Die Verstoßene Ehefrau
Laylas Sicht
Ich war ein Idiot. Nun, so sah mich jeder.
Niemand. Die Frau, die kein Recht hatte, durch Penthäuser oder Ballsäle zu gehen, es sei denn, sie würde dienen oder den Dreck wegräumen, den meine Cousine Cassandra gemacht hatte.
Die Musik des Orchesters spielte leise im Hintergrund des großen Ballsaals des Altura Hotels, dem prestigeträchtigsten Ort in Manila. Kristallleuchter warfen Licht auf die Marmorböden, die ich selbst gewachst hatte. Bis zum Nachmittag hatte ich meinen Verstand schon zweimal verrenkt, drei Ohrfeigen von Cassandra kassiert und dutzende verächtliche Blicke von Tita Divina, ihrer Mutter, ertragen.
Es war Cassandras Hochzeitstag. Mit meinem Mann.
Nicht Ex-Mann. Wir hatten nicht einmal mit der Annullierung begonnen. Aber der Milliardär, den ich vor drei Jahren in einer diskreten Zeremonie geheiratet hatte, als ob seine Familie so tat, als wäre es nie passiert, heiratete an diesem Tag meine Cousine vor fünfhundert Gästen: Alejandro del Rosario.
Konnte es etwas Schlimmeres als Herzschmerz geben als diesen schmerzhaften Moment?
„Psst.“ Tita Divina zischte, packte meinen Arm und zog mich in den Servicesteg hinter der Küche. Cassandra stand unruhig in ihrem maßgeschneiderten Vera-Wang-Kleid, das mehr gekostet hatte, als ich in meinem ganzen Leben verdient hatte. Sie sah mich mit Augen an, die drohten, mich in Flammen zu setzen.
„Du wirst diese Schwangerschaft beenden“, knurrte sie. „Heute.“
„Nein.“ Der Laut blieb in meinem Hals stecken, bevor er meinen Mund verlassen konnte.
„Ich kann nicht zulassen, dass du meine Ehe ruinierst, du dumme Göre.“ Sie trat vor und schlug mir ins Gesicht.
Die Ohrfeige hallte durch den kleinen Flur.
„Er ist mein Mann“, schrie ich, Tränen liefen über meine Wange, während ich meinen noch flachen Bauch umklammerte. „Das ist sein Kind.“
„Er gehört jetzt mir“, zischte Cassandra durch zusammengebissene Zähne. „Ich habe so hart dafür gearbeitet. Ich werde nicht tatenlos zusehen, wie eine arme Idiotin und ihr Bastardkind zerstören, was ich mir verdient habe.“
Ich schüttelte den Kopf und presste meine Hände auf meinen Bauch. „Du kannst mich nicht zwingen—“
„Hey, du dreckige Puta“, unterbrach Tita Divina, als sie mein Gesicht packte, ihre perfekt manikürten Nägel gruben sich in mein Fleisch. „Du wirst tun, was meine Tochter dir befiehlt.“
„Das ist mein Baby. Mein erstes Kind. Ich werde nicht. Ich kann nicht.“
Tita Divinas Gesicht wurde weich, zu etwas noch Schrecklicherem. Sie lehnte sich nah zu mir, ihre Stimme senkte sich zu einem flüsternden Ton. „Und genau deshalb musst du, hija. Warum kannst du nicht mit jedem Mann Kinder haben, den du willst?“ Ihr Lächeln fror ein. „Du solltest sowieso gut darin sein, deine Beine zu öffnen.“
Ich schnappte nach Luft und starrte sie entsetzt an.
„Du hast versprochen“, brachte ich hervor.
„Nach der Hochzeit hast du gesagt, ich könne Alejandro von dem Baby erzählen. Du hast gesagt—“
„Pläne haben sich geändert, Liebling.“ Tita Divinas Lächeln erreichte nie ihre Augen. „Du wirst eine Pille nehmen. Sauber und schnell. Dann verschwindet dieser ganze Mist.“
Mein Herz pochte in meinen Rippen.
Drei Wochen zuvor hatte ich erfahren, dass ich schwanger war. Diese Hochzeit, dieses Milliardenspektakel, hätte überhaupt nicht stattfinden sollen.
Ich war bereits mit Alejandro verheiratet.
Aber dann kamen die Anschuldigungen. Diebstahl. Das Diamanthalsband seiner Großmutter, das verschwunden war, wurde in meiner Wohnung gefunden. Sicherheitsaufnahmen waren mysteriös beschädigt. Alejandros kalte Augen, als er mich ansah, als wäre ich nichts.
„Ich hätte dir fast vergessen zu sagen“, sagte Cassandra süß, während sie ihren noch flachen Bauch streichelte. „Alejandro und ich sehen uns schon seit über einem Jahr. Ich trage seine Zwillinge.“
Die Worte waren wie ein Schlag in die Brust und der Raum kippte.
