„Danke für das, was du getan hast, und wir werden deinen Rat nutzen“, sagte Finn, seine Stimme ruhig, aber mit Vorsicht durchzogen. „Aber das bedeutet nicht, dass ich dir völlig vertraue. Ich weiß nicht, ob du ein verborgenes Motiv hast.“
„Und was den Rest von euch betrifft, bemüht euch nicht, nach dem Verräter zu suchen – denn wenn ich euch zuerst erwische, werdet ihr euch wünschen, tot zu sein. Erspart euch das Leid und drückt jetzt ab.“ sagte er, seine Stimme wie Eis.
Bevor sie reagieren konnten, schob er seinen Stuhl zurück und stand auf. Ich starrte ihn ungläubig an. Derselbe Finn, der mich noch vor wenigen Augenblicken angelächelt hatte, klang jetzt kalt und verschlossen. Ist er bipolar? fragte ich mich. Ich hatte wirklich gedacht, er hätte angefangen, sich mir zu öffnen.
„Kümmere dich nicht um ihn“, sagte Mia leise und legte beruhigend ihre Hand auf meinen Arm.
Ich nickte und zwang mich zu einem kleinen Lächeln. Ohne ein weiteres Wort nahm sie sanft meine Hand, und zusammen gingen wir zurück ins Haus.
Einige Stunden später lag ich auf meinem Bett und starrte an die Decke, wiederholte immer noch Finns Worte in meinem Kopf, als ein scharfes Klopfen meine Gedanken durchbrach.
Erschrocken setzte ich mich schnell auf und ging zur Tür. Ich öffnete sie einen Spalt – und da stand Philip, sein Gesicht erhellt von einem breiten Lächeln.
„Hi“, sagte er warm.
Ich nickte und erwiderte sein Lächeln, obwohl mich Neugierde zog.
„Finn möchte dich sehen“, fuhr Philip fort. „Er ist in seinem Arbeitszimmer.“
Ich zögerte einen Moment und starrte Philip an. „Hat er gesagt, was er wollte?“ fragte ich, meine Stimme leiser, als ich beabsichtigt hatte.
Philip schüttelte den Kopf, sein Lächeln wich nicht. „Nein. Aber du solltest ihn wahrscheinlich nicht warten lassen.“
Ich nickte, schlüpfte schnell in meine Hausschuhe. „In Ordnung. Geh voran.“
Der Flur war schwach beleuchtet, und die Stille ließ jeden Schritt lauter widerhallen, als er sollte. Mein Herz pochte in meiner Brust, als wir die schwere Holztür zu Finns Arbeitszimmer erreichten. Philip blieb stehen und deutete darauf.
„Er ist drinnen“, sagte er. „Viel Glück.“
Ich warf ihm einen fragenden Blick zu, aber er ging schon weg. Viel Glück? Die Worte gefielen mir nicht.
Ich atmete tief durch, hob meine Hand und klopfte.
„Komm rein“, rief Finns Stimme von drinnen, tief und fest.
Ich stieß die Tür auf und trat ein. Der Raum roch schwach nach Leder und Zigarrenrauch, gesäumt von Regalen voller Bücher und übersät mit Karten und Papieren auf dem Mahagonischreibtisch. Finn saß dahinter, seine scharfen Augen auf eine Akte vor ihm gerichtet.
Als er aufsah, war das Aufflackern von Wärme, das ich zuvor gesehen hatte, verschwunden, ersetzt durch einen undurchdringlichen Ausdruck.
„Setz dich“, befahl er und deutete auf den Stuhl gegenüber.
