KAPITEL 10 BETRÜGER

496 Words
„Ein Waffenstillstand? Was für ein Waffenstillstand?“, fragte Alina mit deutlich sichtbarer Verwirrung im Gesicht. „Also, Miss Alina, wir sind beide erwachsen genug, um zu akzeptieren, dass wir uns körperlich zueinander hingezogen fühlen, und wir haben uns schon geküsst und so weitergemacht. Warum machen wir also nicht einfach weiter?“, schloss ich grinsend. Es war eine einfache Abmachung. „Tut mir leid, dass ich Sie nicht richtig verstanden habe, Mr. Joel. Können Sie das bitte wiederholen?“ Wenn sie vorher schon verwirrt war, war sie jetzt völlig hin und her gerissen. „Ganz einfach. Wir treffen uns, wenn wir Zeit haben, haben s*x, und das ist alles.“ Ich erklärte es ihr, als würde ich einem Kindergartenkind erklären, dass A immer vor B kommt. Sie wirkte nicht gerade überzeugt. „Sind wir also Fickfreunde?“ Ich musste über ihre Wortwahl lachen. Aber es stimmte tatsächlich. „Ja. Fickfreunde, Freunde mit gewissen Vorzügen oder wie auch immer man das nennt, das sind wir oder können wir sein, wenn Sie mir zustimmen, Miss Alonso.“ „Na ja, ich stimme Ihrer exquisiten Idee aber zu. Klingt doch ganz einfach, oder? Abgemacht?“ Sie streckte mir ihre Hand zum Händedruck entgegen, um die Abmachung zu bestätigen. Ich hob meine Hand, um ihr zu schütteln, hielt aber mittendrin inne. Alina musterte mich und meine Hand, die in der Luft hing. „Miss Alina, ich denke, wir sollten zuerst die Regeln besprechen.“ „Regeln? So?“ „Nun, ich habe nur zwei, aber Sie können Ihre hinzufügen. Erstens erzählen wir niemandem von unserer Abmachung, das verstehen Sie ja schon.“ „Und zweitens?“, fragte sie mit hochgezogener Augenbraue. Für eine erfolgreiche Geschäftsfrau war sie ganz schön ungeduldig. „Nicht verlieben.“ Ich hatte nichts gegen Liebe, aber sie machte die Dinge sowieso nur komplizierter. „Nun, ich würde auch gerne ein paar eigene hinzufügen.“ Sie sagte genervt: „Nur zu.“ „Es ist nur s*x, also kein Kuscheln und die ganzen Turteltauben-Momente danach. Keine persönlichen Fragen.“ Sie legte ihre Richtlinien fest. Na ja, ich hatte sowieso kein Problem damit. „Abgemacht?“ Sie streckte ihre Hand aus und ich schüttelte sie. Wir bezahlten die Rechnung und gingen zum Auto. Wir fuhren schweigend. Alina telefonierte mit gerunzelter Stirn. Ich dachte, es ginge ums Geschäft, also störte ich sie nicht. Ich stellte den Motor vor ihrem Bürogebäude ab. Wir verabschiedeten uns, und sie stand gerade auf, als sie dazwischenfuhr. „Mr. Joel?“ „Ja, Miss Alonso.“ „Was ist, wenn sich einer von uns verliebt?“ Oh. „Na dann darf der andere das Verliebtsein bestrafen.“ „Eine Strafe? Welche Art?“ „Nun, das sollte derjenige entscheiden, der sie verhängt.“ „Okay. Tschüss.“ Sie ging wortlos. War sie sauer? Aber sie war doch einverstanden, oder? Ihre Stimme ging mir noch lange im Kopf herum, als ich zurück ins Büro fuhr. Was, wenn sich einer von uns verliebt?
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