Kapitel Sechs

2791 Words
Alpha Ashers Vorladung kam kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Draußen färbte sich der Himmel in düstere Violett- und Grautöne. Diana stand einen langen Moment vor der Tür zum Büro des Alphas. Langsam krümmten sich ihre Finger an ihren Seiten. Der vertraute Schmerz der alten Narben unter ihrer Haut half ihr, die Kontrolle zu behalten. Dieser Raum war einst ein Ort für Strategien und Zusammenhalt gewesen. Ein Ort, den sie mit Blut, Schweiß und Opfern verteidigt hatte. Jetzt fühlte er sich an wie ein Gerichtssaal. Sie klopfte einmal. „Komm rein“, befahl Asher. Diana öffnete die Tür und trat ein. Die Luft war schwer. Erfüllt von Autorität, Verurteilung und etwas, das noch weitaus giftiger war. Alpha Asher saß mit steifer Haltung hinter seinem Schreibtisch. Sein Blick war scharf. Rechts von ihm stand Beta Rafe mit verschränkten Armen und undurchdringlicher Miene. Gamma Tyler lehnte nahe der Wand. Das Unbehagen stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Und neben dem Stuhl des Alphas stand Luna Hazel wie eine Königin, die über jemanden zu Gericht saß. Diana verbeugte sich nicht. „Alpha“, sagte sie ruhig. Trotz des Sturms, der in ihrer Brust tobte, blieb ihre Stimme fest. „Du wolltest mich sprechen?“ Asher nickte einmal. „Ja. Setz dich. Wir müssen über deine Stellung als Kriegerin sprechen.“ Diana bewegte sich nicht. „Bei allem Respekt, Alpha“, erwiderte sie kühl, „diese Stellung gibt es nicht mehr. Zumindest nicht für mich. Falls du dich erinnerst: Ich bin bereits zurückgetreten.“ „Ich erinnere mich“, sagte Asher. Sein Kiefer spannte sich an. „Und ich habe deinen Rücktritt nicht akzeptiert.“ Ein bitteres Lächeln legte sich auf Dianas Lippen. „Du kannst die Realität nicht einfach ablehnen. Für mich ist es vorbei.“ „Du bist eine der stärksten Kriegerinnen, die dieses Rudel je hervorgebracht hat“, entgegnete Asher scharf. „Die jüngeren Krieger sehen zu dir auf. Du bist für sie ein Symbol der Widerstandskraft.“ „Und sieh nur, was mir das gebracht hat“, sagte Diana leise. Ihre Worte schnitten durch den Raum. „Mein eigenes Rudel hat mich verraten.“ „Niemand hat dich verraten, Diana“, sagte Asher bestimmt. Sie lachte einmal auf. Scharf. Hohl. „Das kannst ausgerechnet du leicht sagen, Alpha.“ Die Worte blieben zwischen ihnen hängen. Ihre Bedeutung musste keiner von ihnen erklären. Asher war der Erste, der sie verriet. Die Zurückweisung. Die Abweisung. Der Augenblick, in dem er sich von ihr abwandte, weil ihre Wölfin an ihrem achtzehnten Geburtstag angeblich nicht erschienen war. Als hätte Diana in diesem einen Moment jeden Wert verloren. „Ich wurde nur deshalb zu einer deiner stärksten Kriegerinnen, weil mir keine andere Wahl blieb.“ Diana trat einen Schritt vor. Ihre Augen brannten. „Du hast mir gesagt, ich hätte keine Wölfin. Dass ich weniger wert wäre. Also machte ich mich als Mensch stärker. Ich trainierte doppelt so hart. Ich blutete doppelt so viel. Ich trieb meinen Körper bis weit über seine Belastungsgrenze hinaus, weil ich es musste.“ Sie ballte die Hände zu Fäusten. „Ich tat es, um dieses Rudel zu beschützen. Und vor allem, um meine Eltern zu beschützen.“ Für den Bruchteil einer Sekunde zitterte ihre Stimme. „Wenn ich allein gewesen wäre“, fuhr sie fort und gewann ihre Kontrolle zurück, „hätte ich dieses Rudel schon vor fünf Jahren verlassen.