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Die Flußpiraten des Mississippi

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Dort, wo der Wabasch die beiden Bruderstaaten Illinois und Indiana von einander scheidet und seine klaren Fluthen dem Ohio zuführt, wo er sich bald zwischen steilen Felsufern, bald zwischen blühenden Matten und blumigen Prairien, oder auch unter dem ernsten Schatten und feierlichen Schweigen des dunkeln Urwalds hin, murmelnd und plätschernd durch tausend stille Buchten drängt, mit dem Schilf und mit einzelnen schwankenden Weidenbüschen spielt und tändelt, hier bald leise und behaglich über runde Kiesel und grüne Rasenstecken dahingeleitet, bald wieder plötzlich wie im tollen Muthwillen herausschießt in die Mitte des Bettes und da, von der Gegenströmung erfaßt, kleine blitzende Wellen schlägt und glitzert und funkelt – da lagen im Frühling des Jahres 184–, die Büchsen neben sich in das schwellende Gras geworfen, zwei Männer auf einer dichtbewaldeten Anhöhe. Im Süden stemmte sich dieselbe dem Lauf des Stromes entgegen und zwang ihn, brausend und scheinbar unwillig über die trotzige Hemmung, wieder seitab zu fluthen; mußte er doch den starren Gesellen umgehen, der weder durch das leise, schmeichelnde Plätschern der Wellen, noch durch den mächtigen Andrang der zornig aufgeschwellten Wasser hatte bewogen werden können, auch nur einen Zoll breit seines behaupteten Grundgebiets preiszugeben.

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Vorwort.
Vorwort.Schon in früheren Zeiten, als die westlichen Staaten noch als Territorium der Union galten, Dampfboote die Wasser jener mächtigen Ströme noch nicht aufwühlten, und nur unbehülfliche Kiel- und Flatboote – oft auch sehr passend Archen genannt – die Handelsverbindung im Innern unterhielten, hatte sich auf einer der zahlreichen Inseln dieses Stromes, Stack oder Crowsnest Island – oder Nr. Vierundneunzig, wie sie jetzt genannt wird, eine völlige Raubbande organisirt, die nicht allein, was in ihren Bereich kam, mordete und plünderte, sondern auch in ihrem Versteck eine Falschmünzerei unterhielt, von wo sie mit ihren Banknoten das ganze westliche Land überschwemmte. Die Gesetze waren nicht hinreichend, die Bewohner der Union zu schützen, und die Backwoodsmen mußten sich deshalb selbst dagegen bewahren. In einem Lande, wo sich der vierte Theil der Bevölkerung stets auf Reisen befindet, ist es aber sehr schwer, ja fast unmöglich, selbst einen Mord zu entdecken, da man, wenn nicht der Zufall dabei thätig ist, selten weitere Beweise hat, als daß der Mann eben fehlt. Die Seinigen beweinen ihn nicht einmal, denn daß er todt sein könne, ist ihr letzter Gedanke. Sie vermuthen ihn auf irgend einer Speculation nach Texas oder anderen neuen Staaten begriffen, und hoffen, ihn mit der Zeit zurückkehren zu sehen. Jedes Verbrechen hat aber sein Ziel; die Mordbuben wurden durch die ungestrafte Ausübung ihrer Schandthaten nach und nach dreister, ihre Verbindung breitete sich immer mehr aus, und ihre Entdeckung mußte endlich die Folge davon sein. In Arkansas und Texas hatten sich indessen Regulatorenbündnisse gegründet, und so überfielen auch hier die nächsten Nachbarn jene Verbrechercolonie, die Insel, und übten so fürchterliche Gerechtigkeit an den Schuldigen, daß sie Alle, die sie nicht selber ergriffen und vernichteten, weit hinausjagten in ferne Theile Amerikas, um nur ihrem strafenden Arm zu entgehen. Ein Theil der sogenannten »Morrel'schen Bande« stand mit diesen Flußpiraten in Verbindung; Morrel selber wurde gefangen und, wenn ich nicht irre, im Zuchthaus aufgehoben; das aber, was den Backwoodsmen unter die Hände fiel, kam in kein Gefängniß – es war ein blutiger Tag, der jenen Räubereien ein Ende machte. Den Schauplatz meiner Erzählung, in welcher ich das Räuberunwesen wahr nach dem Leben zu schildern suche, habe ich nach Helena und in dessen nächste Umgebung verlegt; die wirkliche Insel befand sich aber etwas weiter unten als Einundsechzig.

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