Seine Worte klingen so ehrlich, dass ich nicht weiß, wie ich darauf antworten soll. Stattdessen lächle ich nur, während wir den Rest des Weges in schweigendem Einverständnis zurücklegen.
In meinem Kopf weiß ich, dass es kompliziert ist. Aber in meinem Herzen frage ich mich, ob diese Tage mit Simon mir zeigen könnten, wie einfach es sein könnte, wieder zu vertrauen.
Kapitel 3 – Peggy
Als wir die Tür zum Haus öffnen, schlägt uns die warme Luft entgegen. Lily wirft ihre Mütze und Handschuhe achtlos auf die Garderobe und läuft direkt in die Küche, wo der verlockende Duft von Zimtschnecken in der Luft liegt. Meine Mutter steht mit ihrer typischen Schürze am Herd und wirbelt umher, während sie mit einem Holzlöffel in einer Schüssel rührt.
„Oma! Was machst du da?“ Lilys Augen leuchten, als sie auf Zehenspitzen in die Schüssel linst.
„Zimtschnecken für später, Liebes. Aber zuerst solltet ihr euch aufwärmen.“ Meine Mutter wirft mir einen kurzen Blick zu. „Wie war’s auf dem Eis?“
„Toll!“ Lily strahlt. „Ich bin dreimal hingefallen, aber Simon hat mir geholfen.“
Ich schiebe meinen Schal ab und werfe ihn über den Stuhl. „Es war schön. Richtig voll, aber Lily hatte ihren Spaß.“
Simon steht hinter mir und schiebt die Tür mit der Schulter zu. „Das stimmt. Sie ist ziemlich schnell unterwegs gewesen. Ich musste mich anstrengen, um mit ihr mitzuhalten.“
„Simon, möchtest du auch eine Tasse Tee?“ Meine Mutter wirft ihm ein freundliches Lächeln zu.
„Sehr gern, danke.“
Er lehnt sich an den Türrahmen, seine Hände locker in den Taschen seiner Jacke, während meine Mutter zwei dampfende Tassen auf den Tisch stellt. Lily schnappt sich sofort einen Keks aus der Schale in der Mitte und setzt sich neben Simon.
„Mama, können wir morgen wieder hingehen?“ fragt Lily, während sie an ihrem Keks knabbert.
„Morgen? Vielleicht.“ Ich ziehe einen Stuhl heran und setze mich. „Wir müssen sehen, was noch ansteht.“
„Ich kann mit ihr gehen, wenn du beschäftigt bist“, bietet Simon an, und ich merke, wie sein Blick mich kurz streift, bevor er sich wieder auf Lily konzentriert.
„Das wäre nicht nötig“, sage ich schnell, obwohl ich innerlich merke, wie dankbar ich eigentlich wäre. Es ist seltsam, Simon so… verfügbar zu sehen. Früher war er immer auf Achse, ein Mann mit unzähligen Verpflichtungen.
„Es macht mir nichts aus.“ Sein Ton ist ruhig, fast beiläufig, aber ich spüre die Bedeutung dahinter.
„Mama, bitte!“ Lily zieht an meinem Ärmel, ihre Augen sind so voller Hoffnung, dass ich nur seufzen kann.
„Wir können das morgen früh entscheiden.“ Ich schenke ihr ein Lächeln, und sie nickt eifrig, zufrieden mit meiner Antwort.
Simon legt seine leere Tasse ab und räuspert sich. „Ich gehe noch eine Runde spazieren. Es ist noch früh. Möchtest du mitkommen?“
Überrascht sehe ich auf. „Jetzt?“
„Warum nicht? Frische Luft tut gut.“ Er lächelt leicht. „Außerdem dachte ich, wir könnten reden.“
„Reden?“ Ich spüre, wie meine Wangen heiß werden.