“ Stille verschlang den Raum. „Und jetzt“, sagte Diana leise, „bin ich wirklich allein. Die einzigen Menschen hier, die mir jemals etwas bedeutet haben, sind tot.“ Ihr kalter, endgültiger Blick glitt über die Anwesenden. „Glaubst du also wirklich, ich brauche deine Zustimmung zu meinem Rücktritt? Oder dass ich sie überhaupt will? Schließlich bin ich doch nur eine gewöhnliche Kriegerin.“ Luna Hazel schnaubte verächtlich. „Deine Respektlosigkeit kennt wirklich keine Grenzen.“ Diana drehte sich langsam zu ihr. „Habe ich mit dir gesprochen, Luna?“ Hazels Augen blitzten auf. „Alpha“, mischte sich Beta Rafe mit beherrschter Stimme ein, „eine respektlose und aufsässige Kriegerin bleibt eine Belastung, egal wie stark sie ist. Ich rate dir, ihren Rücktritt anzunehmen.“ „Genau.“ Diana nickte einmal zustimmend. „Mein Rücktritt ist allerdings kein Vorschlag. Er ist ein Ultimatum. Entweder du akzeptierst ihn ... oder du verbannst mich aus diesem Rudel.“ Ein unruhiges Murmeln ging durch den Raum. „Denn ich werde niemals wieder ein Rudel beschützen“, beendete Diana ihren Satz mit eiserner Stimme, „das seine eigenen Mitglieder verrät.“ „Wie oft muss ich es dir noch sagen?“, fuhr Asher sie an. „Niemand hat dich verraten!“ Dianas Blick verdunkelte sich. „Wenn das stimmt“, sagte sie langsam, „dann beantworte mir eine Frage, Alpha.“ Sie trat näher an seinen Schreibtisch und stützte beide Hände auf das Holz. „Wie konnten meine Eltern außerhalb des Bunkers sein?“ Niemand sagte etwas. „Warum ausgerechnet meine Eltern?“, verlangte sie zu wissen. „Als ich das Schlachtfeld erreichte, sagte man mir, alle seien evakuiert worden und zusammen mit der Luna sicher im Bunker eingeschlossen.“ Ihr Atem stockte kaum merklich. „Also konzentrierte ich mich auf den Kampf. Ich kämpfte. Ich tötete Rudellose mit bloßen Händen. Und dann hörte ich meine Eltern über die Gedankenverbindung nach mir rufen.“ Ihre Stimme sank zu einem Flüstern. „Niemand weiß, wie lange sie schon versucht hatten, mich zu erreichen. Denn ich kappte jede unnötige Gedankenverbindung. Nur die Stimmen der Rudelführung ließ ich noch durch.“ Ihre Augen brannten vor ungeweinten Tränen. „Weil ich diesem Rudel vertraute. Weil ich darauf vertraute, dass meine Eltern in Sicherheit waren. Aber mein Vertrauen war fehl am Platz.“ Sie sah Asher direkt an. „Hast du auch nur die geringste Ahnung, wie sich das anfühlt?“ Gamma Tyler schluckte. „Wir ... wir wissen nicht, warum sie außerhalb des Bunkers waren, Diana. Luna Hazel sagte, sie seien nicht gekommen, als alle anderen gerufen wurden.“ Dianas Blick schoss zu ihm. „Und das glaubst du? Meine Eltern waren immer gehorsam. Loyal. Sie hielten sich an jede Regel. Mein Vater war ein einfacher Krieger niedrigen Ranges, und meine Mutter half in der Rudelküche. Ihr ganzes Leben lang befolgten sie die Regeln.“ Sie richtete sich auf. Obwohl sie vollkommen stillstand, wirkte sie plötzlich größer als alle anderen im Raum. „Ich werde nie wieder für dieses Rudel kämpfen“, sagte Diana, „solange die Person, die mich verraten hat, nicht angeklagt und verurteilt wird.“ „Und wie sollen wir irgendjemanden anklagen“, verlangte Asher zu wissen, „wenn wir nicht einmal wissen, ob überhaupt ein Verrat stattgefunden hat?