Freundin-Zwischenspiel

893 Words
Der Privataufzug ertönte, und alle Köpfe im Vorzimmer drehten sich um. Selene Vaughn ging nicht – sie betrat den Raum. „Morgen, Lieblinge“, schnurrte sie zu niemandem Bestimmten, ihre Absätze klapperten auf dem polierten Boden. „Nur hier, um den Chef zu sehen.“ Die Assistenten tauschten nervöse Blicke aus. Niemand hat sie aufgehalten. Das hat noch nie jemand getan. Damians Tür öffnete sich, bevor sie klopfen konnte. „Selene“, sagte er ruhig. „Du bist zu früh.“ „Du bist zu spät für mich“, schoss sie zurück und stürmte in das Büro, als ob es ihr gehörte. Sie warf ihre Sonnenbrille auf seinen Schreibtisch; ein Briefbeschwerer drehte sich über die polierte Oberfläche. „Ehrlich gesagt, Damian, du schreibst nie zurück. Ein Mädchen könnte sich vernachlässigt fühlen.“ „Ich war in einer Besprechung“, antwortete er und schloss die Tür hinter ihr. „Der Markt ist nicht so bedürftig.“ Damian saß ihr undurchschaubar gegenüber. „Warum bist du hier, Selene?“ „Weil du jemanden geheiratet hast.“ Ihr Ton war verspielt, aber ihr Blick wurde schärfer. „Ein kleiner Vogel hat mir erzählt, dass die Hochzeit … zurückhaltend war. Keine Einladungen für alte Freunde. Tragisch.“ „Es war eine geschäftliche Vereinbarung“, sagte er rundheraus. „Das weißt du.“ Selene legte den Kopf schief und musterte ihn. „So nennt man das? Eine Verschmelzung von Herzen und Bilanzen?“ Er antwortete nicht. Sie beugte sich vor, die Ellbogen auf den Knien, und ließ ihre Stimme zu einem Schnurren sinken. „Also, Damian Cross, der Titan der Industrie, hat jetzt eine Frau. Weiß die mysteriöse Mrs. Cross, dass ihr Mann bis spät in die Nacht mit Models und Martinis verbringt?“ „Mein Privatleben ist kein Diskussionsthema“, sagte er mit angespanntem Kiefer. „Oh, das glaube ich“, entgegnete sie, und ein verschlagenes Lächeln breitete sich aus. „Besonders, da Ihre Ehe in aller Munde ist. Ich habe heute Morgen eines gelesen, in dem es heißt ‚eine Vereinigung von Dynastien‘. sie drückte. „Du kamst mir nie wie der ‚Ja‘-Typ vor.“ Er drehte sich in Richtung der Skyline und drehte ihr praktisch den Rücken zu. „Weil es Sinn ergab.“ Selene lachte leise, leise und amüsiert. „Dieses arme Mädchen. Wie heißt sie – Aria? Sie muss sich so besonders fühlen, weil sie die klügste Zeile in einer Tabellenkalkulation ist.“ „Du sagst das, aber Frauen verstehen es selten, ignoriert zu werden. Irgendwann wollen sie… mehr. Und du, Damian, bist schrecklich darin, mehr zu geben.“ Er blieb still, eine Mauer der Ruhe. „Gibt es einen Grund für diesen Besuch, den man nicht kommentieren kann?“ „Vielleicht habe ich dich einfach vermisst.“ Ihr Atem war warm an seinem Ohr. „Vielleicht wollte ich dich daran erinnern, dass Papierkram das Verlangen nicht ändert.“ Einen Herzschlag lang herrschte Stille. Damian stand schließlich auf und zwang sie, einen Schritt zurückzutreten. „Das ist kein guter Zeitpunkt“, sagte er mit stählerner Stimme. „Ich habe eine Vorstandssitzung.“ Ihr Grinsen verblasste nicht. „Es ist nie eine gute Zeit mit dir. Das ist schon der halbe Spaß.“ Sie glitt zur Tür und blieb stehen, um über ihre Schulter zu schauen. „Grüßen Sie Ihre… Vertragsbraut von mir.“ Die Tür schloss sich und hinterließ ein schwaches Echo von Gelächter. Damian atmete langsam aus, beherrschte sich und drückte auf die Gegensprechanlage. „Evelyn“, sagte er ruhig. „Machen Sie meinen Zeitplan für die nächste Stunde frei. Sitzungssaal bereit.“ „Ja, Sir“, kam die klare Antwort. Er rückte seine Krawatte zurecht – ein kurzer Anflug von Verärgerung in seinen Augen. Selene lebte vom Chaos; er gedieh auf Befehl. Und die Ordnung siegte immer. Als er nach der Fusionsakte von Vanguard griff, blieb ihr Geruch in der Luft, unwillkommen, eine Erinnerung daran, dass nicht alles ordentlich abgelegt werden konnte. Der Sitzungssaal leerte sich planmäßig und hinterließ nur Espresso und Anspannung. Damian verweilte einen Moment und blickte auf die Stadt, die sich unter ihm erstreckte. Die Geschäfte verliefen genau wie vorhergesagt. Vanguards Widerstand ließ nach. Bei Einbruch der Dunkelheit würde ihm das Unternehmen bis auf den Namen gehören. Er mochte es, wenn die Welt dem Plan folgte. Ein leises Klopfen durchbrach die Stille. Evelyn kam herein, das Tablet in der Hand, der Gesichtsausdruck makellos. „Ihre Frau hat angerufen“, sagte sie leise. „Mrs. Cross hat darum gebeten, das Wohltätigkeitsessen heute Abend zu bestätigen. Sie fragte sich, ob Sie mitkommen würden.“ „Ich habe eine späte Besprechung“, antwortete er. „Senden Sie ihr meine Grüße. Höflich.“ Evelyn machte sich eine kurze Notiz. „Es gibt auch einen Kurier von Carter Industries für die neuen Joint-Venture-Verträge. Soll ich sie Ihnen zur Prüfung weiterleiten?“ „Ja. Ich unterschreibe, bevor ich gehe.“ „Sonst noch etwas, Sir?“ „Nein.“ Glatt. Endgültig. Evelyn zog sich zurück, die Tür klickte leise. Im Büro herrschte Stille. Damian kehrte zu seinem Schreibtisch zurück und trommelte mit den Fingern einmal auf poliertem Holz. Arias Name schwebte wie ein Echo. Seit der Hochzeit hatte sie keine Forderungen mehr gestellt. Eine Ehefrau nur im Titel – effizient, berechenbar, genau das, was er erwartet hatte.
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