„Nichts Ernstes“, fügt er schnell hinzu, als würde er meine Unsicherheit bemerken. „Nur… es ist lange her, Peggy.“
Ich zögere einen Moment, bevor ich schließlich nicke. „Okay, lass mich nur kurz meinen Mantel holen.“
Draußen liegt eine sanfte Stille über dem Dorf. Die Straßenlaternen werfen einen warmen Schein auf den gefrorenen Schnee, und unsere Schritte knirschen leise, während wir nebeneinander hergehen. Es fühlt sich seltsam an – gleichzeitig vertraut und doch so anders.
„Wie fühlt es sich an, wieder hier zu sein?“ fragt Simon schließlich und bricht die Stille.
„Es ist… beruhigend“, gebe ich zu. „Aber auch ein bisschen schwer. So viele Erinnerungen.“
„Gute oder schlechte?“ Er sieht mich von der Seite an.
Ich lache leise. „Eine Mischung. Aber meistens gute. Ich meine, hier bin ich aufgewachsen. Hier habe ich alles gelernt, was wichtig ist.“
„Und hier hast du dein erstes Date gehabt“, fügt er hinzu, und ich merke, wie meine Wangen erneut heiß werden.
„Simon!“ Ich stoße ihn leicht mit der Schulter an. „Das ist ewig her.“
„Nicht für mich.“ Seine Worte sind leise, fast ein Flüstern, aber sie treffen mich tief.
Für einen Moment sage ich nichts, und wir gehen einfach weiter. Die Straßen sind menschenleer, und die Lichter in den Fenstern der kleinen Häuser flackern wie stille Zeugen unserer Unterhaltung.
„Warum bist du zurückgekommen?“ fragt er schließlich.
Ich bleibe stehen und blicke auf den gefrorenen See in der Nähe. „Weil ich einen Neuanfang brauchte. Nach der Scheidung… wollte ich Lily einen Ort geben, an dem sie sich sicher fühlt. Und ich dachte, das hier wäre der richtige Ort.“
Simon nickt langsam. „Es war eine schwere Zeit für dich, oder?“
„Ja“, sage ich ehrlich. „Aber es wird besser. Ich habe das Gefühl, dass ich endlich wieder atmen kann.“
„Das freut mich.“ Sein Ton ist ehrlich, und ich drehe mich um, um ihn anzusehen.
„Und du? Warum bist du zurück?“
„Ich…“ Er zögert, bevor er tief einatmet. „Manchmal weiß man nicht, wie sehr man etwas vermisst, bis man es nicht mehr hat. Ich dachte, ich könnte hier etwas finden, was ich verloren habe.“
Seine Worte lassen mein Herz schneller schlagen, und ich merke, dass ich den Atem anhalte.
„Peggy.“ Seine Stimme holt mich aus meinen Gedanken. „Ich weiß, dass ich damals viele Fehler gemacht habe. Aber ich bin hier, weil ich hoffe, dass ich manche davon wiedergutmachen kann.“
„Simon…“ Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Seine Worte überraschen mich, und gleichzeitig wecken sie Erinnerungen an die Vergangenheit, die ich so lange begraben wollte.
„Ich will nichts überstürzen“, fügt er schnell hinzu. „Aber ich hoffe, dass wir vielleicht… Freunde sein können. Oder zumindest wieder miteinander reden können.“
Ich nicke langsam, unsicher, was ich sonst tun soll. „Das können wir.“
„Danke.“ Sein Lächeln ist ehrlich, und für einen Moment fühlt es sich an, als wäre die schwere Last zwischen uns ein kleines bisschen leichter geworden.
Wir kehren zum Haus zurück, wo die Wärme uns empfängt. Lily ist auf dem Sofa eingeschlafen, eine halbleere Schale mit Popcorn auf dem Couchtisch vor ihr. Meine Mutter wirft uns einen kurzen Blick zu und hebt eine Augenbraue.
„Hattet ihr einen schönen Spaziergang?“
„Ja“, sagt Simon, bevor ich antworten kann. „Es ist schön ruhig draußen.“
„Gut.“ Meine Mutter nickt, ihre Augen huschen kurz zwischen uns hin und her, bevor sie sich wieder auf ihre Strickarbeit konzentriert.