“ Dianas Blick wanderte langsam und ganz bewusst zu Luna Hazel. „Ist es nicht die Aufgabe eines Alphas, das herauszufinden?“, fragte sie kühl. „Oder vielleicht solltest du deine Luna fragen. Sie war für die Evakuierung verantwortlich. Es war ihre Pflicht, dafür zu sorgen, dass jedes einzelne Rudelmitglied erfasst wurde.“ Hazel versteifte sich. „Gibst du mir etwa die Schuld?“, zischte die Luna. „Tatsächlich“, antwortete Diana ohne zu zögern, „ja.“ Tödliche Stille legte sich über den Raum. „Deine Unfähigkeit“, sagte Diana mit einer Stimme so scharf wie Stahl, „hat meine Eltern das Leben gekostet.“ Hazels Wut explodierte. Ihre Krallen schossen aus ihren Fingerspitzen hervor. Ihre Aura schwoll gewaltsam an, und sie stürzte nach vorn. „Luna“, sagte Diana ruhig und wich keinen Schritt zurück, „willst du mich wirklich angreifen?“ Sie hob das Kinn. „Darf ich dich daran erinnern, dass du mich nicht kontrollieren kannst? Und genau deshalb ...“ Ihre Augen funkelten herausfordernd. „... kann ich mich wehren.“ Die Spannung im Raum wurde beinahe greifbar. Macht knisterte in der Luft wie ein Sturm kurz vor seinem Ausbruch. Und zum ersten Mal seit dem Tod ihrer Eltern hatte Diana Nightshade nicht mehr das Gefühl, darum betteln zu müssen, gehört zu werden. Sie forderte sie heraus, sich endlich der Wahrheit zu stellen. Der Raum erstarrte. Für einen halben Herzschlag bewegte sich niemand. Luna Hazel stand mitten in der Bewegung. Ihre Krallen waren vollständig ausgefahren, ihre Augen glühten vor ungezügelter Wut. Ihre Macht strahlte nach außen. Scharf. Herrisch. Darauf ausgelegt, andere zur Unterwerfung zu zwingen. Wie eine erstickende Welle rollte sie durch das Büro. Jeder andere Krieger wäre unter diesem Befehl auf die Knie gesunken. Diana zuckte nicht einmal. Stattdessen regte sich etwas Uraltes tief in ihrer Brust. Also ... das hält sie für Macht?, murmelte eine Stimme in ihrem Kopf. Diana atmete langsam ein. Artemis, antwortete sie stumm. Die Präsenz, die ihr antwortete, war nicht laut. Sie brüllte nicht. Sie knurrte nicht. Sie erwachte. Ich bin hier, sagte ihre Wölfin. Ihre Stimme war so ruhig und grenzenlos wie Mondlicht auf stillem Wasser. Du musst das allein durchstehen. Hazel knurrte. „Du wagst es, mich zu beschuldigen und dich mir in meinem eigenen Rudel zu widersetzen?“ „Das war nie dein Rudel“, erwiderte Diana gleichmäßig. „Und du warst nie meine Luna.“ Hazel griff an. Der Raum explodierte förmlich. Hazel war schnell. Zu schnell für die meisten Augen. Doch Diana verlagerte bereits ihr Gewicht. Sie wusste schon, wohin der Angriff gehen würde. Jahrelanges Kämpfen ohne sichtbare Unterstützung einer Wölfin schärfte ihre Instinkte zu einer tödlichen Waffe. Hazels Krallen schnitten nur durch die Luft an der Stelle, an der sich einen Augenblick zuvor noch Dianas Kehle befand. Diana drehte sich zur Seite, rammte Hazel den Ellbogen in die Rippen und setzte sofort mit einem tiefen Tritt nach. Die Luna krachte gegen den Schreibtisch. Holz splitterte. „GENUG!“, brüllte Asher. Keine der beiden Frauen hörte auf ihn. Hazel schrie vor Wut auf und sprang wieder auf die Beine. Ihre Aura flammte heftig auf, als sie ihre Lunakraft entfesselte. Eine unsichtbare Macht sollte Dianas Willen zerschmettern. Sie sollte Diana zur Unterwerfung zwingen. Der Druck traf sie wie eine Flutwelle. Doch er bewirkte überhaupt nichts. Glaubt sie wirklich, sie könnte uns bezwingen oder kontrollieren?, fragte Artemis ruhig. Sie glaubt, dass ich dich nicht habe, Artemis. Für dieses Rudel ist sie nichts weiter als unser Ersatz als Luna. Nur weiß sie das selbst nicht, antwortete Diana. „Was ... was bist du?