Amelias Sicht Beim zehnten Entwurf glaubte ich nicht mehr, dass die Kundin wusste, was sie wollte. Beim elften glaubte ich nicht mehr, dass sie überhaupt etwas wollte. Das Stadthaus roch leicht nach frischer Farbe und Unentschlossenheit. Stoffmuster lagen verstreut auf dem Esstisch – Samt, Leinen, Bouclé – jedes mit einem ordentlichen Etikett versehen, das ich vor Wochen gedruckt hatte. Keines ausgewählt. Alle abgelehnt. Manche sogar zweimal. Die Kundin lief auf und ab. Barfuß auf dem schützenden Teppich. Seidenmorgenmantel trotz des Mittagslichts. Das Handy in der Hand, der Bildschirm erhellte ihr Gesicht in schnellen, unruhigen Blitzen. „Ich hasse es“, sagte sie. Ich behielt einen neutralen Gesichtsausdruck. „Welchen Teil?“ „Alles.“ Das Wohnzimmer hatte bereits drei Versionen durchlau

