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Die unsichtbare Ehefrau des Milliardärs

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Seraphina Vale hat drei Jahre lang wie ein Geist in den kalten, opulenten Hallen des Blackwood-Anwesens gelebt. Als Ehefrau des mächtigen Milliardärs und CEO Alexander Blackwood hat sie die Kunst der Unsichtbarkeit perfektioniert und eine Ehe ertragen, die von emotionaler Vernachlässigung und distanzierter Gleichgültigkeit geprägt ist. Während sie ihre Pflichten gewissenhaft erfüllt und das Bild einer gefassten Ehefrau wahrt, behandelt ihr Mann sie wie ein bloßes logistisches Detail, nicht wie eine Partnerin, und klammert sich an die Erinnerung an eine vergangene Liebe.Der fragile Status quo zerbricht, als Alexander plötzlich seine Entscheidung verkündet, die Scheinehe zu beenden. Doch es gibt eine letzte Klausel: eine dreißigtägige Bedingung, die Seraphina zwingt, im Haus zu bleiben, während der Countdown zur Scheidung läuft.In diesen letzten dreißig Tagen vollzieht sich eine stille Wandlung. Seraphina hört auf, auf Alexanders Aufmerksamkeit zu warten, und beginnt, die Identität zurückzugewinnen, die sie in seinem Schatten verloren hat. Während sie sich auf ein neues, unabhängiges Leben vorbereitet, führen ihr neu gewonnenes Selbstvertrauen und ihre emotionale Distanz zu einer Störung, die Alexander nie vorhergesehen hat.Als Seraphina ihn schließlich verlässt, bleibt Alexander nur ein hohler Sieg. Konfrontiert mit ihrer Abwesenheit und dem Auftauchen eines neuen, ihn unterstützenden Mannes in ihrem Leben, beginnt Alexanders geordnete Welt zu zerbröckeln. Er erkennt bald, dass er in seinem Streben nach Logik und Stabilität die einzige Person, die ihm wirklich etwas bedeutete, aus seinem Leben verbannt hat.Nun muss der Jäger zum Werber werden. Um sie zurückzugewinnen, muss Alexander beweisen, dass er zu mehr fähig ist als nur zu einem Vertrag; er muss Seraphina zeigen, dass er sie endlich sieht – nicht als die Frau eines Milliardärs, sondern als die Frau, ohne die er nicht leben kann.

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Kapitel 1: Die Ehefrau, die es nicht gab
„Du bist schon wieder zu spät.“ Die Worte entfuhren ihr, bevor sie sich zurückhalten konnten. Stille folgte. Nicht laut. Nicht scharf. Einfach … leer. Wie das Haus selbst. Seraphina Vale stand am Kopfende des Esstisches, die Finger leicht auf dem polierten Marmor, als könne die kalte Oberfläche das plötzliche Zittern in ihren Knochen beruhigen. Alexander Blackwood sah sie nicht an. Mit langsamer Präzision löste er seine Manschettenknöpfe, die Bewegungen sauber, bedächtig. Jede Handlung war abgewogen. Kontrolliert. Als ob die Zeit sich nur für ihn beugte. „Wie gesagt“, fügte sie leiser hinzu, „Essen …“ „Ich habe dich nicht gebeten zu warten.“ Die Worte verhallten ungehört. Ohne Schärfe. Ohne Irritation. Schlimmer noch. Etwas in ihrer Brust schmerzte. Nicht genug, um zu zerbrechen. Nur genug, um sie daran zu erinnern, dass es passieren konnte. Die Uhr an der gegenüberliegenden Wand tickte zu laut. Jede Sekunde kratzte an ihren Nerven. „Ich habe nicht gewartet“, sagte sie. Eine Lüge. Dünne. Durchsichtige. Seine Jacke glitt von seinen Schultern. Der Stoff raschelte leise, als er sich über seinen Arm legte. Teuer. Makellos. Unberührt von so banalen Dingen wie häuslichen Spannungen. „Du solltest essen, wenn du Hunger hast“, fuhr er fort und ging bereits an ihr vorbei. „Es gibt keinen Grund, deinen Zeitplan zu ändern.“ Deinen Zeitplan ändern. Nicht unseren. Niemals unseren. „Ich habe dein Lieblingsessen gekocht“, sagte sie, nun leiser, fast vorsichtig. „Das …“ „Ich habe keine Lieblingsgerichte.