“, flüsterte Hazel. „Wie kannst du meiner Lunakraft widerstehen?“ Diana richtete sich langsam auf. „Darüber musst du dir keine Gedanken machen, Luna“, erwiderte sie spöttisch. Ihre Augen glühten vor Wut. Es war nicht das wilde Gold einer gewöhnlichen Wölfin, sondern der Blick eines Menschen voller Hass. „Ich habe genug davon, nett zu sein.“ Sie griff erneut an. Diesmal war sie noch schneller. Hazel konnte den ersten Schlag gerade noch abwehren. Diana trieb sie mit brutaler Präzision rückwärts. Jeder Schlag war berechnet. Kontrolliert. Vernichtend. Hazel kämpfte mit roher Kraft und Verzweiflung. Diana kämpfte mit einem klaren Kopf. Sie hat ihr Gleichgewicht verloren, stellte Artemis ruhig fest. Beende es. Mit einer scharfen Drehung brachte Diana Hazel aus dem Gleichgewicht. Die Krallen der Luna schnitten nutzlos durch die Luft. Dann schleuderte Diana sie gegen die Wand. Der Aufprall ließ das gesamte Büro erzittern. Diana drückte Hazel gegen die Wand und presste ihr den Unterarm an die Kehle. Hazel kratzte kraftlos an Dianas Arm. Ihre Macht versagte zunehmend. „Du hättest den Bunker überprüfen müssen“, sagte Diana leise und mit tödlicher Ruhe. „Du hättest jeden einzelnen Namen zählen müssen. Du hättest meine Eltern beschützen müssen.“ Tränen liefen über Hazels Gesicht. Nicht aus Reue. Aus Angst. „Ich ... ich wollte doch nicht ...“ Diana ließ sie los und trat zurück. „Absichten bringen die Toten nicht zurück.“ Hazel sank keuchend zu Boden. Die darauffolgende Stille war vollkommen. Beta Rafe starrte Diana an, als sähe er sie zum ersten Mal. Gamma Tyler konnte ihr nicht in die Augen sehen. Alpha Asher stand wie erstarrt hinter seinem Schreibtisch. Sein Gesicht war blass. Seine Autorität war bis ins Mark erschüttert. Diana wandte sich ihm zu. „Ich werde keiner Luna dienen, die bei ihrer Pflicht versagt und sich anschließend hinter ihrer Macht versteckt. Und ich werde nicht in einem Rudel bleiben, in dem Gerechtigkeit nur dann gilt, wenn es gerade passt.“ Asher schluckte. Es war ein kaum hörbares Geräusch. Doch in der Stille des verwüsteten Büros klang es lauter als jedes Brüllen. Der Alpha des Crimson-Fang-Rudels stellte sich Kriegen, Angriffen von Rudellosen und Herausforderern, die ihm seinen Rang entreißen wollten. Doch keiner von ihnen sah ihn jemals so an, wie Diana Nightshade es jetzt tat. Nicht voller Angst. Nicht voller Hass. Sondern mit absoluter Gewissheit. „Was ... was bist du?“, fragte er leise. Die Frage war nicht als Beleidigung gemeint. Diana hielt seinem Blick stand, ohne zu blinzeln. Das silberne Leuchten in ihren Augen wurde etwas schwächer. Es verschwand nicht. Es beruhigte sich lediglich, wie Mondlicht, das hinter dünnen Wolken verschwand. Als Diana sprach, lag keine Wut in ihrer Stimme. Und genau das machte Asher mehr Angst als jeder Zorn. „Ich bin diejenige, die du zurückgewiesen hast“, sagte sie ruhig. Jedes Wort war bewusst gewählt und trug das Gewicht jahrelangen, unausgesprochenen Schmerzes. „Weil ich angeblich keine Wölfin hatte.