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Die Silberwölfin

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In der Nacht, in der ihre Wölfin erwachen sollte, entdeckt Diana Nightshade ihren Schicksalsgefährten – und verliert ihn im selben Augenblick. Vor den Augen ihres gesamten Rudels wird sie zurückgewiesen und als wolflos abgestempelt. Für Diana bleiben nur Demütigung und ein gebrochenes Herz.

Was niemand weiß: Ihre Wölfin ist keineswegs verschwunden.

Artemis ist uralt. An den Mond gebunden. Gefährlich.

Während Diana ein brutales Training durchsteht und lernt, die Macht zu beherrschen, die vor der Welt verborgen wurde, entdeckt sie ein Vermächtnis, das mit Mondmagie und längst vergessenen Wächtern verbunden ist. Ihre Zurückweisung war nicht das Ende ihrer Geschichte. Sie war der Anfang von etwas weitaus Größerem.

Als der Mond aufgeht und die Wahrheit ans Licht kommt, muss sich das Rudel, das Diana einst den Rücken gekehrt hat, der Macht stellen, die es selbst achtlos verstoßen wollte.

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Kapitel Eins
„Ich, Asher Stormrider, Alpha des Crimson-Fang-Rudels, weise dich, Diana Nightshade, als meine Luna zurück.“ Die Worte trafen sie wie eine Klinge aus Eis und Feuer. Für einen Herzschlag existierte die Welt nicht mehr. Irgendwo in weiter Ferne knisterte das Lagerfeuer. Das Gemurmel des Rudels verklang in einer dumpfen, dröhnenden Leere. Dann kam der Schmerz – heftig, alles verzehrend und erbarmungslos. Er raste durch Dianas Brust, als würden unsichtbare Krallen sie von innen zerreißen. Ihre Knie gaben nach. Mit einem abgehackten Keuchen entwich ihr die Luft aus den Lungen. Es fühlte sich an, als würde ihre Seele aus ihrem Körper gerissen und qualvoll Stück für Stück durch ihr Herz nach draußen gezerrt. Sie presste eine Hand auf ihre Brust. Ihre Finger zitterten, während sich ihre Nägel in den Stoff gruben. Tränen brannten hinter ihren Augen. Kein Schmerz, keine Verletzung, kein gebrochener Knochen und keine Strafe, die sie je ertragen musste, kam dem hier auch nur nahe. Nicht einmal ihrem schlimmsten Feind wünschte sie solche Qualen. „Warum …?“ Das Wort kam kaum hörbar über ihre Lippen. Das sollte ihre Nacht sein. Ihr achtzehnter Geburtstag. Die Nacht, die sie mit ihrem Rudel feiern sollte, umgeben von Wärme und Lachen. Sie sollte auf den Moment warten, in dem ihre Wölfin unter dem Vollmond endlich hervortrat. Schon die Enttäuschung darüber, dass Mitternacht verstrich, ohne dass sie sich verwandelte, lastete schwer auf ihr. Doch dieser Schmerz war nichts im Vergleich zu dem hier. Nichts im Vergleich dazu, ihren Gefährten zu finden … … und ihn im selben Augenblick wieder zu verlieren. Asher Stormrider stand vor ihr. Groß, unbeugsam. Seine Alpha-Präsenz lag wie eine Gewitterwolke über der Lichtung. Sein Gesichtsausdruck war kalt und distanziert – berechnend. Kein einziges Mal streckte er die Hand nach ihr aus. Nicht einmal wurde sein Blick weicher. „Ich kann keine wolfslose Gefährtin haben“, sagte Ash. Seine Stimme war in der schweigenden Menge deutlich zu hören. „Eine Luna muss stark sein. Sie muss das Rudel beschützen können, wenn ich nicht da bin. Wie willst du irgendjemanden beschützen, wenn du nicht einmal eine Wölfin hast?“ Er schrie nicht. Seine Worte waren ruhig. Kontrolliert. Und unendlich grausam. „Ich bin nicht wolflos“, brachte Diana hervor und zwang sich trotz des Schmerzes, aufrecht stehen zu bleiben. „Ich kann sie hören. Sie ist hier. Sie sagt, dass ihre Zeit einfach noch nicht gekommen ist. Bitte …“ Ihre Stimme brach, als die Verzweiflung sie übermannte. „Du bist mein Gefährte.“ Die Gefährtenbindung zwischen ihnen bäumte sich förmlich auf. Wild und verzweifelt wehrte sie sich wie ein lebendiges Wesen dagegen, still zu sterben. „Mach es nicht noch schwerer, Diana.“ Ashers Kiefer spannte sich an. „Akzeptiere die Zurückweisung. Wenn du dich dagegen wehrst, wird der Schmerz nicht aufhören.“ Diana drehte langsam den Kopf und ließ den Blick über das versammelte Rudel schweifen. Es waren Gesichter, die sie ihr ganzes Leben lang kannte. Werwölfe, mit denen sie gelacht, trainiert und denen sie vertraut hatte. Einer nach dem anderen sah weg. Einige bewegten sich unbehaglich. Andere starrten zu Boden. Wieder andere blickten sie voller Mitleid an, hinter dem sich kaum verhohlene Verachtung verbarg. Also so denken sie über mich. Schwach. Eine Last. Als Luna ungeeignet, nur weil sie glaubten, sie hätte keine Wölfin. Ihre Brust zog sich noch schmerzhafter zusammen. Zur Trauer kam nun auch die Demütigung. Sie können Artemis nicht wittern, begriff Diana bitter. Artemis verbarg sich. In diesem Moment durchbrachen ihre Eltern die erstarrte Stille. Ihre Mutter