“ Er ging weiter. Wurde nicht langsamer. Sah nicht zurück. Das Geräusch seiner Schritte verhallte im Flur, verschluckt von der gewaltigen, sterilen Stille des Hauses der Blackwoods. Und so war er verschwunden. Wieder. Seraphina stand lange da. Zu lange. Die Luft roch schwach nach Rosmarin und angebranntem Fleisch. Der Geruch klebte ihr bitter im Hals. Der Stuhl ihr gegenüber blieb leer. Wie immer. Ein langsamer Atemzug drang in ihre Lungen, stockte aber auf halbem Weg. Er wollte einfach nicht zur Ruhe kommen. Schon gut. Der Gedanke kam wie von selbst. Eingeübt. Abgenutzt von der Wiederholung. Er ist beschäftigt. Das ist normal. Das wusstest du. Ihre Finger lösten sich vom Marmor. Die Kälte blieb noch lange auf ihrer Haut, nachdem sie einen Schritt zurückgetreten war. Natürlich hatte er keine Lieblinge. Ein leises Klappern durchbrach die Stille, als einer der Diener zögernd vortrat. „Madam … sollen wir den Tisch abräumen?“ Madam. Die Anrede passte nicht. Zu förmlich. Zu distanziert. Als wäre sie eine Gästin, die zu lange geblieben war. Seraphina blickte auf das gedeckte Buffet. Perfekt angerichtet. Sorgfältig angerichtet. Jedes Detail bedacht. Unberührt. „Ja“, sagte sie. Ihre Stimme klang sanft. Gleichmäßig. Unkenntlich. „Abräumen.“ Die Bediensteten bewegten sich schnell und effizient. Teller wurden abgeräumt. Besteck eingesammelt. Eine stille Choreografie von Menschen, die darauf trainiert waren, nicht zu verweilen. Keine Fragen zu stellen. Nicht zu sehen, was sie nichts anging. Oben erstreckte sich der Flur lang und still, gesäumt von Wänden, die zu sauber, zu perfekt glänzten. Eine Perfektion, die erdrückend wirkte. Ihre Schritte waren auf dem Marmorboden kaum zu hören. Selbst das Haus weigerte sich, ihre Anwesenheit wahrzunehmen. Die Tür zu Alexanders Arbeitszimmer stand einen Spalt offen. Licht strömte durch den Spalt. Warm. Golden. Lebendig, wie es im Rest des Hauses nicht der Fall war. Sie hielt inne. Nur einen Augenblick lang. Gerade lang genug, dass Zweifel in ihr aufstiegen und kalte Finger sich um ihren Rücken schlangen. Drei Jahre. Drei Jahre davon. Eine Hand hob sich, bevor sie es verhindern konnte. Klopfte leicht gegen das Holz. Eine Pause. Dann … „Herein.“ Keine Wärme. Keine Neugier. Nur Erlaubnis. Sie stieß die Tür auf. Alexander saß hinter seinem Schreibtisch, die Ärmel ordentlich bis zu den Unterarmen hochgekrempelt, die Krawatte nur so weit gelockert, dass es Lässigkeit suggerierte, ohne sie tatsächlich zuzulassen. Papiere lagen vor ihm in akkurater Ordnung ausgebreitet. Ein Glas Whiskey stand unberührt neben ihm. Immer unberührt. Wie alles andere in diesem Haus. „Ich …“ Ihre Stimme stockte. Räusperte sich. „Dieses Wochenende ist eine Wohltätigkeitsgala. Die Veranstaltung der Blackwood Foundation.“ Er blickte nicht auf. „Ich weiß.“ „Ihre Mutter hat gefragt, ob wir zusammen hingehen würden.“ Ein Stift glitt über das Papier. Sanft. Entschlossen. Er unterschrieb etwas, das wahrscheinlich mehr gekostet hatte als ihr ganzes Leben vor dieser Ehe. „Du kannst gehen.“ Diesmal trafen die Worte schneller. Präziser. Kein Raum für Missverständnisse. „Wir werden als Paar erwartet“, sagte sie und krallte sich mit den Fingern in den Türrahmen. „Es ist … wichtig.“ Eine Pause. Schließlich hielt der Stift inne. Er lehnte sich leicht zurück und hob den Blick zu ihr. Und für einen kurzen, verwirrenden Moment … fühlte es sich an, als würde er beobachtet. Graue Augen. Scharf. Berechnend. Sie musterten sie wie ein Scanner, ohne zu verweilen, ohne zu saugen. „Ich habe heute Abend ein Meeting.“ „Kann es verschoben werden?“ Die Frage rutschte ihr heraus, bevor sie sie abwägen konnte. Ein Fehler. Etwas in seinem Gesichtsausdruck veränderte sich. Nicht Wut. Nicht ganz. Verärgerung. Unterschwellig. Beherrscht. „Ist das nötig, Seraphina?