Ich ließ mich in den Stuhl sinken und versuchte, meine Nervosität zu verbergen. „Du wolltest mich sehen?“
„Ja“, sagte er schroff. „Was du vorhin getan hast, war beeindruckend, aber ich muss wissen, ob du wirklich so fähig bist, wie du scheinst.“
Ich runzelte leicht die Stirn. „Was meinst du?“
Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, die Finger unter seinem Kinn verschränkt. „Es gibt etwas… Gefährliches, das ich möchte, dass du erledigst. Wenn du Erfolg hast, wird das nicht nur deine Loyalität beweisen, sondern uns auch helfen, die Kontrolle über diese Firma zurückzugewinnen.“
Ich schluckte hart, mein Puls beschleunigte sich. „Gefährlich? Von was für einer Mission reden wir hier?“
Fins Lippen verzogen sich zu einem kaum wahrnehmbaren Lächeln, das jedoch nicht seine Augen erreichte. „Die Person, die unsere Gelder abzweigt, arbeitet nicht allein. Sie hat Verbündete außerhalb der Firma – Konkurrenten, von denen wir vermuten, dass sie Teil dieses Plans sind. Ich brauche dich, um dich mit einem ihrer angeblichen ‚Partner‘ zu treffen. Gewinne ihr Vertrauen. Finde heraus, was sie wissen und was sie planen.“
Ich blinzelte, während das Gewicht seiner Worte in mir nachhallte. „Du willst, dass ich undercover gehe?“
„Du bist die Einzige, die sie nicht verdächtigen werden“, sagte Finn. „Und ehrlich gesagt habe ich niemanden sonst, den ich für so etwas riskieren kann. Es wird gefährlich, Leah. Ein falscher Schritt, und du könntest verletzt werden… oder Schlimmeres.“
Meine Kehle fühlte sich trocken an, doch ich zwang mich, seinem Blick standzuhalten. „Und wenn ich mich weigere?“
„Dann gehst du weg, und ich finde jemand anderen“, sagte Finn gleichmäßig. „Aber ich dachte, du wärst hier, um dich zu beweisen.“
Ich zögerte einen Moment, dann richtete ich meine Schultern. „Wann breche ich auf?“
Fins Lächeln wurde ein wenig breiter – diesmal mit einem Hauch von Anerkennung. „Morgen früh. Philip wird dir die Details geben.“
„Ich tue das nicht, um dir meine Loyalität zu beweisen. Ich weiß, dass ich nichts tun kann, um deine Meinung zu ändern – du siehst mich ohnehin schon als Spionin. Aber ich tue das für die Gangmitglieder und um denjenigen zu stoppen, der uns bestiehlt. Ich kann es nicht ertragen, andere betrogen zu sehen.“
Finn lehnte sich in seinem Stuhl zurück, seine Augen verengten sich leicht, während er mich musterte. Das Lampenlicht warf scharfe Schatten über sein Gesicht, die ihn noch undurchdringlicher wirken ließen.
„Du hast Mut, das gebe ich dir“, sagte er nach einer langen Pause, seine Stimme tief und bedächtig. „Aber Mut allein wird dich da draußen nicht am Leben halten.“
„Ich werde es darauf ankommen lassen“, erwiderte ich und weigerte mich, meine Stimme schwanken zu lassen.
Ein schwaches Grinsen zuckte an seinen Lippen, doch es war nicht warm. „Du erinnerst mich an jemanden, den ich einmal kannte… leichtsinnig, stur und zu rechtschaffen für das eigene Wohl.“ Er erhob sich und ging um den Schreibtisch herum, bis er direkt über mir stand. „Denk daran, Leah, das ist kein Spiel. Die Leute, denen du gleich gegenüberstehen wirst, zögern nicht, dich niederzumachen, wenn sie auch nur den geringsten Anflug von Schwäche spüren.“
„Ich bin nicht schwach“, sagte ich scharf und hielt seinem Blick stand.
Sein Grinsen vertiefte sich, doch seine Augen blieben kalt. „Das werden wir sehen.“
Finn wandte sich ab und zog einen versiegelten Umschlag aus einer Schublade. „Hier ist alles, was du brauchst – deine Legende, der Ort des Treffens und ein Kontakt, der auf dich warten wird. Präge es dir ein, dann vernichte es. Wage es nicht, mich zu enttäuschen, sonst wirst du mit deinem Leben bezahlen.“ Er reichte mir den Umschlag, seine Finger streiften kurz die meinen.
Als ich ihn nahm, spürte ich das Gewicht dessen, worauf ich mich da einließ. Ich wusste nicht, ob das Mut war oder pure Dummheit, aber eins wusste ich – jetzt konnte ich nicht mehr zurück.
„Brich im Morgengrauen auf“, fügte Finn hinzu.