dasselbe, bloß Geschichten, zum größten Teil." Luzifer schnaubte abfällig. "Wie die Menschen uns darstellen gleicht einer Beleidigung, und die Bilder, die sie von uns haben, werden mit der Zeit nicht unbedingt besser.", knurrte er hochmütig. Beelzebub schnaubte ungläubig. "Na ihr habt ja Nerven euch darüber aufzuregen. Wie sehen die Menschen euch, Satan, Herr der Hölle, Luzifer, der Lichtbringer, der gefallene Engel, Belial, der Herr der Lügen, und was ist mit mir? Ich bin Beelzebub, der Herr der Fliegen." Luzifer und Belial konnten sich ein schadenfrohes Lächeln nicht verkneifen, und auch Satanas Augen funkelten belustigt. Beelzebub, dem dies nicht entgangen war, wollte bereits aufspringen und protestieren, als die Tür erneut aufschwang und eine große Frau erschien, gekleidet in dunkelblauer Seide, die wie Wasser an ihr herabglitt, und ihre dunklen Drachenaugen fixierten die hier Anwesenden. "Leviathan, du kommst zu spät.", begrüßte Satanas den Neuankömmling. Leviathan neigte leicht den Kopf. "Verzeiht die Verspätung, im Westen ist gerade die Hölle los.", entschuldigte sie sich mit ihrer melodischen Stimme, jedoch ohne den Sarkasmus in ihrem Tonfall zu verstecken. Sie schritt zu dem leeren Stuhl der westlich stand und ließ sich darauf nieder. "Neuigkeiten von unseren Legionen, Großadmiralin?", fragte Satan, doch Leviathan schüttelte den Kopf. "Die Armee wächst, doch noch ist nicht die Zeit gekommen, um sie auszusenden.", antwortete sie, woraufhin Belials Blick zu ihr schoss. "Auszusenden? Was soll das heißen, wir fangen einen Krieg an?", rief er aus und sah in die Runde. Keiner sonst schien überrascht zu sein, was ihn schnauben ließ. "Und natürlich waren alle eingeweiht außer mir.", knurrte er verstimmt. "Deswegen sind wir hier.", antwortete Satan bloß, ehe er hinzufügte: "Außerdem, wollen nicht wir einen Krieg beginnen, wir bereiten uns darauf vor, dass die himmlischen Legionen dies tun."
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