“ Der Name Seraphina klang fremd in seinem Mund. Hitze stieg ihr in die Kehle, eine langsam ansteigende Flut der Scham, die sie nicht unterdrücken konnte. „Es ist nur ein Abend“, sagte sie, ihre Stimme klang selbst in ihren Ohren dünn. „Wir sind seit Monaten nirgendwo mehr zusammen gesehen worden. Die Leute fangen an zu …“ „Wozu?“ Die Unterbrechung war präzise. Sie brach ihren Satz mitten im Satz ab. „Spekulieren?“, beendete er den Satz. Sein Ton war nicht wütend; er war schlimmer. Er war gleichgültig. Sie antwortete nicht. Sie konnte nicht. Alexanders Blick wanderte zu ihr. „Und das beunruhigt dich?“ Ja. Das Wort schrie in ihr. Sie war es leid, ein Schatten in einem vollen Raum zu sein. Aber ihr Stolz war zerbrechlich, und er war alles, was ihr geblieben war. „Nein“, flüsterte sie. Eine weitere Lüge, die das Fundament ihres Lebens untergrub. Alexander zögerte keine Sekunde. Sein Blick fiel wieder auf die Dokumente auf seinem Schreibtisch, das Licht spiegelte sich in seiner Brille. „Dann sollte es keine Rolle spielen.“ Die Abweisung war endgültig. Eine Tür, die sich schloss. Als Seraphinas Hand vom kühlen Holz des Türrahmens glitt, spürte sie, wie etwas in ihrer Brust nachgab. Es war kein lauter Bruch … eher wie das dumpfe Knacken eines Knochens unter zu großer Belastung. Ein struktureller Versagen. „Dann gehe ich allein.“ „Tu das.“ Kein Zucken. Kein Zögern. Er dachte nicht einmal an die Außenwirkung, geschweige denn an ihre Gefühle. Warum auch? Sie spielte in seinen Überlegungen keine Rolle mehr. Sie wartete. Eine Sekunde. Drei. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen und flehte ihn an, aufzusehen, einen Funken Nachdenken zuzulassen. Die Stille blieb ungebrochen. Das Licht im Büro wurde stechend und blendete sie. „Gute Nacht, Alexander.“ Ein leises, gutturales „Mm“ war alles, was sie als Antwort erhielt. Sie drehte sich um und ging zurück, die Tür mit einem leisen, geübten Klicken hinter sich schließend. Sie hatte längst gelernt, dass man mit Türenknallen nur im Echo des eigenen Wutanfalls gefangen blieb. Sie stand wie erstarrt mitten auf dem Teppich. Im Spiegel blickte ihr eine Frau in einem blassen, teuren Kleid entgegen. Seraphina sah ein Meisterwerk der Fassung: perfekt hochgestecktes Haar, makellos blasse Haut, völlig leere Augen. Unsichtbar. Sie drückte zwei Finger gegen ihr Schlüsselbein und spürte den gleichmäßigen, rhythmischen Puls. Sie musste wissen, dass sie noch fest war, dass sie sich nicht im Flur in Rauch aufgelöst hatte. Hör auf damit, sagte sie sich. Er war schon immer so. Du kanntest die Bedingungen. Drei Jahre lang Ausreden. Drei Jahre lang hatte sie sich in die Ecken dieses Hauses zurückgezogen, bis sie kaum mehr als eine Silhouette war. „Nichts Persönliches“, murmelte sie. Die Worte fühlten sich an wie Asche. Ihr Blick wanderte zum Nachttisch und blieb an etwas hängen, das dort nicht hingehörte. Ein weißer Umschlag. Kein Absender. Kein „Mrs. Blackwood“. Nur Seraphina. Ein kalter Schauer lief ihr langsam und bedächtig über den Rücken. Sie hob den Umschlag auf; das Papier lag überraschend schwer in ihrer Handfläche. Darin befand sich eine schwarze Karte mit so scharfen Kanten, dass sie sich anfühlten, als könnten sie bluten. Dreißig Tage. Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Zwei Worte. Ein Countdown. Aber worauf? Aus dem Flur näherten sich die vertrauten, rhythmischen Schritte Alexanders. Er kam. Ihr Griff um die Karte verstärkte sich, sie knickte unter ihrem Daumen ein. Als sich der Türgriff drehte, erschien eine neue Textzeile auf der schwarzen Oberfläche, wie von unsichtbarer Hand geschrieben. Geh, bevor er es tut.

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