schlang die Arme um Dianas Schultern. Sie zitterte, hielt sie aber mit aller Kraft fest, als könnte sie ihre Tochter allein mit ihrem Willen vor der ganzen Welt beschützen. Ihr Vater stellte sich vor Diana. Mit angespannten Schultern und vor Wut lodernden Augen starrte er den Alpha an. Doch sie waren nur einfache Mitglieder des Rudels. Ihre Mutter half in der Rudelküche. Ihr Vater arbeitete als Wächter im Kerker. Und Diana wusste, dass nichts, was sie sagten, etwas ändern würde. So ist es besser, erklang eine vertraute Stimme sanft in ihrem Kopf. Artemis. Diana schluckte schwer. Warum?, fragte sie stumm. Schmerz und Verwirrung überschwemmten ihre Gedanken. Warum lässt du sie nicht wissen, dass du da bist? Weil die Zeit noch nicht gekommen ist, antwortete Artemis ruhig. Niemand darf wissen, wer wir wirklich sind. Die Präsenz der Wölfin war stark und ruhig. Sie hatte nichts mit der Schwäche zu tun, die alle Diana zuschrieben. Artemis war bei Diana, seit sie zwölf war. Diana erinnerte sich an ihre erste Verwandlung mit dreizehn. Sie erinnerte sich an die Macht. An die Kontrolle. An die Stärke. Sie erinnerte sich an alles. Sie werden mich niemals wittern, fuhr Artemis fort. Ich kann mich vor ihnen verbergen. Deshalb halten sie dich für wolflos. Und dieser Irrglaube wird uns schützen … vorerst. Dianas Herz zog sich zusammen. Aber er ist unser Gefährte. Unser wahrer Gefährte wird uns akzeptieren, erwiderte Artemis bestimmt. Er wird uns nicht für minderwertig halten. Er wird neben uns stehen, nicht über uns. Unter all dem Schmerz begann langsam ein glühender Entschluss Wurzeln zu schlagen. Wir brauchen dieses Rudel nicht, fuhr Artemis fort. Wir brauchen nur unsere Familie. Wir werden stärker werden. Stark genug, um an der Seite dessen zu stehen, der uns wirklich verdient. Dann zog sich die Wölfin zurück und verschwand tiefer in Dianas Bewusstsein. Was sie zurückließ, war keine Schwäche. Es war Stahl. Diana richtete sich auf. Der Schmerz pochte noch immer in ihrer Brust, doch sie ließ nicht länger zu, dass er sie niederdrückte. Sie hob das Kinn und blickte Alpha Asher Stormrider direkt in die Augen. Ihre Augen waren feucht und gerötet, doch in ihnen brannte Entschlossenheit. „Ich, Diana Nightshade, akzeptiere deine Zurückweisung“, sagte sie deutlich. Trotz des Sturms in ihrem Inneren blieb ihre Stimme ruhig. „Ich akzeptiere, dass du mich als deine Gefährtin und Luna zurückweist, Alpha Asher Stormrider vom Crimson-Fang-Rudel. Von diesem Tag an ist unsere Gefährtenbindung durchtrennt.“ Die Gefährtenbindung riss. Asher taumelte zurück. Ein scharfes Keuchen entrang sich seiner Kehle, während seine Hand zu seiner Brust schoss. Seine Augen weiteten sich vor Schreck. Für einen Moment zeichnete sich der Schmerz deutlich auf seinem Gesicht ab, bevor er ihn verbergen konnte. Damit rechnete er nicht. Er glaubte nicht, dass die Trennung solche Schmerzen verursachen konnte. Diana beobachtete ihn einen kurzen Moment. Sie sah, wie die Erkenntnis ihn traf. Dann wandte sie sich ab. Ihre Eltern schlossen sie erneut in die Arme und hielten sie fest, als wäre sie noch immer das kleine Mädchen, das sie vor der Welt beschützen konnten. Diana klammerte sich an sie. „Ich muss hier weg“, flüsterte sie. „Ich muss zurück zu unserer Hütte. Ich möchte eine Weile allein sein.“ Ihre Eltern nickten. Stumm liefen ihnen die Tränen über die Wangen, während sie Diana von der Lichtung begleiteten. Kaum war sie außer Sichtweite – fern von den verurteilenden Blicken und dem geflüsterten Gerede –, brach Diana zusammen. Die Tränen strömten unaufhaltsam. Heftiges Schluchzen erschütterte ihren Körper, während sie zwischen den Bäumen hindurchstolperte. Sie ließ den Schmerz über sich hereinbrechen. Sie ließ zu, dass sich die Demütigung unauslöschlich in ihr Gedächtnis brannte. In dieser Nacht würde sie zerbrechen. Sie würde um den Gefährten trauern, den sie verlor, bevor er jemals wirklich ihr gehörte. Sie würde sich an jedes einzelne Gesicht erinnern, das sich von ihr abwandte. Und morgen – morgen würde sie wieder aufstehen. Sie würde härter trainieren als jeder andere im Crimson-Fang-Rudel. Sie würde ihren menschlichen Körper stählen, bis nichts ihn mehr brechen konnte. Sie würde kämpfen, bluten und durchhalten, bis niemand sie je wieder schwach nennen konnte. Im Verborgenen würde sie ihre Wölfin trainieren. Sie würde unaufhaltsam werden. Und eines Tages – eines Tages – würde dieses Rudel bereuen, dass es sie für wertlos hielt. Denn Diana Nightshade und ihre Wölfin Artemis waren nicht schwach. Und wenn ihr wahrer Gefährte eines Tages in ihr Leben trat, würde sie stark genug sein, ihm als Gleichberechtigte zur Seite zu stehen.

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