Kapitel 1
Im tiefsten Teil der Hölle, auf einem prächtigen Thron sitzend, befindet sich der König der Hölle höchstselbst – grummelnd und eine Gruppe von Wachen ausschimpfend.
Zu seiner Rechten sitzt Dracula, ein mächtiger Dämon, still mit hartem Gesichtsausdruck.
Zu seiner Linken sitzt Rezel, seine Geliebte – die mächtigste weibliche Dämonin, abgesehen von den sieben Todsünden.
„Ich habe einige Berichte gegen euch alle gehört. Kann mir jemand erklären, was passiert ist?“ Lucifers Stimme donnerte durch die Halle und ließ alle vor Angst erzittern.
Die Wachen hielten den Atem an, als sie das Schlimmste erwarteten. Siebzehn Wachen standen dort und zitterten. Sie waren gestern im Dienst gewesen, als sie die Geliebte dabei erwischt hatten, wie sie mit zwei Ältesten des Rates schlief. Sie hatte ihnen gedroht, und sie hatten keine andere Wahl, als nachzugeben – und jetzt war alles ans Licht gekommen.
Niemand wusste, wer die Information verraten hatte, aber das Gerücht hatte sich über Nacht verbreitet – zu ihrem großen Entsetzen.
Sie hatten sich gegenseitig befragt, ob einer von ihnen es gewesen war, doch keiner wusste etwas davon. Das machte sie nur noch besorgter.
Gerade als sie ihren Dienst wieder antreten wollten, wurden sie in die Halle gerufen.
Sie eilten dorthin – nur um herauszufinden, dass sie von der Geliebten hereingelegt worden waren.
Sie beschuldigte sie, versucht zu haben, sie zu vergewaltigen. Nachdem sie entkommen war, hätten sie Lügen über sie verbreitet.
Einer der Wachen hob den Blick – und sah ein selbstzufriedenes Lächeln auf ihrem Gesicht.
„Diese Bastarde verschwenden meine Zeit. Werft sie in das heiße Öl“, verkündete Lucifer und verschwand in sein Gemach.
Alle zerstreuten sich, während die Diener sie mitleidig ansahen. Die Wachen schrien und weinten, während sie fortgezerrt wurden.
Wenn ihr nur auf die Warnung gehört hättet, die ich euch gestern gegeben habe, wärt ihr jetzt nicht in dieser Lage, dachte Rezel mit einem spöttischen Lächeln auf den Lippen.
Sie stand anmutig auf und ging durch die Halle in Richtung Lucifers Zimmer.
Sie hätte sich einfach hinteleportieren können, aber Lucifer hasste es, wenn jemand plötzlich vor ihm auftauchte.
Er nannte es Respektlosigkeit.
Lucifer stand mit dem Rücken zur Tür, die Arme hinter dem Rücken verschränkt, während er aus dem Fenster blickte.
Sein Zimmer spiegelte seine Ausstrahlung wider: die Wände tiefschwarz gestrichen, ein großes, bequem aussehendes Bett in der Mitte, die Matratze ebenfalls schwarz. Hohe, schwarze Vorhänge umgaben den Raum, ein Nachttisch und zwei bequeme Sessel mit einem Glastisch dazwischen.
Es gab keine Lichtquelle, was dem Raum eine unheimliche Stimmung verlieh.
Doch alle in der Hölle waren an die Dunkelheit gewöhnt – auch er.
Seine Hände waren zu Fäusten geballt, sein Gesicht traurig. Er war nicht der Typ, der Emotionen zeigte, doch in diesem Moment verlor er beinahe die Kontrolle.
Die Tatsache, dass er den Fluch, der ihm vor Millionen Jahren auferlegt worden war, immer noch nicht brechen konnte, machte ihn kalt und erbarmungslos.
Er hatte unzählige Wege gesucht, ihn aufzuheben – vergeblich.
Immer bekam er dieselbe Antwort:
> „Du wirst niemals eine Halbseite haben!“
Es war schmerzhaft, mitanzusehen, wie die anderen Dämonen sich ineinander verliebten, heirateten, Kinder bekamen – während er dazu verdammt war, allein zu bleiben.
Seine persönliche Dienerin klopfte dreimal an die Tür und trat dann ein.
„Mein Herr“, sagte sie und reichte ihm mit gesenktem Kopf sein Blutgetränk in einem Weinglas.
Er nahm es ihr ab, und sie verließ den Raum – mit einem tiefroten Gesicht.
Sie hatte ein Faible für Lucifer. Wer hätte das nicht?
Er war so schön und faszinierend – selbst wenn er nie lächelte.
Wie wäre es wohl, wenn er lächeln würde? dachte sie, während sie ging.
Lucifer schnaubte, als er ihre Gedanken hörte. „Huren“, murmelte er.
Er nippte an seinem Blutgetränk und seufzte, während ihm tausend Gedanken durch den Kopf gingen.
Er nahm einen weiteren Schluck, genoss den Geschmack.
Da öffnete sich die Tür – und Rezel trat ein. Sie schritt katzenhaft auf ihn zu, ihre Hüften schwangen hin und her.
Ein Lächeln spielte auf ihren Lippen.
Lucifer drehte sich nicht um – er wusste bereits, wer es war.
Als sie ihre Arme um ihn legen wollte, begann ihre Haut zu brennen.
Sie schrie auf, riss die Hände zurück und rieb sie, um den Schmerz zu lindern.
Dann hob sie den Kopf – und traf auf Lucifers tödlichen Blick.
Seine Augen leuchteten feuerrot, als er sie anstarrte.
Rezel sank sofort auf die Knie, den Kopf gesenkt.
„Es tut mir so leid, mein Herr“, sagte sie und biss sich schuldbewusst auf die Lippe.
Sie hatte geglaubt, dass er sie mochte, weil er ihr geholfen hatte, die Wachen zu bestrafen. Sie hatte sich geirrt.
Sie zitterte, ihr Herz raste.
„Verschwinde!“ Seine Stimme donnerte durch den Raum.
„A-aber…“
Sie kam nicht weiter – ein Schlag traf ihr Gesicht, und sofort begann ihr ganzer Körper zu brennen.
Er hatte keinen Finger gerührt.
Sie brauchte keine weitere Aufforderung. Sie sprang auf und rannte hinaus, schreiend vor Schmerz.
Lucifer nahm noch einen Schluck seines Getränks und runzelte die Stirn, während er gedankenverloren hinaussah.
Werde ich jemals eine Halbseite haben?
Wie wird sie sein?
Werde ich sie jemals treffen?
Wird sie mich mögen?
Wird sie bei mir bleiben wollen?
Tausende unbeantwortete Fragen wirbelten in seinem Kopf.
Dracula trat ein und verneigte sich.
„Mein Herr, wir müssen jetzt gehen“, sagte er.
„Wir werden gehen – aber noch nicht“, antwortete Lucifer.
„Mein Herr, wir müssen jetzt zurück, sonst werden die Diener misstrauisch. Es ist bereits sieben Uhr morgens“, versuchte Dracula ihn zu überreden.
„Du weißt, dass es mir egal ist, ob sie etwas herausfinden. Ich kann ihre Erinnerungen einfach löschen“, knurrte Lucifer.
„A-aber, mein Herr…“
„Schweig!“ Lucifers Stimme donnerte durch das Zimmer.
„Du kannst jetzt gehen“, sagte er, und Dracula seufzte, verneigte sich und verließ den Raum.
Lucifer ballte die Fäuste und ging gedankenvoll in seinem Zimmer auf und ab.