Kapitel Zwei

1089 Words
Die Luft in der Master-Suite wurde kalt. Die Nachricht von Julians Überleben brachte Clara nicht die Erleichterung, die sie erwartet hatte; es brachte einen erstickenden, metallischen Hauch von Angst mit sich. Elias war nicht mehr der Mann, der gerade ihr Bett geteilt hatte; Er war eine Kriegsmaschine, die sich in Echtzeit neu kalibrierte. „Du lügst“, hauchte Clara mit brüchiger Stimme, als sie auf das körnige Wärmebild starrte. „Sie sagten mir, er sei ins Kreuzfeuer geraten. Sie sagten, es gäbe nichts mehr zu begraben.“ „Ich habe dir gesagt, was mein Geheimdienst vorgeschlagen hat“, schnappte Elias, während er bereits die Seidenrobe auszog und ein taktisches Unterhemd anzog. Seine Bewegungen waren hektisch und doch präzise. „Aber Julian konnte immer besser verschwinden, als ich ihm zugetraut habe. Wenn er lebt und derjenige ist, der hinter der Lücke in Zurich steckt, dann ist jede Sekunde, die wir mit Reden verbringen, eine Sekunde, die ich ihm gebe, um eine Sichtlinie zu diesem Haus zu finden.“ Er holte eine Pistole aus dem Nachttischsafe und überprüfte die Kammer mit einem metallischen Klackern, das Clara zusammenzucken ließ. Die Spannung im Raum war eine physische Belastung, ein scharfer Kontrast zu der fleischlichen Hitze, die den Raum erst zwanzig Minuten zuvor erfüllt hatte. „Er würde dich nicht ohne Grund töten“, rief sie und stand auf, während die Bettdecke herunterfiel. „Wenn er dich holt, dann wegen dem, was du uns angetan hast! Was du mir angetan hast!“ Elias drehte sich um und für einen Moment brach die Kälte. Er überwand die Distanz mit zwei Schritten, seine Hand ergriff ihren Kiefer und zwang sie, aufzublicken. „Er will mich holen, weil ich das Einzige bin, was zwischen ihm und dem Thron steht, den er seiner Meinung nach verdient. Und du? Du bist der einzige Hebel, der mir noch bleibt. “ Seine Wut war etwas Lebendiges, dunkel und elektrisierend. Die Angst vor der Bedrohung von außen schien in ihm eine andere Art von Verzweiflung zu entfachen. Er schob die Waffe in seinen Hosenbund und drückte sie mit dem Rücken gegen die schwere Mahagonitür des Kleiderschranks. Der Übergang war gewaltsam und plötzlich. Das Adrenalin des bevorstehenden Angriffs, der Verrat, dass ihr Bruder noch am Leben war, und der Anblick von Clara, die trotzig und halbbekleidet dastand, brachten seine hochfunktionale Libido ins Trudeln. Diesmal fragte er nicht. Er behauptete. Sein Mund krachte gegen ihren und schmeckte nach Adrenalin und Eisen. Es war ein chaotischer, strafender Kuss, der ihre Fragen und Proteste unterdrücken wollte. Clara versuchte ihn wegzustoßen, ihr Herz hämmerte in hektischem Rhythmus gegen seine Brust, aber die bloße körperliche Präsenz von ihm war überwältigend. Das „Dunkle“ in ihm war jetzt draußen, roh und ungefiltert. Er musste seinen Puls in ihr spüren, musste sich in dem einzigen Ding verankern, das er tatsächlich besaß, bevor die Welt da draußen zur Hölle ging. Er hob sie hoch, ihre Beine schlangen sich instinktiv um seine Taille, während er sie mit dem Rücken gegen das Holz drückte. Die Intensität war überwältigend – ein 18+-Fiebertraum, angetrieben von dem Wissen, dass dies möglicherweise die letzte Nacht war, in der die Festung stattfand. Elias war unerbittlich, seine Hände strichen mit besitzergreifendem Fieber über ihre Haut und markierten sie als seine, während der Schatten ihres Bruders über