Kapitel 1 – Die verbotene Nacht
POV: Elena
Ich stand wie gelähmt im Marmorbadezimmer unseres Penthouse-Apartments, während drei Schwangerschaftstests säuberlich nebeneinander auf dem Waschbecken aufgereiht waren – wie kleine Richter, die kurz davor standen, ein Urteil zu fällen, dem ich nicht länger ausweichen konnte. Zwei leuchtend rosa Linien starrten mich von jedem einzelnen Test entgegen, und mein Magen verkrampfte sich gewaltsam, als die Wahrheit tief in mein Mark drang. Ich war schwanger. In der achten Woche mit dem Kind eines Mannes, dessen Namen ich bis heute Nacht nicht einmal gekannt hatte. Meine Hände zitterten, als ich sie sanft auf meinen noch flachen Bauch legte, und eine seltsame Welle von Übelkeit überkam mich, vermischt mit etwas Dunklerem und Komplizierterem. Angst und eine stille, kalte Genugtuung rangen in meiner Brust, denn dieses Leben, das in mir heranwuchs, war das direkte Resultat meines einen, kalkulierten Akts der Rebellion.
Vor zwei Monaten hatte Richard mir an unserem kalten, stummen Esstisch gegenübergesessen und eine offene Ehe vorgeschlagen – so lässig, als würde er eine neue Investitionsstrategie besprechen. Er hatte mich jahrelang betrogen, und nun wollte er meine formelle Erlaubnis, ohne Schuldgefühle fortzufahren. In jener Nacht riss in meinem Inneren endgültig etwas. Ich weigerte mich, weiterhin die stille, gehorsame Ehefrau zu bleiben, die er sechs Jahre lang geformt hatte. Wenn er seine Gelübde ohne Konsequenzen brechen konnte, dann konnte ich das auch. Ich kontaktierte einen diskreten High-End-Eskortservice und regelte alles mit kalter Präzision. Ich buchte die Hotelsuite, die Richard oft für seine eigenen Affären nutzte, und bezahlte für eine Nacht mit einem Fremden.
Die Erinnerung an jene Nacht überrannte mich jetzt mit voller Wucht, und mir stockte der Atem, als Hitze in meine Wangen stieg. Der Mann, der in der Suite auftauchte, glich in keiner Weise den polierten und hohlen Liebhabern, die ich mir in Richards Welt vorgestellt hatte. Er war groß und kraftvoll gebaut, mit dunklem Haar und stechenden blauen Augen, die direkt durch meine sorgfältig errichtete Rüstung zu blicken schienen. In dem Moment, in dem die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, veränderte sich die Luft zwischen uns und wurde d**k von roher Elektrizität. Zuerst sprachen wir kaum. Er überquerte den Raum mit selbstbewussten Schritten und zog mich in seine Arme, als hätte er sein ganzes Leben lang auf mich gewartet.
Ich erinnerte mich noch an jedes Detail, so lebendig wie am ersten Tag. Seine Hände waren groß und sicher, als sie über meinen Körper glitten und mein Kleid mit bewusstem Hunger von mir rissen. Er küsste mich tief und besitzergreifend, und ich stöhnte in seinen Mund hinein, während jahrelang unterdrücktes Verlangen und eine Wut aus mir herausbrachen, die keinen Halt mehr kannten. Er hob mich mühelos auf das Bett, und sein Mund zog eine Spur heißer Küsse meinen Hals hinab und über meine Brüste, bis ich mich vor Verlangen nach mehr gegen ihn archte. Als er schließlich mit einem langsamen, kraftvollen Stoß in mich eindringt, schrie ich auf über die überwältigende Fülle und die Art, wie er mich so vollständig ausfüllte. Wir bewegten uns in einem fieberhaften Rhythmus zusammen, und seine tiefen Stöße entlockten mir Lust an Orten, von deren Existenz ich längst vergessen hatte. Ich klammerte mich an seine breiten Schultern und schlang meine Beine um ihn, während er mich härter und tiefer nahm, wobei seine stechenden Augen selbst im Höhepunkt der Leidenschaft nicht von den meinen wichen.
„Sag mir, was du brauchst“, hatte er an meinem Ohr geknurrt, während er sich mit langen, kontrollierten Bewegungen vorstieß, die meinen gesamten Körper zum Beben brachten. Ich hatte nach Luft geschnappt und ihn angefleht, nicht aufzuhören, und er hatte geantwortet, indem er noch intensiver in mich eindringte, bis wir beide in einer Entladung zerbrachen, die so gewaltig war, dass sie mich zittern ließ. Wir fanden in dieser Nacht immer wieder zusammen, und jedes Mal schien es verzweifelter und intimer zu sein als zuvor. Er verehrte meinen Körper mit seinen Händen und seinem Mund, und ich gab mich ihm völlig hin – auf eine Weise, wie ich es meinem Ehemann gegenüber niemals getan hatte. Als sich das Morgengrauen näherte, war ich wund und von einer Tiefenruhe erfüllt, die ich so noch nie gekannt hatte.