“ „Ich bin diejenige, die lernte, ohne Krallen zu kämpfen“, fuhr sie fort. „Diejenige, die trainierte, bis ihre Muskeln rissen und ihre Knochen schrien, weil sie sich auf keine zweite Gestalt verlassen konnte.“ Ihr Kiefer spannte sich an. „Ich wurde nicht stark, weil ich nach Ruhm strebte. Ich wurde stark, weil ich keine andere Wahl hatte.“ Ihre Stimme sank. „Ich wurde die Stärkste, damit ich die Menschen beschützen konnte, die ich liebte.“ Nur für einen Augenblick blitzte in ihren Augen eine Trauer auf, so roh und tief, dass sie beinahe selbst die Luft zerriss. „Und ich bin diejenige, die verraten wurde“, fuhr Diana fort. Ihre Stimme wurde schärfer. „Nicht nur vom Alpha dieses Rudels ... sondern auch von seiner selbstgefälligen Luna.“ Hazel zuckte zusammen. Sie saß verletzt und zitternd an der Wand. Diana würdigte sie keines Blickes. „Sei froh, Alpha“, sagte sie nun leise, fast freundlich, „wenn der Tod meiner Eltern wirklich nur auf Unfähigkeit zurückzuführen war.“ Das Wort traf wie eine Klinge. „Denn wenn ich herausfinde – wenn ich auch nur den geringsten Beweis dafür finde –, dass ihr Tod absichtlich herbeigeführt wurde ...“ Ihre Macht regte sich erneut. Subtil. Aber unverkennbar. Die Temperatur im Raum sank. „... dann werde ich dieses Rudel bis auf die Grundmauern niederbrennen.“ Sie schrie die Worte nicht. Sie gab ein Versprechen. Asher richtete sich instinktiv auf. Sein Stolz als Alpha bäumte sich gegen die Drohung auf. „Drohst du meinem Rudel?“, verlangte er mit autoritärer Stimme zu wissen. Diana neigte leicht den Kopf und betrachtete ihn, als würde sie ein Gebäude begutachten, dessen Fundament bereits Risse bekam. „Nein, Alpha“, antwortete sie ruhig. „Ich stelle nur Tatsachen fest.“ Sie holte gleichmäßig Luft. „Du wolltest eine Entscheidung. Hier ist sie.“ Unnachgiebig hielt sie seinem Blick stand. „Akzeptiere meinen Rücktritt. Oder verbanne mich. So oder so verlasse ich diesen Raum als freie Frau.“ Der Raum wartete. Ashers Kiefer spannte sich an. Sein Stolz kämpfte sichtbar gegen die Realität. Gegen seine Angst. Gegen die unumstößliche Wahrheit, die vor ihm stand. Schließlich atmete er aus. „... Dein Rücktritt“, sagte er steif. Jedes Wort schien ihm bitter wie Asche zu schmecken, „ist angenommen.“ Ein Schock ging durch den Raum. „Mit sofortiger Wirkung“, fügte Asher leise hinzu. „Du bist von allen Pflichten gegenüber diesem Rudel entbunden.“ Diana nickte einmal. „Gut.“ Sie wandte sich zur Tür. Hinter ihr sprach Asher noch einmal. Leise. Fast gebrochen. „Auch wenn es jetzt nichts mehr ändert ... ich lag falsch.“ Diana blieb stehen. Doch sie drehte sich nicht um. „Deine Anerkennung brauche ich schon lange nicht mehr.“ Dann ging sie hinaus. Die Tür fiel hinter ihr mit einem endgültigen Klicken ins Schloss, das im Flur widerhallte. Draußen empfing sie die Nacht. Kühl. Weit. Offen. Wo werden wir jetzt wohnen?, fragte Artemis. Solange Diana noch Kriegerin war, wohnte sie im Rudelhaus. Im Erdgeschoss gab es Zimmer, die für die Krieger reserviert waren. Diana hob das Gesicht zum Mond. Wir wohnen in der Hütte unserer Eltern. Sie ist alles, was uns von ihnen geblieben ist. Ich werde niemandem erlauben, dort zu wohnen. Zum ersten Mal in ihrem Leben – war sie frei.
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