Der Morgen - Part 2

1024 Words
Es war ein wunderschöner sonniger Tag im Juni. Der Himmel leuchtete azurblau und die Sonne schickte mir ihre warmen, freundlichen Strahlen ins Gesicht. Beim Fahren störten diese allerdings, weshalb ich meine Sonnenbrille aufsetzen musste. So ergab es dafür nochmal ein wesentlich beeindruckenderes Gesamtbild, als ich gleich an der Kreuzung neben der Bushaltestelle hielt, an der immer viele Kinder auf den Bus warten. "Musik: check, Sonnenbrille: check, jetzt noch einen Arm aus dem Fenster... uuund rein da." In dem Moment stellte ich mir die Frage, warum ich es so nötig hatte, meine Coolness kleinen Kindern unter Beweis zu stellen. Ich beließ es bei dem Statement, dass man noch genug Zeit zum erwachsen werden habe. Erster Halt war bei meinem Kumpel Bruno. Wir hatten uns abgesprochen, dass ich ihn mit zum Treffpunkt nehme. Er hat noch keinen Führerschein, und das wird in absehbarer Zeit auch erstmal so bleiben. Er versichert mir jedes Mal, dass er ihn schon bald machen wird, allerdings steht diese Versicherung nun schon seit einem Jahr im Raum. Als guter Freund ist es daher meine Aufgabe, ihn so oft es geht damit aufzuziehen. Ich schaute nervös auf meine Handy Uhr. "Schon nach sieben? Verdammt!" Ich sollte 6:50 Uhr bei Bruno sein, damit wir noch entspannt ankämen. Endlich schaltete die Ampel an der Kreuzung auf grün. Mit quietschenden Reifen fuhr ich an. 5 Minuten später fuhr ich auf die Auffahrt von Brunos Haus. Er stand bereits nervös mit zwei Koffern in der Hand da. "Wie lange brauchst du denn, um deinen Arsch hier her zu bewegen? Du wohnst doch nur gottverdammte fünf Kilometer entfernt!" Ich kam neben ihm zum Stehen und sah ihn durch das offene Seitenfenster an. "Tut mir Leid. Ich fühlte mich heute morgen, als wäre ich aus einem mehrmonatigen Koma erwacht." Bruno stopfte seine zwei riesigen Koffer in den Kofferraum und machte es sich auf dem Beifahrersitz bequem. "Hmm. Das kenne ich. Meist allerdings in Verbindung mit Alkohol." Ich lachte. "Wer kennt das nicht?" Während ich rückwärts aus Brunos Grundstück rausfahren wollte, fielen mir seine riesigen Koffer auf, durch die ich kaum noch etwas durch das Rückfenster sehen konnte. "Sag mal.. ziehst du um oder so?" Er blickte mich irritiert an. "Wie? Warum?" Ich deutete auf seine Koffer. Bruno musste grinsen. "Ach, du weißt doch wie ich bin. Besser zu viel, als zu wenig lautet mein Motto." Ich ächzte. "Du bist schon ein Fall für sich." Bruno kramte eine Red Bull Dose hervor. "Danke mein Bester." Wir verließen das Grundstück und bogen auf die Hauptstraße ein. "Wir müssen uns jetzt echt beeilen Bro", sagte er. Ich schaute erneut auf die Uhr. "In zehn Minuten fährt erst der Bus los. Das schaffen wir." Bruno nahm einen nervösen Schluck aus seiner Red Bull Dose. "Wenn du meinst." "Wie kannst du diesen Mist eigentlich trinken?", fragte ich ihn aggressiv. "Du weißt, dass dieses Gesöff größtenteils nur aus Zucker besteht." "Ja, klar. Es ist mir eben nur egal." "Dann ist es so. Wenn du eines Tages wegen einer Fettleber ins Krankenhaus musst, beschwer dich nicht bei mir." Er schaute mich mit einer gespielten Theatralik an. "Meinst du wirklich?? Oh je! Würdest du mich wenigstens im