Und doch hatte sich mit dem Morgenlicht die Scham eingeschlichen. Ich schlich mich aus dem Bett, während er noch schlief, und hinterließ einen Umschlag mit Bargeld auf dem Nachttisch – als finaler Akt, um das, was wir geteilt hatten, auf eine bloße Transaktion zu reduzieren. Ich musste glauben, dass es nichts weiter als Rache an Richard war. Ich musste weggehen und so tun, als wäre es nie passiert.
Jetzt, Wochen später, bewiesen diese beiden rosa Linien, dass ich dem nicht entkommen konnte. Ich trug sein Kind unter dem Herzen, und allein der Gedanke daran ließ meine Knie weich werden. Die Übelkeit rollte wieder über mich hinweg, und ich drückte meine Hand fester gegen meinen Bauch, als könnte ich das winzige Leben, das dort bereits heranwuchs, auf irgendeine Weise beschützen. Ein Teil von mir verspürte eine dunkle, wilde Genugtuung darüber, dass Richards lässige Grausamkeit diese Konsequenz hervorgebracht hatte. Ein anderer Teil von mir zitterte vor echter Panik, was das für meine Zukunft bedeuten würde.
Am selben Abend bestand Richard darauf, dass wir gemeinsam die hochkarätige Firmen-Fusionsgala besuchen. Er war vor Aufregung über den bevorstehenden Deal mit Cross Industries ganz aus dem Häuschen und wollte mich dort als die perfekte, polierte Ehefrau an seinem Arm präsentieren. Ich versuchte mich zu weigern, aber seine Laune schlug blitzartig um, und ich wusste zu gut, dass man ihn in so einem Moment nicht reizen durfte. Also zog ich ein schlichtes schwarzes Kleid an, das jede Spur meines sich verändernden Körpers verbarg, und begleitete ihn in den großen Ballsaal, während mein Herz wild in meiner Brust hämmerte.
In dem Moment, in dem der Gastgeber den CEO von Cross Industries ankündigte, fror mein Blut in den Adern ein. Damian Cross betrat mit gebieterischer Präsenz die Bühne, und der ganze Raum schien den Atem anzuhalten. Unter den hellen Lichtern wirkte er noch markanter als in der Hotelsuite. Groß und kraftvoll gebaut in einem perfekt geschneiderten Tuxedo, mit genau denselben stechenden blauen Augen, die in meine geblickt hatten, während er sich tief in meinem Inneren bewegte. Unsere Blicke trafen sich über den vollen Raum hinweg, und das Erkennen zuckte wie ein Blitz zwischen uns auf. Ein langsames, gefährliches Lächeln umspielte seine Lippen, und mein Magen sackte in die Tiefe, als mir klar wurde, dass er sich an alles erinnerte.
Richard bemerkte nichts. Er war zu sehr damit beschäftigt, Kontakte zu knüpfen und auszurechnen, wie er diese Verbindung zu seinem Vorteil nutzen konnte. Als die offiziellen Präsentationen endeten und die Gäste sich zu mischen begannen, bahnte sich Damian mit zielstrebigen Schritten seinen Weg durch die Menge. Er blieb vor uns stehen und wechselte mit ruhigen, professionellen Worten höfliche Händedrücke mit Richard, während sie den bevorstehenden Merger besprachen. Doch als sein Blick zu mir herüberschwankte, beugte er sich unter dem Deckmantel eines beiläufigen Gesprächs ein wenig näher vor, und seine Stimme sank zu einem leisen, intimen Murmeln herab, das nur für meine Ohren bestimmt war:
„Ein Callboy, was?“
Die Worte jagten mir einen heftigen Schauer über den Rücken, und meine Hände begannen zu zittern, während ich instinktiv nach meinem kaum vorhandenen Bauch griff. Richard war begeistert von der persönlichen Aufmerksamkeit eines so mächtigen Mannes und strahlte vor ahnungsloser Gier, völlig im Unklaren über den Sturm, der sich nun um uns herum zusammenbraute. Ich stand wie erstarrt neben meinem Ehemann, während der Vater meines ungeborenen Kindes mit dunklem Amüsement lächelnd davonging und mich mit der niederschmetternden Erkenntnis zurückließ: Der Fremde, den ich angeheuert und bezahlt hatte, entpuppte sich als einer der mächtigsten und gefährlichsten Männer des Landes.
Und er erinnerte sich an jede einzelne Sekunde der Nacht, die wir geteilt hatten.