ihnen aufragte. Der Intimität wurde sogar die Fassade der Romantik entzogen; Es war ursprünglich, ein Zusammenstoß zweier Menschen, gefangen in einem Vakuum der Gewalt. Claras Kopf schlug gegen den Kleiderschrank, ein leises Stöhnen entfuhr ihr, halb Schluchzen, halb Hingabe. Sie hasste die Art und Weise, wie er ihr dieses Gefühl vermitteln konnte – dieses verzweifelte, umklammernde Bedürfnis –, selbst wenn er ihre Familie bedrohte. Er war ein Monster, aber er war ein Monster, das jeden Nerv in ihrem Körper kannte, und in der Dunkelheit des Raumes, während die roten Notlichter des Terminals wie ein Herzschlag blinkten, ließ sie zu, dass er sie verzehrte. Wannes war vorbei, die Stille war zerklüftet. Elias zog sich dieses Mal nicht sofort zurück. Er hielt seine Stirn an ihre gedrückt und sein Atem ging in unregelmäßigen, schweren Stößen. „Wenn er durch diese Tür kommt“, flüsterte Elias und seine Stimme vibrierte an ihren Lippen, „werde ich ihn töten, Clara. Verstehst du? Es ist mir egal, wessen Blut er teil. Ich werde eine Kugel in ihn jagen, um dich zu behalten. “ Das Geständnis fühlte sich eher wie eine Drohung als wie ein Schutzgelübde an. Er ließ sie auf die Füße fallen und griff nach seiner Jacke. Die Kälte kehrte augenblicklich zurück und die Maske des Mercenary-CEOs rastete wieder ein. Er schaute auf seine Uhr. „Das Extraktionsteam ist fünf Minuten entfernt. Wir bewegen uns in den Kellerbunker. Schnappen Sie sich nichts. Bewegen Sie sich einfach.“ Clara stand da, ihr Körper schmerzte, ihr Geist war ein Wirbelwind aus Julians Gesicht und Elias‘ Berührung. Sie folgte ihm hinaus in den Flur, wo die stillen, schattenhaften Gestalten seiner Elite-Sicherheitseinheit bereits Stellung bezogen. Das Haus fühlte sich anders an – kein Zuhause mehr, sondern eine Tötungsstation. Sie erreichten die schweren Stahltüren des Aufzugs, der zu den Untergeschossen führte. Elias scannte seine Handfläche, das Licht wurde grün. Doch als sich die Türen zu öffnen begannen, flackerten die Lichter im gesamten Flur und erloschen. Totale Dunkelheit. Ein hohes, elektronisches Heulen erfüllte die Luft – das Geräusch eines Signalstörsenders. Dann der Geruch von Ozon. „Elias?“ Clara streckte im Dunkeln ihre Hand aus und ergriff seinen Ärmel. "Unten bleiben!" brüllte er und stieß sie zu Boden, als das verstärkte Glas des Oberlichts drei Stockwerke darüber in eine Million diamantenscharfer Scherben zersprang. Durch das Loch in der Decke fiel ein einzelner schwarzer Zylinder und zischte weißen Rauch. Es war kein Blitzschlag. Aus der Dunkelheit des Flurs hinter ihnen ertönte eine Stimme – eine Stimme, die Clara seit zwei Jahren nicht mehr gehört hatte, jetzt tiefer, aber erschreckend vertraut. „Du warst immer zu sehr von deinen Spielsachen abgelenkt, Thorne. Du hast vergessen, auf die Hintertür aufzupassen.“ Ein Laservisier, ein winziger roter Punkt tödlicher Präzision, tanzte über die Wand, bevor er direkt in der Mitte von Elias‘ Brust landete. Clara erstarrte, ihr Atem stockte, als eine Gestalt aus dem Rauch auftauchte, gekleidet in schwarze taktische Ausrüstung und mit einem schallgedämpften Gewehr in der Hand. Der Mann sah Elias nicht an. Er sah Clara direkt an. „Hey, kleine Schwester“, sagte Julian und drückte den Finger fester auf den Abzug. „Gehen Sie zur Seite. Ich bin gekommen, um die Schulden einzutreiben.“
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