Die Registerkarte

667 Words
Vivienne Carter betrat den Speisesaal wie eine Königin, die absichtlich zu spät kommt – mit schwingenden Hüften, erhobenem Kinn und einem perfekt geschliffenen Lächeln. Sie trug natürlich Rot. Vivienne trug immer Rot, wenn sie Aufmerksamkeit wollte … oder Blut. Jedes Gespräch verstummte sofort. Sogar das Klirren des Bestecks verstummte. Aria blickte nicht sofort auf. Das allein reichte aus, um Viviennes Augen zucken zu lassen. „Aria“, sagte Vivienne süß und blieb neben ihrem Stuhl stehen. „Du hast uns nicht gesagt, dass du heute Abend zu Besuch kommst. Wie … unerwartet.“ Aria hob langsam und ruhig den Blick, als wäre Vivienne nichts weiter als eine Brise, die an ihr vorbeistreicht. „Vivienne“, sagte sie mit einem höflichen Lächeln. „Ich ging davon aus, dass die Einladung von der Familie kam. Mir war nicht klar, dass ich speziell Ihre Zustimmung brauchte.“ Ein paar Cousins verschluckten sich an ihrem Wein. Tante Helen starrte, als hätte sie gerade gesehen, wie ein Blitz in den Tisch einschlug. Viviennes Lächeln wurde fester. „Ich meinte nur, dass du es mir hättest sagen können. Ich bin deine Schwester.“ „Schwester?“ Aria wiederholte leise. „Was für eine interessante Wortwahl.“ Viviennes Finger schlossen sich an ihr Kleid, das unter dem Tisch versteckt war. Sie beugte sich etwas näher. „Du wirkst heute Abend… zuversichtlich. Die Ehe behandelt dich gut?“ Aria legte den Kopf schief. "Warum? Machst du dir Sorgen, dass es mich besser behandelt, als du erwartet hast?" „Vivienne, setz dich.“ Aber Vivienne rührte sich nicht. Sie starrte Aria an, das Mädchen, auf das sie einst so leicht getreten war, und versuchte, die Risse zu finden, die einst dort waren. Sie fand keine. „Wie ist es, mit einem Mann zusammenzuleben, der kaum zu seiner eigenen Hochzeit kommt? Muss kalt sein.“ Aria lächelte. Langsam. Kontrolliert. Gefährlich. „Kalt?“ sie wiederholte. „Überhaupt nicht. Das Haus ist warm. Das Personal ist respektvoll. Und Damian-“ Sie hielt inne. Jedes Ohr am Tisch beugte sich nach vorne. „-weiß genau, wie man mit dem umgeht, was ihm gehört.“ Der Tisch explodierte lautlos. Ein Cousin schnappte nach Luft. Ein Onkel ließ seinen Löffel fallen. Sogar ihr Vater hielt mit seiner Gabel in der Luft inne. Viviennes Griff um ihr Glas wurde fester, ihre Knöchel wurden weiß. „Du meinst also, dass es ihn... interessiert?“ Aria lachte leise. „Das habe ich nicht gesagt. Das hast du.“ Viviennes Gesicht verzog sich für einen Moment, nur einen Spalt, aber Aria sah es. Es hat mir Spaß gemacht. Aria lehnte sich zurück und wischte sich einen unsichtbaren Fleck aus dem Ärmel. Ihr Ton war ruhig, aber schneidend: „Vivienne, du siehst gestresst aus. Ist alles in Ordnung? Du wirkst... verärgert.“ Viviennes Kiefer biss die Zähne zusammen. „Mir geht es vollkommen gut.“ „Gut“, sagte Aria süß. „Ich möchte nicht, dass irgendjemand denkt, dass du deine Eifersucht siehst.“ Stille breitete sich im Raum aus. Vivienne erstarrte. Ihre Mutter versteifte sich. Mehrere Verwandte beschlossen plötzlich, dass sie husten, niesen oder auf ihre Teller schauen müssten. Vivienne erholte sich mit einem spröden Lächeln. „Eifersüchtig? Auf dich? Schmeicheln Sie sich nicht.“ „Oh, ich schmeichele mir nicht“, antwortete Aria sanft. „Ich beantworte einfach die Frage, die jeder in diesem Raum zu höflich stellt, um sie zu stellen.“ Vivienne öffnete ihren Mund – bereit, etwas Scharfes auszuspucken, aber Aria unterbrach sie zuerst. „Mach dir keine Sorgen“, sagte Aria leise genug, dass nur Vivienne und ein paar nahe Verwandte es hörten: „Ich bin nicht hier, um dir etwas wegzunehmen.“ Vivienne hob triumphierend das Kinn – Dann Aria fertig: „Du hast es bereits verloren. Im letzten Leben.“ Vivienne erstarrte. Sie verstand die Worte nicht, aber sie spürte die Bedrohung in ihnen, als Arias Blick sie direkt durchschnitt. „Auf eine zweite Chance.“ Viviennes Glas zitterte. Arias Glas zitterte nicht.
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