SIENNAS SICHT Der Klang von Cosettes Ohrfeige hallte noch lange durch den Raum, nachdem ihre Hand gesunken war. Meine Wange brannte. Mein Stolz brannte noch viel mehr. Für einen Herzschlag erstarrte alles – die Luft, die Kerzen, selbst die Schatten, die sich an die Ecken des Zimmers klammerten. Alles, was ich hörte, war das scharfe, gleichmäßige Pochen meines eigenen Pulses. Sie hatte mich tatsächlich geschlagen. Ihre Handfläche hatte mich so schnell getroffen, dass ich es kaum wahrnahm. Noch im einen Moment stand ich fest. Im nächsten war mein Gesicht abgewandt, mir wurde der Atem geraubt. Ich schmeckte den kupfernen Geschmack von Blut auf meiner Zunge – nicht Luthers, mein eigenes. Ein bitteres Lachen wäre mir beinahe entglitten. Sie wollte mich brechen sehen. Doch alles, was sie e