Die Tür öffnete sich und Dr. Ramos kam herein. Meine Ärztin, der ich mein Geheimnis anvertraut hatte, sie war die Einzige, die von der Schwangerschaft wusste.
Das Verständnis traf mich wie ein Schlag. Sie hatte es ihnen gesagt, sie hatte mich verraten.
„Nimm dies.“ Tita Divina drückte mir ein winziges bernsteinfarbenes Fläschchen in die zitternden Hände. „Nur eine Dosis, und es verschwindet. Dann kannst du zur Zeremonie gehen wie ein braves kleines Dienstmädchen.“
Ich starrte auf das Fläschchen. Es war warm von ihrer Hand, oder vielleicht von meiner eigenen. Tränen verschwommen meine Sicht.
„Ich werde nicht“, flüsterte ich.
Tita Divinas Gesicht funkelte wütend. „Du hast keine Wahl, Layla. Nimm diese Pille, und dein Albtraum endet. Weigerst du dich, lassen wir die ganze Welt wissen, was du wirklich bist.“
„Wovon redest du?“ Meine Stimme brach.
Ihr Lächeln wurde grausam. „Wir werden allen sagen, dass du mit Antonio Villanueva geschlafen hast, Alejandros Geschäftsrivale. Dass dieses Bastardkind seines ist. Wir werden sagen, du hättest die Halskette gestohlen, um deine Flucht mit ihm zu finanzieren.“
Sie pausierte und ließ jedes Wort wirken. „Und wenn das immer noch nicht reicht, lassen wir alle denken, du hättest Alejandros Lola vergiftet, bevor sie ihr Testament ändern konnte.“
Die Anschuldigungen raubten mir den Atem. „Ich würde niemals. Lola Rosa war immer gut zu mir. Ich habe sie geliebt.“
Selbst als ich widersprach, wusste ich es besser. Niemand würde mir glauben. Ich war niemand. Das Mädchen aus Tondo, das einen del Rosario geheiratet hatte.
Cassandra lachte, scharf und brüchig. „Siehst du, Layla? Das ist die Realität. Sie werden uns viel eher glauben, als dir.“
„Bitte“, sagte ich, beschämt über die Schwäche meiner Stimme. „Diese Schwangerschaft gehört Alejandro, es ist sein Kind. Unser Baby. Mach mich nicht—“
„Denkst du, das spielt eine Rolle?“ sagte Tita Divina und hielt mein Gesicht fester. „Du bist ein Fehler, Layla. Ein Makel auf unserem Familiennamen. Es ist Barmherzigkeit, dir zu erlauben, es still zu beenden, anstatt dich durchs Rechtssystem zu schleifen.“
„Es ist mein Kind“, flüsterte ich.
„Dann nimm die Pille“, sagte sie kalt. „Und ich nehme an, eines Tages bekommst du eine neue Chance mit jemandem deiner Klasse.“
Mit zitternden Händen sah ich auf das Fläschchen. Meine Gedanken rasten in alle Richtungen, auf der Suche nach einem Ausweg, der nicht da war.
Die Tür wurde aufgestoßen.
Zwei Wachen kamen herein, ihre Gesichter hart und geschäftsmäßig. Einer hielt ein offizielles Dokument, das das Siegel der del Rosario Firma trug.
„Frau Layla del Rosario“, erklärte der größere Wachmann, das Papier haltend. „Auf Anordnung von Alejandro del Rosario und im Rahmen einer laufenden Firmenuntersuchung müssen Sie uns sofort begleiten.“
„Was?“ Das Fläschchen war fast aus meiner Hand gefallen. „Wofür wollt ihr mich?“
Die Wachen sahen sich an, antworteten aber nicht.
„Cassandra keuchte hinter mir vor Freude, und Tita Divinas triumphierendes Lächeln spiegelte sich in den Spiegeln des Flurs. Sie hatten das auch arrangiert. Jeden Moment, jede Demütigung, bis ins kleinste Detail.
Ich blickte auf das Fläschchen, dann zurück zu den steinernen Gesichtern der Wachen. Festgenagelt.
„Bitte“, machte ich einen weiteren Appell. „Es gibt keinen Grund, etwas vor den Behörden zu verbergen, oder irgendetwas! Ihr wisst, dass ich es nicht getan habe.“
Selbst für mich klangen meine Schluchzer hohl.
Der Wachmann packte grob meinen Arm, und ich ließ mich mitnehmen, während die Tür hinter uns zufiel. Cassandras kristallines Lachen hallte durch die Gänge, gefolgt von Tita Divinas zufriedenen Flüstern.
„Endlich. Dieses Problem ist gelöst.“