Krankenhaus besuchen kommen, wenn es mit mir zu Ende geht?" Er nahm einen erneuten, provokanten Schluck aus der Dose. "Na klar. Ich tue dir sogar den Gefallen und ziehe den Stecker." Aus irrationalen Gründen, die nur Bruno selbst kennt, amüsierte ihn dieser Satz so sehr, dass er drauf los prustete und den gesamten Inhalt seines Mundes gegen die Windschutzscheibe rotzte. "Mensch Bruno! Du Schwein!" Ich konnte nicht sehr lange ernst bleiben und ließ mich von seinem Lachen mitreißen. "Guck dir das an! Guck dir das an!", rief ich im Gelächter. "Wie kann man dich überhaupt in die Zivilisation entlassen?" Wir konnten beide nicht mehr aufhören, zu lachen. Als wäre die ganze Situation nicht schon lächerlich genug, musste Bruno von der ganzen Kohlensäure auch noch laut und unkontrolliert mehrmals rülpsen, während er fast an seinem Lachen erstickte. Die nächste Welle an Lachattacken überkamen mich. "Mit dir habe ich einen Fang gemacht, Bruno. So viel ist sicher." Langsam kriegten wir uns beide wieder ein. "Tut mir Leid wegen der Sauerei", sagte er. "Alles gut. Du bist schließlich derjenige, der das sauber machen darf." Er nickte. "Fair enough." Wir bogen in die Straße ein, in der der Bus hielt. Alle hatten bereits ihre Plätze eingenommen. Nur der Lehrer stand ungeduldig noch draußen. Sein Blick erfasste uns durch die Scheibe. Ich parkte das Auto am Bordstein und wir stiegen aus. "Wird aber auch Zeit!", sagte Herr Börner. Er erblickte die undefinierbare, matschige Substanz auf meiner Windschutzscheibe. "Habt ihr auf der Fahrt hierher ein Reh überfahren? Seid ihr deswegen so spät?" Ich lachte. "Nein... mein Kollege hier konnte seine Flüssigkeiten nicht in sich behalten." Herr Börner näherte sich der Scheibe und musterte sie mit einem inspizierenden Blick. Darauf sah er mich erschrocken an. "Meinst du damit etwa...?" Mein Gesicht wurde rot. "Um Gottes Willen, nein!" Nun wurde mir die Zweideutigkeit meiner Aussage erst bewusst. "Er hat sein Getränk vor Lachen herumgespuckt." "Achso! Na dann..." Wir schauten uns kurz alle amüsiert gegenseitig an, bis Herr Börner die Uhrzeit realisierte. "Jetzt aber los! Ihr seid die Letzten. Bei einem Aufenthalt in einem 4 Sterne Hotel möchte man schließlich keine Minute verschwenden." "Da haben Sie Recht", erwiderte ich. Wir betraten den Bus. Die Klassenkameraden schauten uns mit einem Blick an, der alles sagte: "Typisch Max und Bruno." Ich hatte das Gefühl, mich entschuldigen zu müssen. "Sorry! Das geht auf meine Kappe. Hab's etwas verschlafen." "Ach, kein Ding!" Ich schaute in die Richtung, aus der die Stimme kam. Es war Elisa, die mich anlächelte. Darauf reagierte ich etwas perplex, da es das erste Mal war, dass Elisa Worte direkt an mich formulierte. "Sehr freundlich!", sagte ich mit einer übertriebenen Höflichkeit. Sie lachte. Hinter uns drängelte sich Herr Börner in den Bus. "Bitte nicht stehen bleiben. Sucht euch freie Plätze. Dankeschön!" Bruno und ich gingen hinter und setzten uns in die letzte Reihe, direkt hinter Elisa und ihrer Freundin. Elisa drehte sich um und lächelte mich an. Ich erwiderte das Lächeln. "Na dann.. Abfahrt!", rief Herr Börner. "Bitte alles anschnallen!"
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